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Ben Chananja · 1862-04-18 · 16 (18.4.1862) · p. Seite 143

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
16 (18.4.1862)
Date
1862-04-18
Page
Seite 143 (sequence 11)
Language
German
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143 Wir lieferten ja hierüber schon den hinlänglichen Beweis, indem wir bei der Pester Gemeinde, wegen ihrer eigenkhümlichen Verhältnisse, eine Ausnahme machten. Waö unsere übrigen Vorschläge bezüglich des Thoraaufrnfenö und der Spenden betrifft, die der geschätzten ״Neuzeit" zu complicirt erscheinen, haben wir zu bemerken, daß wir bei Abfassung des Regulativs und zwar bei den hier berührten 2 Gegestände» mehrere Dinge im Auge hattcn: einerseits wollten wir den Verkauf der ״Mizwath" im Innern des Tempels beseitigen, anderseits die pekuniären Hilfsmittel bei den außerordentlichen Ausgaben der Pester Gemeinde nicht ganz verschmähen, und so stellten wir beim Aufrufen ein vermittelndes Programm auf, das beide Zwecke erfüllt. WaS die Spenden betrifft, ist es bloß die Anregung zur Wohlthätigkeit, selbst für jenen großen Theil des Publicumö, der nicht aufgerufen wird, die wir zum Grunde hatten, und eben darum wollten wir die Verkündigung der Spenden mit einer gewissen Feierlichckeit umgeben. Man darf sich so etwas um so mehr erlauben, indem der Jerusalem. Talmud sagt: צדקה וגמילות הסדים שקולין כעד כל המצות ״ שבחורהWohl- und Mildthätgkeit überwiegen an Werth vor Gott alle Gebote der Thora." Was das Mechanische dabei anbelangt, so scheint nur die Beschreibung desselben complicirt, aber die praktische Ausführung würde die Zweckmäßigkeit am besten erweisen. Wir hoffen übrigens, daß die von uns so sehr geachtete und allgemein geschätzte ״Neuzeit" unsere Erläuterung mit jenem ihr eigenthümlichen Wohlwollen gegen Jedermann entgegen nehmen werde. Wir haben es nur noch mit der ״Allgemeinen Jllustrirten Jndeuzeitung" zu thun, respective mit dem gelehrten Anonymus . . . . ch. Nachdem derselbe in dem erwähnten Blatte vom 4 März l. I. Nr. 10 die Haupttendenz unserer Eingabe an den ehrsamen Vorstand der Pester israelitischen Cultnsgemeinde, wenn auch mit Einfügung eines höchst überflüssigen Fragezeichens auseinandersetzte, und die im Regulative beantragteu Vorschläge detaillirte, gestehet er zu, daß sich in der That manche gute Bemerkung und manch zweckmäßiger Vorschlag in der erwähnten Broschüre vorfindet. Welches Erstaunen überkam uns aber, als wir in der darauf folgenden Nummer 11, vom 14 März l. I. sahen, daß er da wieder den Stab über Alles bricht, was wir in Vorschlag gebracht. Hat er sich in der Zwischenzeit etwa eines Andern besonnen? Es scheint dem wirklich so! In der Besprechung des berührten Gegenstandes in Nr. 10. sagt der gelehrte Recensent, daß wir ״bezüglich unseres orthodoxen Standpunktes in einer Selbsttäuschung uns befinden, daß unsere Vorschläge größtentheils mehr von unfern allereigensten Ansichten, über Anstand als von objectiver Nothwendigkeit dictirt.erscheinen" rc. Wir können nur darauf erwiedern, daß wir nicht dabei unsere allereigensten — sondern die weltüblichen Ansichten über Anstand und Schicklichkeit haben und thcilen, und diese Ansichten beruhen auf unserm angebornen natürlichen Gefühle, dem dieselben entfließen. In Nr. 11, als Schluß von Nr. 10, bemerkt der gelehrte Herr . . ch, das, waö im gediegenen und wegen seiner gelehrten Abhandlungen so reichhaltigen ״Ben Chananja" schon früher bemängelt wurde, nämlich, daß wir Metaphysika, Zitate rc. aus der Liturgie weglassen wollen, trotzdem wir im Eingänge unserer Brochure uns ausgesprochen, daß wir den orthodren Standpunkt einnehmen. Wir verweisen ihn darüber auf unsere Replik im Ben Chananja (Nr. 11, vom 14 März), wo wir sagten, daß der Nachsatz (S. 28) in unserer Brochure dabei übersehen wurde; er lautet: ״Und wird dem höhern jüdischen Schulunterrichte überwiesen. In der uralten Zeit war Unterricht und Gottesdienst in eins verschmolzen, heute zu Tage aber ist beides gesondert." Mit diesem Nachsatze — fügten wir hinzu — ist die Orthodoxie hinlänglich gewahrt, denn die obberührten Objecte wie Dednctiouen, Citate rc. werden keinesfalls negirt oder ausgehoben. Im Verfolg seiner weitern Besprechung sagt der Recensent, daß wir unter Metaphysika wahrscheinlich bloß die thalmudischen Stücke im Auge gehabt, weil es sonst unbegreiflich wäre, warum mir Metaphysica aus den Gebeten verbannen wollen. ״Jedes Gebet, jede erbauliche Betrachtung, ist mehr oder minder Metaphysik; Einheit, Ewigfeit, Unsterblichkeit der Seele, das Alles ist Metaphysik." Wir müssen in diesem Punkte dem Necensenten die volle Genngthuung geben, daß es sich bei uns wirklich so verhält. Wir hatten nur die thalmudischen Stücke, oder die thalmudischen Lehren der Metaphysik im Sinne. Ist doch Gott selbst ein metamphysischer Begriff, und sind doch mit dem Namen ״Ewiger" alle diese oben berührten Dinge als Attribute desselben vereinigt! Und eben darum wollen wir ja im Gotteshause ihn auf anständige Weise lobpreisen, und seinen Ruhm verkünden. Wie wurden wir aber überrascht, als wir weiter gelesen, daß man sogar vom Standpunkte der Casnisten aus uns angreift! Dieses gibt der Vermuthung Raum, daß das hiesige verehrlihe Publikum vielleicht im Jrrthume sei, wenn es sagt, daß es der gelehrte und freisinnige Redacteur der Allgemeinen Jllustrirten Judenzeitnng selbst sei, der unsere erwähnte Eingabe recensirte, denn wäre eö wirklich so, wie konnte Letzterer das Gespräch, das wir im Monat Feber

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