Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 16 (18.4.1862)
- Date
- 1862-04-18
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Kluft auSznfüllcn, die sich aus Mangel an einem geistlichen Führer zwischen die heterogensten Richtungen gelagert hat.—Die Einholung unsereS Rabbiners am 25. v. M. glich einem wahren Trinmvhzuge. Die Gemeinde hatte den bezeichiictc» Tag zu einem Festtage ningcwandclt, der geschäftliche Verkehr ward bei Kaufleutcn und Handwerkern eiligestellt, galt cS ja den Mann würdig zu empfangen, dessen Ankunft man schon seit Monden mit Sehnsucht entgegen gesehen hatte. Die Einpsangüfeierlichkeitcn näher zu beschreiben, daraus muß ich — um die Leser Ihres geschätzten Blattes nicht zu ermüden — verzichten. Lokal- und Provinzialblättcr haben darüber Ausführliches berichtet. Dagegen kann ich nicht nnerwähnt lassen, welchen Eindruck die gehaltvolle Antrittsrctc unseres Seelsorgers ans die Gemeinde machte, welcher Beifallsstnrm die in der Synagoge nnd im L6t-I1a-luickrn8oi1 gehaltenen, von ächt jüdischcnl Wissen sprudelnden Borträge in den Zuhörern hervorricscn, welchen Schatz talmudischcr Gelehrsamkeit dessen am gcstrigen Sabbat gehaltene Drascha bekundete, und wie vcsscn lehrreichen, bis jetzt gesprochenen Worte schon genügten, die crzcntrischstcn Richtnngen in eine zu vereinigen, deren Devise es geworden ist: Invwrazlaw habe Grund auf seine Wahl stolz zu sein, und verdiene jetzt wie ehedem durch seinen Rabbinen als ein Muster andcrclt Gemeinden voran zu leuchten." —p. p—• Dresden, 5. April. Die Privatbibliothck unseres vcrstorbeneu Vorstehers Dr. B. Beer, welche zu den seltensten, insbesondere in hcbraicis, gehörte, iü nun als Schenkung an zwei öffentliche Institute übcrgegangen. Die Witwe hat einen Theil derselben der Universitäts- Bibliothek in Leipzig, den größeren Theil aber der Bibliothek dcö jüdisch-thcvlvgischen Senunarö in Breslau Übermacht. In einer Bekanntmachung im offiziellen Blatte drückt der sächfische Kultusnnd UiilerrichtSminister v. Falkenstein den Dank für diese große Gabe aus. Es wird in derselben hervorgehoben, daß den edlen Geber insbesondere das Gefühl der Dankbarkeit und Anerkennung für dre den jüdischen Glaubensgenossen in der neuen Gesetzgebung des ätönigreichs Sachsen gewordene Gleichstellung bestimmt habe. In einem Privatschrciben an die Witwe spricht sich der Here Minister aus, daß er die Verordnung erlassen habe: es mögen diejenigen Slipendrcu an der Leipziger Universität, welche nicht ausdrücklich für christliche Stndierende bestimmt sinv, auch jüdischen Studierenden erthcilt werden. — Das Kuratorium des Breslauer Seminars hat in Folge der Schcnknug zwei Stipendien für zwei Seminaristen ä 50 Thaler gestiftet. Dr. Wolf in Wien gibt den Katalog dieser interessanten Bibliothek heraus. Breslau, im April. Aus dem uns von Dr. Samuclsohu znzusendcten Jahresberichte ersahen wir, daß am 13. d. M. an der NeligionS-UnterrichtS-Anstalt der dortigen Synagogengemeinde die öffentliche Prüfung der Schüler nnd Schülcrinnett abgehalken wurde. ״Das alte Schuljahr hatte mit 106 Schülern und Schülerinnen abgeschlossen. Im Laufe d. g. I. wurden 82 neue angemeldet, so daß in den 8 Klassen der Anstalt 278 Zöglinge unterrichtet wurden." Aus der Nebersicht der Pensa heben wir folgendes hervor. In der erste n Klasse, — so wird in Deutschland die höchste Klaffe genannt, — werden in 7 wöchentl. Stunden folg. Gegcust. gelehrt: Religion, Bibel, Gebete, hebr. Grammatik, jüd. Geschichte, Schreiben. Der Bibel sind wöchentl. zwei Stndcn gewidmet, und wurden in diesem Jahre statarisch gelehrt: 2. nnd 3. B. Mos.. Hiob 1 —31 , kursorisch: Richter, 1. Sam., worüber wohl jeder Fachmann erstaunen wird. Der geehrte Leiter d. Anstalt würde uns sehr verbinden, wenn er die Güte hätte, sich über die Methode und den Stufengang d. Schule umständlich ansznsprechen. Wir bieten ihm zu dieser Besprechung mit Vergnügen d. Bl. an. Red. Inland. Pest, 13. April. Wie ich ans zuverlässiger Quelle erfahre, ist soeben an den ״lzraolita, Magyar Egylet“ von der k. Statthalterei die Konzession zur Einberusnng eine Lehrer-Konferenz ycrabaelangt. Diese Berathung wird auch die ungarische Übersetzung der ganzen heiligen Schrift zum Gegenstände Habs». Mit diesem ersten Schritte, der geeignet ist, in der Kulturgeschichte des ungarischen Israels eine denkwürdige Epoche zu bilden, begründet der Iz. M. Egylet seine Lebensfähigkeit für lange, lange Zeiten; den» wer seine Arbeit mit dem Allerhciligsten beginnt, dem kann Gottes Beistand nicht anöbleiben. Dieser Verein, dem wohl die äußerst schwere, aber großen Segen verheißende Aufgabe zu Theil geworden, die Nationalisirung der jüdischen Bevölkerung in Ungarn in loyalster nnd würdigster Weise zn bewerkstelligen, wird gewiß, beseelt für den Vätcrglaubcn, in'allcn seinen Arbeiten unserer heiligen Religion faktisch Rechnung tragen. Indem diesem Institute im Namen Vieler, sehr Vieler die freudigste Begrüßung zn solchem Aufschwünge hicmit ausgesprochen wird, gibt man sich getrost der Hoffnung hin, daß sich an der oben erwähnten Kouscrenz nicht nur die begabteren Lckrer des Landes bethciligen, sondern daß auch die isr. Genieinde-Vorstände mit Liebe Anlaß nehmen werden, das opfervolle Unternehmen nach Kräften zu nntcrstützcn zum Heile der Heranwachsenden Generation, ztl unser aller geistigen Erlösung von den Bauden der Lethargie und aus Bruderliebe für eine Nation, von deren Wohl wir unser Wohl hoffen, deren Weh aber gewiß auch unser Weh ist. L. M- Bauer. Wien, 10. April. Die erste Lieferung von Jcllinek'S Predigten ist bereits versendet, nnd werden die übrigen drei Hefte rasch aus einander folgen.*) Padua , im April. Hr. Prof. D e l l a T o r r e hat bei Gelegenheit der Vermählung seiner Tochter (1. Apr. v. I.) eine Monografie über das 31. Kap. d. Spr. Sal. herauSgegcben, welche die Aufmerksamfeit aller Bibelfrennde verdient, und mit deren Inhalt wir unser» Leser näher bekannt machen werden. Red. Großwardeitt, 13. Apr. Die hies. ung. Synagoge ist wieder geöffnet worden. Pele11161־e litteraire. Von Ehalil. III. Das nul et non avenu in der jüdischen Literatur. Jedem wird wohl dieser diplomatische Ausdruck zu genau bekannt sein, als daß wir hier eine Erklärung darüber zu geben brauchen. Was dies mit der Literatur zn thnn hat, dies müssen wir hier deutlicher erörtern. Der geistreiche und sehr gelehrte Dr. Jemand beklagt sich, daß viele Quellen im Leket Schoschannim nicht genannt, oder vielmehr genaunt werden, ohne daß der Mittheilcr angegeben ist. Es ist dies eine neue Methode von Plagiaten. Wenn einfach eine Idee von einem Anter entlehnt wird, ohne ihn zn nennen, so wird dies doch hier und dort gerügt; so hören wir H. Senior Sachs in seinen Aufsätzen über Uebersetzer seiner hebräischen Arbeiten, die ihn nicht nennen, sich beklagen. Und hat er nicht Recht dazu? Wenn Tibbon übersetzt hat, so hat er den Verfasser doch genannt. WaS uns betrifft, so können wir sehr wenig über diese Entlehnungen sprechen, da uns das Gebiet, auf welchem sich der genannte Gelehrte bewegt, ein wenig oder vielleicht ganz fremd ist. —Die zweite Art von Plagiaten ist genial; man nennt *) Sobald die Sammlung vollständig vorliegr, werden wir dieselbe ausführlich besprechen. Red.