Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 16 (18.4.1862)
- Date
- 1862-04-18
- Page
- Seite 145 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Wir verweisen den H. Recensenten auf das Obige, was wir über diesen Einwurf, den uns schon früher die ״Neuzeit" machte, derselben erwiederten. In Bezug auf die Tefilim hat der Recensent unfern diesfälligen Satz, oder nufere Worte ganz anders gegeben als wir: Wir sagten ״Was die Tefilim betrifft, die kann man an Wochentagen wohl anlegen, um selbstverständlich der Orthodorie vollkommen gerecht zu sein; der Recensent sagt ״Wir hätten bemerkt, daß die Tefilim nur an Wochentagen angelegt werden" und will als Ankläger damit beweisen, daß der Gottesdienst an Wochentagen für uns kein Object sei. Bezüglich des Maßes des Nichthebräischen sind wir, nicht wie Recensent sagt, nicht im Reinen, sondern ganz im Reinen. Wir glauben, daß jener Jude, der das Hebräische nicht versteht, so wie die Frauen überhaupt, in der Mutterspräche ihre Andacht verrichten mögen. Daß der Gebrauch des Hebräischen den Jargon verschuldet ist unbezweifelt, nur waltet dabei ein Unterschied ob zwischen dem gebildeten und nicht gebildeten Juden; Ersterer, der die hebräische und Muttersprache grammatikalisch erlernt, nimmt sich im gefälligen Verkehr in Acht keinen Fehler in der Muttersprache zu machen, während Letzterer unbewußt und absichtslos die eine Sprache mit der andern mengt, nnd darum ist das sogenannte ״Jüdeln" bei dem profanen Volke, Männern wie Weibern gang und gebe; mit dem Beten aber in der Muttersprache, in oder außer dem Gotteshanse, fielen alle diese unerquicklichen Dinge weg. Der Schluß des Recensenten, daß ein Widerspruch darin liege, wenn einerseits einer Gemeinde Nenerungen, wie Beten mit entblößtem Haupte zugemulhet, und andrerseits noch ein complicirter Mechanismus für den Verkauf der Mizwoth, und ein neues Eeremoniel — oder vielmehr eine Parade — für das Verkünden der Spenden ausgedacht werde, setzt dem ganzen Werke seiner Kritik die Krone auf, und zwar aus folgenden Ursachen: 1tenS. Ist das ganze Regulativ speziell für die Pester Gemeinde, wo wir vor der Hand von dem Entblößen des Hauptes wegen eigeuthümlicher Verhältnisse abgegangen, von uns verfaßt worden. 2teus. Gesetzt wir hätten daS Entblößen des Hauptes beibehalten, so bildet das Verkünden der Spenden noch keine Contradiction dagegen. 3tens. WaS den Verkauf der Mizwoth anbelangt haben wir (S. 30.) selbst gesagt, daß man keinen Laien aufrufen solle. 4tens. Was den complicirten Mechanismus für den Verkauf der Mizwoth und für die Spenden anbelangt, verweisen wir den Recensenten abermals auf die oben gezeichnete Erwiderung, die wir auf den in dieser Hinsicht von der Neuzeit uns schon früher gemachten Eiuwurf gegeben haben. Daß aber der Recensent das Verkünden der Spenden eine ״Parade" heißt, gegen eine solche Profanirung synagogaler Uibungen müssen wir protestiren. Ist das Ausheben der mit goldenen Glöckchen an den silbernen כלי ^ורש und mit bem werthvollen כתר prangenden Thoras, oder der Umgang an שמחת תורה auch eine Parade? Wenn Feierlichkeiten dieser Art Parade heißen, dann sollte man das Tabernakel mit einem schwarzen, anstatt mit einem goldgestickten פרוכת verhängen und alle Tage Klagelieder über die Eitelkeiten der Menschen ertönen lassen. Wenn es wahr wäre, wie cs in hiesigen jüdischen litterarischen Kreisen heißt, daß der Verfasser, welcher in Nr. 4 und 5 heurigen Jahres der allgemeinen Jllustrirten Judenzeitttng daö in unserem Tempel eingeführte Lied so herrlich besungen, und für EultuSverbesserungen in die Schranken getreten, ein und derselbe sei, der unsere Brochnre jetzt bekrittelte, so sind wir ihm sehr zur Dankbarkeit verpflichtet. Hat er doch uns zu seiner Bekämpfung selbst seine eigenen Waffen in die Hände gegeben! Er sagt im erwähnten Blatte Nr.!wörtlich: ״Schreiber dieses hält die Rücksichtsnahme auf das Urtheil gebildeter unbefangener Andersglanbender für kein so ganz äußerliches und eitles Motiv, wofür es von gewisser Seite ausgeschrieen wird. Mahnt doch die heilige Schrift selber oft genug daran, was die heidnischen Völker Israel zum Lobe ober Spotte sagen." Wahrlich! Nichts dient so sehr zur Vertheidigung der 2 so oft erwähnten rituellen Objecte, alö dieser Ausspruch! Wir hätten zwar mit diesem allein seiner Kritik entgegen treten können, aber als Zeichen unserer Achtung — die wir jedem Litterateu, und insbesondere dem so vielfach begabten und geschätzten Herrn Recensenten des erwähnten Blattes — zollen, vermochte uns, den Recensenten Punkt für Punkt zu widerlegen. Wir können nicht umhin, einem Gefühle, das uns bei Beendigung unserer Replik plötzlich überkoulmen, in der besten Absicht Ausdruck zu geben, wenn wir hier sagen, daß es der allgemeinen Jllustrirten Judenzeitung — die, in unserer Vaterstadt creirt, einen so ziemlich guten Ruf sich erworben hat — besser angestandeu hätte, wenn sie anstatt die Vorurtheile des Volkes ztl befestigen, sie bekämpft hätte. Die Journalistik hat vorzüglich diese Aufgabe, und dürfte eben nur darum von der gebildeten Welt unterstützt werden. Wir schließen mit der Sentenz des berühmten Ernest Renan, die der Herr D1\ Ad. Jellinek, als auf jüdische Verhältnisse sehr passend, mit Recht hervorhebt! ״La France est 16 pays du moncle 16 plus orthodoxe, cär 0' 68t 16 plus indifferent 6u religion. Innover en theologie, cest croire ä la thdologie.“ Pest, den 28. März 1862.