Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 17 (25.4.1862)
- Date
- 1862-04-25
- Page
- Seite 153 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und daß David schon die Takte kannte. So könnte man das על השמינית als Taktart allsfassen. Wenn man in Betracht zieht, wie reich die indische Liturgie an Melodien ist, nnd die doch nicht modern sind, wenn wir auch nicht zngcbcn, daß die Kol Nidrü Melodie הל" מ wäre, denn so wird es wahrscheinlich Hirsch und Konsorten annehmen, so wird man wahrlich versucht, die Juden als erbliche Musikfreunde anznnelnnen. Und in moderner Zeit, seitdem der Tonkunsi die Zwangsjacke der Regeln angelegt wurde, finden wir nicht proportionel eine größere Zahl von Meistern, die Inden find: Mendelsohn, MoschelcS, Meyerbeer, Halevi re. und eine ganze junge Generation, die viele Inten cinschließt, ,11,0 zu welchen auch unser junger Künstler Heinrich Ketten, der Sohn des hiesigen ersien Kantors an der Consistonalsynagoge gehört? Zeh bin leider nicht Musiker, 1,110 kann daber nicht speciell von dessen riesigen Leisnuigen sprechen-, auch wären Details für Ihr geehrtes Blatt nicht geeignet. Ich beschränke mich daher Allgemeineres über das junge Talent zu sagen, worin ich den Anssprüchen der hiesigen großen Meister nno den Artikeln in den größten Blättern, als der Times, Monitenr, Revue de deux monde nnd andern vielen folge. Sie müssen wissen, daß unser Künstler im März 1862 vierzehn Jahre alt geworden, nnd vierzehn Stücke, worunter zwei Cantaten, eomponirl hat. Dies erinnert mich nnwilltührlich an R. Mosche JsserlS der zu 33 Jahren gestorben sein soll, nnd ancb 33 Bücher versaßt hat. Ich habe schon erwähnt, daß niiser Künstler in Basa in Ungarn geboren ist, und also einmal seinem Baterlande nebst dem Jntenthnmc zur Ehre gereichen wird. Schon viele Jahre gibt er in Paris mit anSgezcichnelem Erfolge Eoncerte, wobei er seine eigene Eomposiiionen mit Beifall verträgt. Die Geläufigkeit seiner noch elastischen Finger wird bewundert, nnd besonders sein angeborenes harmonisches Talent. Er orchcstrirt z. B. seine Cantate für 36 Stimmen mit einer solchen Genauigkeit, wie es nnr ein sehr geübter Musiker lhnn kann. In einer Soirüo lmisicale am englischen Hofe in Windsor spielte er schon vor zwei Jahren mit einem Beifalle, wie Künstler ersten Ranges. Sein angenehmes Äußere wie auch sein geläufiges Ausdrücken im deutschen, französischen und englischcn ist bei diesen natürlichen Anlagen nicht zlt verwerfen. Ob er auch ungarisch spricht, kann ich Ihnen nicht sagen; ich habe ihn nur ungarische Stücke, als den Rüköczy in seinem jüngsten Eoncert, welches er im großen Saale des Rotel de Louvre gegeben, sehr ansdrncksvokl spielen gehört, nnd habe bemerken können, wie einige Lenke in Attila Tracht, die wahrscheinlich Söhne J.r^nd'8 waren, ihre Zufriedenheit auödrncktcn. Über das jüngüc Eoneerl schließt der Moniteur s. Bcr. mit folgenden Worten: Courage, enfant! tu Marcellus eris. Ein jährliches Stipendium, welches linscr jlliige Künstler vom hiesigen Staatsministerinm erhält, zeigt denklich, daß mau in ihm ein seltenes Talent vermuthct. O glückliches Frankreich! wie lobe ich mir dein Gleichlieitsgesühl. Wie ich höre, soll llnser junge Musiker sich für den ConcnrS dcS Preises von Rome für dieses Jahr vorbereiten. So soll cö der letzte Wille seines Lehrers und Gönners Halevy'S, der seinen Stolz in diesen Schüler setzte, gewescu sein. Nach Bollendniig dieses ConcnrseS denkt unser junge Künstler sein Batcrland, daß er noch so wenig kennt, zu besuchen. Möge er eine warme Aufnahme finden, denn dies thut Noth für einen, der in Paris erzogen wurde, oder längere Zeit daselbst gelebt hat. Literarische Anzeigen. Leket Scho sch anim von Dr. Gr ätz. Besprochen von Dr. Jemand. Fortsetzung (vcrgl. oben S. 115). Die ganze Welt ist voll Fragezeichen. Diejenigen Fragen, welche zu beantworten möglich sind, hat mau wirklich beantwortet. Diejenigen die es nichl sind — wenigstens bis jetzt — wollte mail wenigstens beantworten. Für die erste Elasse der Fragen sind wir zu spät gekommen, für die zweite aber zu früh. Und so ist uns für jetzt nichts übrig geblieben, als die Betrachtung einiger F r a g e z e i ch e n in dem g rü n b r o ch ür te n Büchlein. Das Fragezeichen (S. 31) ist uns sehr bekannt vorgckommen. Es war uns beim Anblicke desselben so zu Mnth, als wenn sich zwei Bekannte von jnngern Jahren her nach zwei Dutzend Jahren abermals begegnen, nnd sich kaum erkennen. Ans den Gesichtern beider, hat die Zeit inzwischen — vielleicht mit allznlcserlicher Hand — ein ganzes T a g c b n ch geschrieben. Wie ein Schatten verfolgte uns dieses Fragezeichen den ganzen Tag. Es folgte uns des Nachts ins Bett nach. Im Traume hörten wir eine Stimme, von einem feurigen Fragezeichen ausgehend: ״Ich 11' 11 r einst eine kleine a n s p r n ch l o s e Note, und bin jetzt leider zu einem bloßen Fragezeichen rcduzirt." Diese Worte ergriffen das Gemüth gewaltig, nnd prägten sich lief in unser Gedächtniß. An demselben Tag fiel uns znsällig ein Gcrkchen in die Hände, genannt Ehrcusäulcn (von L. DnkcS). Ein anderer glücklicher Zufall wollte cS auch, daß das erste Blatt, welches wir ansschlngcn, gerade S.!)6 war, wo sich auch wirklich eine kleine Note findet. Daß dieses im Tran m e uns erscheinende Fragezeichen ein maSkirtcr Malach (Engel) war, ist unser feste Ansicht, wahrscheinlich auch die der Leser. Daß derselbe die Gestalt eines Fragezeichens angenommen hat, scheint uns eine Art Ansmerksamkeit seinerseits gewesen zu sein. Wir wissen zwar nicht, wie wir zu einer solcher Ehre gelangt sind, daß ein M a l a ch (Engel) uns eine solche Anfmerksamkeir beweisen sollte. Ob die znwcilige Corrcspondentschasl mit dem ״Ben Chan anj a h " uns diese Ehre brachte , ist uns nicht bekannt. Sollte übrigens der Jahrgang des Orients von 1850 Hr. Dr. Gr ätz in die Hände fallen, so könnte er daselbst (S. 505) Manches finden, welches ihm nützlich sein könnte. Daß es nothwendige Nebel gibt, ist allbekannt. Jeder der Leser d. ״B. Cb." mochte mit manchem derselben Bekanntschaft gemacht haben. Minder bekannt ist, daß cö auch nothwendige Fragezeichen gibt. Es gibt aber solche. Mit einem solchem soll der Leser — durch unsere Vermittelung — Bekanntschaft machen. Das Fragezeichen (S. LI) ist wirklich, oder genauer gesprochen, war einst noth wendig. Die Zeile, bei welcher eö hier als Posten stehet, ist dunkel. Daß der Herausgeber den Sinn nicht klar fand, ist verzeihlich. Unverzeihlich aber ist'ö, daß derselbe nicht die Note im S ch i r c S ch l o in o (S. 16 , Note 3) betrachtet hat. wo mehrere Erklärungen über diese Zeile gegeben sind. Hätten aber alle diese Erklärungen nicht das Glück gehabt, ihm zu gefallen, so hätte derselbe eine neue Erklärung geben sollen, und mit derselbcn hätte er sich gewiß so sicher den Dank der Mit- und Nachwelt erworben, wie er durch dieses Fragezeichen die Verachtung aller Leser sich zngezogcn hat, und noch znziehcn wird. Einst wäre dieses Fragezeichen so noth wendig gewesen, wie — nach dem Sprichworte — Klappern zum Handwerke. Heute ist es so überflüssig, wie das ganze grnnbrochürte Büchlein selbst, oder wie diese Anzeige, womit wir dem Leser beschwerlich zu fallen so frei sind. Das Gedicht (S. 124) von R. Jizchak, dem Sohne dcS berühmten I b n E s r a , ist ebenfalls gestempelt mit einem Frag ezeichen. Eö ist dieses Gedicht als blinder Passagier im Buche.