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Ben Chananja · 1862-04-25 · 17 (25.4.1862) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
17 (25.4.1862)
Date
1862-04-25
Page
Seite 154 (sequence 8)
Language
German
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154 Daß diese Zeile, welcher ein Fragezeichen als schützender Engel beigegeben, dunkel ist, kann nicht bezweifelt werden. Es ist aber nicht minder zu bezweifeln, daß in der Note des ersten Herausgebers ') die Erklärung dazu gegeben ist. Das Fragezeichen S. 81 gehört zu den merkwürdigsten der Sammlnng. Wie Minerva aus dem Jupiters Haupte entsprungen ist, wenn mann der Mythologie glauben darf, so ist dieses Fragezeichen fertig aus dem Kopfe des Herausgebers hervorgesprungcn. Es stehet allein da ohne Zusammenhang mit irgend einem Vorhergehenden, ohne Wahlverwandtschaft mit irgend einer andern Note eines Sterblichen. Mit einem Worte cö ist ein Original- Fragezeichen. Wir verehren Originalität, — welche so selten zu finden ist — allenthalben, wo wir sie finden, selbst in der bescheidenen Form eines Fragezeichens. Ein solches gehet oft geräuschlos durch die Welt, wie wahre Tugend, wofür weder ein Toast (meistens ein Kind der Gedankenlosigkeit) noch eine Corrcspondenz (oft das Kind derselben Mutter) Weihrauch zu streuen nothwendig gefunden haben. Es ist dies auch die alleinige Ursache, weshalb wir hier ausnahmsweise auch die hebräische Zeile folgen lasse». Die Perle ist zur Muschel z urück g e k ehr t. Wir haben lange nachgcdacht, was wir dem Leser zum Geschenk machen sollten. Wir hielten diese Gelegenheit für passend, die Perle (das Fragezeichen) mit der Muschel (die Zeile) dem Leser als Geschenk anznbietcn. Die hebräische Zeile ist folgende: .מתוך כלי הרש כהרס תעלה נגיש כלי שהם והיא מוצקת Wörtlich übersetzt lautet die Zeile so: ״Sie (die Tochter der Rebe), steigt wie eine Sonne aus ans dem irdenen Gefässe, wir bringen ein Geräth von Onyr und sic ergießt sich hinein." Große irdene Gefässe zur Anfbewahrnng des Weines vertreten im Oriente die Stelle der Fässer. Den Wein zur Sonne zu vergleichen ist bei orientalischen Dichtern üblich. s) Das Gerät oder Becher aus O n y r ist ein allgemeiner dichterischer Ausdruck für kostbare Bechcr überhaupt. Daß zuweilen geringfügige Dinge selbst in den kältesten Tempcramentcn große Aufregung hervorbringcn können, ist bekannt. Daß Original-Fragezeichen dazu gehören ist nicht zu bezweifeln. Wenn dieselben nicht unter den aufregenden Mitteln in der Materia medica angeführt sind, so ist dies gewiß höchst bedauerlich. Dieses alles znsammcngenommen wird eö den Leser begreiflich finden lassen, daß wir so ausführlich die Sache betrachteten. Ob das Fragezeichen S. 64 zur allgemeinen Erbschaftsmasse gehört, oder ob es das Kind des eignen Genius des Herausgebers ist, wissen wir nicht. Was wir aber mit Bestimmtheit angeben können, ist, daß es ganz überflüssig dasteht. Manche Unregelmäßigkeit im Staate hört auf, eine solche zu sein, wenn daö Gesetz die Unregelmäßigkeit als regelmäßig erklärt. Die Grammmatik hat auch solche Patente für unterlaufende Unregelmäßigke it en. Eines dieser Patente ist unter den Namen In- Version bekannt. Manches Wort stehet nicht auf demjenigen Platz, wo es feiner Natur nach stehen sollte. Es ist dies eine Unregelmäßigkeit. Die Grammatik hat es aber gut geheißen. Alle Welt, besonders die Dichter — des Reimes halber — hat sich beeilt, von dieser Freibcit Gebrauch zu machen. Die wenigsten Menschen stehen ans ihrem Platz. Niemand wnndert sich darüber. Darf man sich dann wundern, wenn ein Wort nicht auf seinem Platze stehet? Es hätte nicht an anderen Fragezeichen gefehlt, die eine Betrachtung verdiente». Wir hätten dieselben heranSgehobcn, wenn wir nicht schon die hcrauSgehobenen berenctcn. Mademoiselle Lcspiiiassc schreibt — in ihrem Briefen — an Jemand: ״Sie sind vcrnrthcilt (condamnü), berühmt zu werden." Diese Fragezeichen — und nur diese allein — scheinen zu demselben Schicksal bestimmt zu sein. Für die Fragezeichen, die das grünbroschürte Büchlein einst berüchtigt machen werden, danken wir im Scheiden von denselben. Wir bedauern, daß uns keine Fragezeichen zu Gebote fte- Heu. Aber eine Frage wollen wir dem Herausgeber in Tausch geben. Nämlich : Warum h a t d e r s e l b e (S. 36) d c n Schluß des G e d i ch t ö j^) שירה יתומה) w e gg classe n? Wir sehen einer Antwort entgegen. In der Zwischenzeit mag hier bemerkt werden, daß Ovid in seinen Elegien*) diese Gedichte ebenfalls ״W a i s e n" nannte. Ovid schrieb bekanntlich dieselben in der Verbannung. Er schickte sie nach Rom, und nannte sie Waisen weil er (ihr Vater) nicht gegenwärtig fein durste. Der Verfasser des hebräischen Gedichts nannte sein Gedicht יתומה (Waise) , wie cs scheint, ans demselben Grunde. Es scheint, daß er dieses Gedicht von der Ferne an S a m n e l h a n a g i d geschickt hat. 5) (Schluß folgt.) Anmerkungen. ') Im K. Jizchak, Heft 26, S. 21. -) Vergl. Tachkemoni Eap. 3. ף Herr Dukes hat in Frankels Zeitschrift (1859 S. 236) manches über dieicn Ausdruck mitgetheilt. *) Trist. Buch III. Eleg. 14. -׳) Die Worte (a. a. O.) ארוסה ואת müssen ארוסה את gelesen werden. Es heißt: ״Du bist ihr Verlobter." Bemerkungen. Hrn. L. D. in L. Der verl. Aufschluß folgt nächstens. Ich bitte um d. Schl, dann werden die anderen Aufs, abgedruckt. Hrn. CH. in P. Alles wird buchstäblich ausgenommen werden. Ich bitte um d. Forts. Der Korr. v. B—ft sehe ich entgegen. Dr. B., der von ihnen errathene, empfiehlt sich Ihnen. Sch. ist in W. N. Hrn Prof. Wogue in Paris. Dürfte ich nicht um den bereits erschienenen Theil Ihres Pentateuchs bitten? Szegedin, Lklbjlverlng der ttedaktion Leipzig, Lommisjions-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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