Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 17 (25.4.1862)
- Date
- 1862-04-25
- Page
- Seite 152 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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152 heimatlichen Felder urbar machen wurde, aber indem wir ihnen die transzendentale Träumerei, die überflüssigen und weitbcr geholten Frafett, und die Verehrung des objeetiven und siibjectiven lassen." So weit gehen die g.spitztcn Pfeile gegen die deutschen Trännier. Noch muß ich hinznfügen, daß eine Note über die kantischen Ausdrüke hinzugefügt wird; diese sagt: die beiden kantischen Gottheiten (snbjcctiv und objcctiv) haben sogar Raum in vcr ganz niedrigen deutschen Literatur gefunden. Ich hatte einen Wascher ans Baiern, der mir über zwei verlorenc Hemden ein Langes und ein Breites mit objektiv und subjectiv geschrieben, dessen Brief ist ein Monninent. Zeh bin bereit, denselben Nnglanbigen mitznthcilcn. Der letzte Ansdruck Monument har mich am meisten gefrcuct; denn ich muß Ihnen sagen, daß in jüngster Zeit -die Aibelübersetziing dcö gottseligen S. Eahen, giedactenrS der Archivcö Zsraclites, wie auch die Pcntatcuguc-Anögabe dcö Herrn Wogne, die in der That viele sehr interessante Anmerkungen enthält, und uebstdem ein sehr eorreetes Französtsch ist, aber wovon nur der erste Band vcröffentlicht ward, Monumciite genannt wurden, welches mir, als Anverwandteil des obigen WäjchcrS zu übertrieben schien; nun hat sich mir die Sache erklärt: wenn sogar ein Brief ein Monument genannt wird, so ist diescr Ausdruck gang und gebe. Herr Wogne, der wirklich sehr elegant schreibt, Meister ans cregetischem Felde ist, und sehr gut deutsch versteht, wird wohl coinpctcnt genug sein, um sein Urthcil über die deutschen Gclehrtcn zu behaupten. Die Deutschen, die aber auch coinpctcnt sind, werden auch das Recht zu sagen haben, daß unter Wcitzcn Svren sich findet, und bei dem קטרת auch הלבנה sein mußte. Wenn in den wenigen Arbeiten der französischen Rabbiner kein Ausschuß vorhanden ist, so ist es einzig und allein deswegen, weil gewählte Waarc ebenso wenig da ist. Wenn die Deutsche» Phrasen, ja sehr oft, ich muß cs leider gestehen, unverständliche machen, so ist die Schuld an der Sprache, und wohl nicht an der Übcrtriebenheit der deutschen Gelehrten. Wenn cö religiöse Zwistigkeiten in Deutschland gibt, so i>l es, weil man zu verbessern sucht, hier aber alles glcichgiltig angesehen wird. Ich glaube, der snbjcctive und objektive Wäscher ist durchaus nicht zu tadeln, wenn er die beiden Ausdrücke anzuwendcn wagt, vielmehr derjenige, der dies Privilcginnt nur für sich behalten will. Mit einem Worte die Eelebritäten auf Mischen» Gebiete sind doch nur immer die Deutschen; man hört doch wieder Munk und Munk, Dcrcnbonrg um dann ist man fertig. Sollte dies Gelegenheit gegeben haben, so erbittert gegen die deutschen Maulwürfe zu sein? Jude Ira. Korrespondenz. Ausland. 1r. Paris, 14. April. Wenn ich Ihnen in meiner vorigen Korrespondenz über einen Musiker, der seine Laufbahn beendigt, gesprochen, so werden Sle mir eö gestatten, über einen Andern, der die Scinige erst beginnt, etwas mitzntheilen. Es ist sehr beachtenöwerth, daß seitdem sich die Inden mit Wissenschaften zu beschäftigen anfingen, sie in moderner Zeit zu einer sehr hohen Stufe in denselben gelangt sind. Soll ich mit Beispielen heranrücken, so wird die Eorrespondcnz zu lange. Ich will nur von einigen hier Lebenden sprechen. Ist es nicht z. B. Crcmicnr der als einer der ersten juristischen Talenke angeführt werden muß? Sollte man an Munk vergessen, der als ein Phenomcn in der orientalischen Welt gilt? dürste man sich nicht Vörue's und Hcine'S, als Meister deutschen Sthlü einerseits und verstäublicher, leichtfaßlichcr Poesie erinnern? Jede, dem Juden geöffnete Earriere wird von ihm mit Ernst betrieben, und er bringt es weit; wir besitzen ausgezeichnete Diplomaten, Parlament Suiitgliedcr, sehr beliebte Journalisten, ja selbst Minister. Die Naturwissenschaften und die Mathcmatik haben unter dem kleinen zcrstrcuctcn Häuflein ihre Vertreter, die wohl nicht ohne Bedeutung da flehen. Wenn man uns in den Hintergrnnd gedrängt hat, nnd ans jeder Lansbahn durch einschränkende Gesetze, so ist cö wohl kein Wunder, wenn der Jude dem Handels-Erwcrbszwcig, ja manchmal wir müssen cö gestehen, ans ungebührliche Weise sich zugewandt, denn nur eine solche war ihm zumeist gestattet. Wenn man die Erde an einem Punkte ihres zu machenden Kreises annagcln wollte, so könnte sie auch nicht die vcrschiedcne Jahreszeiten oder den Tagnnd Nacht-Wechsel bewirken. Gottlob nnd Dank, wir haben diese Krisis übcrstaiiden nnd dem Geiste steht die Welt offen, nnd der Jude wird nur noch in der Statistik als Jude besonders gezählt. So ist es wenigstens in den eivilisirtcn Ländern. Bei den wenigen Nationen, die eö außer der Statistik th»n, muß man cs einzig und allein als Ersatzmittel ansehen, daß diese noch keine eigentliche Statistik haben können oder doch eine solche zu haben nicht verdienen. Entschuldigen Sie diese Abschwcifnng; wer in Paris der vollkommenen Gleichheit sich erfreuet, kann sich durchaus nicht mäßigen, wenn er von der Intoleranz in anderen Staaten hört. Warum soll eine juristische Eorporation, wenn man einen Inden in ihre Mitte setzt, prolcstircn? Ist das Natu,recht oder Natnrnnrecht? — Wenn man nun dem ausgezeichneten Philologen sagt: Du darfst nicht lehren, wenn du Jude bist; wenn man dem Rechtskundigen die Ausübung seiner Studien untersagt, weil er dem Bunde Abraham'S allgehört, so hat inan vielleicht ein Talent eiligeschläfert, nnd ihn zu einer andern Lansbahn getrieben. Nicht so vcrhält es sich mit dem Dichter , der Dichter sein muß, weil er dazu geboren ist, selbst wenn sein eigenes Vaterland ihm den Boden versagt, und sehr oft nur deshalb, weil er Jude ist. Häite z. B. der Verfasser der Schwalben, unser vielgeliebter und für das Judenthnm lebender Dichtcr Ludwig Wihl nicht ebensognr in Dentschland Professor der deutschen Sprache sein könne», wie er dies in Grenoble am Lvzenm ist? Aber nein! In Dentschland ist er vor allem und für jede Anstellung erst Jude und daun Deutscher; für den Staat Jude und nur für sich Patriot; in Frankreich ist er für den Staat ein verdienstvoller Mann, für sich zu Hanse und im Tempel kann er Jude sein. — Ebenso ist eö mit dem Musiker, welcher im Grunde genommcii nichts anders als Dichter ist. Wenn dieser durch Melodien die Gefühle an den Tag legt, so thut cs der Poet durch die Worte: Einer kann den andern nicht entbehren. Wenn daö Metrum bei diesem die Musik in Anspruch nimmt, so muß der Andere Worte haben, um seine Melodie anpasscn zu könne». Bei dem Dichter nnd dem Musiker fragt Niemand, ob er durch das Ehristciithum inspirirt ist oder nicht; alles handelt sich hier um den Eindruck. Wenn jemand Heine oder Börne liest, so wird es ihm wohl nicht cinfallen, das Buch zu tadeln, weil dieselben Inden waren; wenn man in die Oper geht, um ״die Jüdiii" von Halcv», oder den ״Propheten" von Meherbecr zu Horen, so wird cs wohl wenige oder gar keinen geben, dem die Musik mißfallen kann, weil die Eomponisten Juden warcn. Und warum? weil man sich an die Masse wendet, nnd die Masse ist von Gleichheitsgefühl beseelt; cö sind nur einige, die sich höher als die Masse dünken, die dies Gefühl nicht besitzen. — Sie werden lachen, wenn ich als Laie behaupten wollte, daß die Inden stets großes Gefühl für Musik hatten. Wenn MoseS sein Lied am rothcn Meere singt, so findeii wir Jnstrnmclltc dabei; wenn David dichtet, so wendet er eine Unzahl von Instrumenten an. Und wie frühzeitig war nicht ein Levitcuchor vorhanden? die Barbaren, die Israel in Gesangenschast führten, wissen nichts schöneres von ihren Sklaven zu verlangen als ״Singet uns doch von dem Gesänge Ziouö" Wenn ich nicht fürchten würde, daß man mich der Orthvdorie anklagen würde, so würde ich behaupten, daß cö nichts Neues nntcr der Sonne