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Ben Chananja · 1862-04-18 · 16 (18.4.1862) · page 9

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
16 (18.4.1862)
Date
1862-04-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znn» ״Ben Chananja" Nr. 16 Anjer letztes Morl?) Von Leon Pollak. (Eingesandt.) In jeder berathenden Versammlung, sei eö die einer Deputirten-Kammer oder einer Commnnalvertretung, kömmt nach dem Schluß der betreffenden Debatte dem Antragsteller immer das letzte Wort zu, und wir machen hievon um so mehr Gebrauch, als mehrere verehrliche jüdische Journale so freundlich waren, uns die volle Berechtigung einzuränmen: eine derartige Motion wie wir sie in unserer ״Eingabe an den ehrsamen Vorstand der Pester israelitischen Gemeinde" stellten, machen zu können, wenn wir auch im Bewußtsein unserer zu schwachen Kräfte/ in solchen wichtigen Angelegenheiten das Wort zn führen, das von den geschätzten jüdischen Blättern uns gespendete Lob, als ein unverdientes, nicht in seinem vollen Maße annehmen möchten. — Wir wollen hier bloß jene veröffentlichten Einwendüngen, die uns hauptsächlich wegen der Kopfbedeckung gemacht wurden, widerlegen, und wir setzen dabei voraus daß die Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit, die diese hochgeschätzten Litteraten, welche diesen Gegenstand besprachen, auszeichnet, uns dieß letzte Wort gern gönnen werden. — Bei Bekämpfung des erwähnten Gegenstandes ist von den geschätzten Rezensenten — bis auf Einen, von dem wir später sprechen wollen — nichts angeführt worden, was von Seiten der casuistischen Lehrer als eine unfern Behanptungen und Nachweisen ungünstige Meinung geltend gemacht werden könnte, vielmehr schien ihr hierüber beobachtetes Stillschweigen ein affirmatives zu sein. — Sonach haben I wir es nur mit dem Usus, oder der alten Gewohnheit zu thun, die auf keinem stichhaltigen Grunde beruhet, und die man nur aus der Rücksicht dem Volke belassen will, um die Gewohnheitsmenschen nicht zu beunruhigen. Nun zur Hauptsache selbst! Als wir unsere Eingabe verfaßten, hatten wir nebst dem Motiv, welches wir in unserer Eingabe erwähnten, noch ein anderweitiges im Auge, das wir, um das Zartgefühl mancher hierorts sehr geachteten Männer zu schonen, nicht so leicht veröffentlichen wollten: eö sind jene Männer, die einst der hier nach dem Muster der Berliner sich gebildeten Neformgenossenschaft angehörten. Der Verein selbst wurde zwar nach einem Bestand *) Als Widerlegung der von einigen Journalen gemachten Bemerkungen gegen unsere ״Eingabe an den ehrsamen Vorstand der isr. CultuS-Gemeinde." von fünf Jahren durch die damalige Regierung aufgelöst, aber d e hieran sich knüpfenden Ideen und Empfindungen sind bei den vormaligen Mitgliedern desselben kaum so ganz nntergegangen oder erloschen, und daß sie ihre Ueberzeugung seit jener Zeit gewechselt, wollen wir — die wir uns von vorneherein nicht zum Holdheimischen Prinzip bekannten, — trotzdem nicht so leicht behaupten. In Folge dessen stellten wir bei der neuen Constituirung der Pester Gemeinde-Repräsentanz — die zum Theil auch mehre jener erwähnten Männer in sich faßt, die ausgezeichnet durch ihre wissenschaftliche Bildung und ehrenhaften Charakter, jeder jüdischen Gemeinde znr Zierde gereichen würden — die Fra^e an uns, ob eS denn nicht ein frommes nnd Liebeswerk wäre, wenn man auch den Gemüthern derselben in jener heiligen Sache, die das nächste Bedürfniß des Menschen ist, nämlich: im Gotteshause Mnth, Trost und Zuversicht im Gebete zu Gott zu schöpfen, ein Genügendes rücksichtlich des ihnen nur znsagenden Gottesdienstes thun würde, wobei man das glückliche Resultat erzielen könnte, die vollkommene Versöhnung, die Eintracht unter den Parteien von jeglicher Schattirung herbeizuführen? Nach kurzer Ueberlegnng griffen wir zu dem Prinzip, das wir in unserer Eingabe niederlegten, nämlich ohne eine eingreifende dogmatische Aenderung und unbeschadet des religiösen conservativen Element's einen solchen Gottesdienst einzuführen, woran sich sogar der Orthodore betheiligen könnte. — Und sind wir auch durch die eigenthümlichen Verhältnisse der Pester Gemeinde, die ein besonderes Fürgehn bei derselben gebieten, hievon zum Theil abgegangen, so war dieses nur eine momentane Concession, die der Zukunft — wo die Ideen sich schon geläutert — keineu Eintrag thut; demohngeachtet haben wir der Judenheit im Allgemeinen, in der—wenn auch außer Berlin und Pest keine solche Reformgenossenschaft sich anderswo bis jetzt noch öffentlich gebildet hat — dennoch derlei Ideen nnd Ansichten im Verborgenen gar wohl schon keimen mögen, den Fingerzeig gegeben, wie die Wünsche derjenigen, die diesen erwähnten Ideen huldigen, auf die von Seiten der Casuistik erlaubte Weise befriedigt werden könnten. — Aufrichtig gesagt fürchteten wir bei der Abfassung unseres Erpose mehr jene Partei, die den Standpunkt der radicalen Reform einnehmen, als die des Conservatismus; aber zu unserm Tröste sehen wir jetzt, daß die Erster« uns schon dafür die Hand drücken, daß wir wenigstens im Prinzip die Einführung der erwähnten 2 rituellen Objecte als ein Erlaubtes gezeichnet haben. Wir wenden »nS nun zu den betreffenden jüdischen Journalen, und zwar vor Allem zu der allgemein beliebten

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