Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 16 (18.4.1862)
- Date
- 1862-04-18
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Da legte er des Glaubens Gewand, das köstliche, ab, Und deckte sich mit fremden Kleidern; Nun war er nackt und bloß, Ohne Kleidung und Verstand." Diesem Umstand haben wir gewiß die gänzliche Vergessenheit der schönen Gesänge Jsaak's zuzuschretben. Der verdienstvolle Dnkeö ist der Erste, der daö eine Gedicht (daS über Hibat-Allah) veröffentlichte; wir werden nächstens ein anderes von ihm, das sich bei mir hinter dem Divan des Jehuda Ha-Levi befindet, bekannt machen. Fortsetzung folgt. Korrespondenz. Ausland. /X Paris, 10. April. Für die heutige Berathung der Alliance ist folgende Tagesordnung festgesetzt: Ansprache des Präsidenten (Königswarter); Bericht über die Arbeiten des Vereins; Bericht über den coaeours 66 morale, Nechnnngs-Anöweis; die neuen Statuten; Berathung über die Vorschläge des Bureau. Die Thcilnahme für den Verein ist in erfreulichem Steigen begriffen. Von den Vorarbeiten zum Baue zweier großer Synagogen haben Sie wohl schon in den hics. jüd. Bl. gelesen. Auch dieses Werk erfreut sich sehr reger Theilnahuie. Ihr Landsmann Ketten wird, wie ich höre, in nicht gar ferner Zukunft eine Reise nach Deutschland und Ungarn antreten. 1. I nowraclaw, 10. Apr. Die hiesige jüdische Gemeinde bot im Verlause der vorigen Woche alles Mögliche auf, den Empfang ihres neuen Rabbinnen. zu verherrliche». Der Synagogcnvorstand, das Repräsentantencollegiiini im Vereine mit anderen Geuieindemitgliedern wetteiferten mit einander, die Empfangsscierlichkeiten würdig der Person des Gewählten zu veranstalten. — Am Tage vor dem Eintreffen desselben ward Seitens der Gemeinde eine Deputation zur Begrüßung des Ankommenden nach Strzelno entsandt. Durch unvorhergesehene Umstände wurde jedoch die Ankunft desselben etwas verspätet, weshalb die nächtliche Ruhe, die dem Herrn Nabbinen nach der länger» und anstrengenden Reise absichtlich vergönnt werden sollte, gar sehr verkürzt ward. — Kaum graute der Morgen des 25., als sich die Vorsteher, Repräsentanten und andere Mitglieder der Gemeinde, unter anderen auch der vor einigen Tagen cingeführte ״Stiftsgclehrtc" des ForschungS- Hauses in einer langen Wagenreihe nach Strzelno begaben, um den in seinen neuen Wirkungskreis Einzichenden zu bewillkommen. Mit wahrhaft ergreifenden Worten dankte der Begrüßte für die ihm gezollte Ehrerbietung, ließ sich über die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde nä- Here Auskunft geben, bis endlich die Mittagszeit die inzwischen zu einer großen Versaliililluiig angewachsene Zahl der Begrüßenden zu einem gemeinschaftlichen Diner vereinigte, bei welchem den Lippen des Hrn. Nabbinen Worte der Lehre reichlich entströmten. Inzwischen hatte die hiesige jüdische Gemeinde, in welche der neue Seelsorger seinen Einzug halten sollte, FesteSschinnck angelegt. Die Synagoge wurde auss Schönste erleuchtet; der seit einem Deeenium verwaisttc Nabbinersitz bekränzt. Mit Ungeduld erwartete die feiernde Menge die Abendstiliide. Da verkündet eine mit Blitzesschnelle herbeieilende Deputation des jüdischen Todtenbestattnngö-Vereiuö (6t»ovia Lastiseka), der dem Einzichenden bis Montwey zur Begrüßung entgegen gefahren war, daß in einer Viertelstunde spätestens der Rabbincr in unseren Mauern sein werde. Wie ein elektrischer Schlag wirkte diese Nachricht auf die zu Hunderten vor der Synagoge versammelte Menge, obwobl bereits die Raume des Gotteshauses selbst bis zum letzte» Plätzchen von Glaubensgenossen der verschiedenen Eonfesfionen gefüllt waren. Eben hatte die Thurmuhr die sechste Abendstunde verkündet, als der sehnsüchtigst Erwartete an den Pforten der Synagoge anlangte. Es war ein herzerhebender Anblick, den von Freude und Ucbcrraschung sichtbar gerührten ehrwürdigen Manu von Jung und Alt begrüßt zu sehe», wie sich Alles an ihn herandrängte, um wenigstens durch Händedruck oder Kopffchütteln das nelic Gemrindeobcrhanpt zu bewillkommenen. Vom Vorstände und den RepräseiltanNn unter einem Baldachin geleitet, betrat der Rabbiner das Gotteshaus. Da hielt der Senior der Repräsentanten, der durch seine gediegene und ächt jüdische Bildung rnhmlichst bekannte Hr. S- B. Franzos an denselben folgende Anrede: ״Als unsere Alt-Vordern zur Wahl eines Seelsorgers schritten, ״brauchten sie nur Erkundigungen cinznzichcn, ob derselbe hinreichendes ״talmudischeS Wissen besitze; über seinen religiösen Wandel waren diese ״nicht nöthig; denn daö positive, traditionelle Judenthum war zu jenen ״Zeiten jedem Israeliten heilig und Niemand wagte daran zu rütteln. ״Ganz anders aber in unsern Tagen. Seit mehreren Decenien ist, ״wie in allen andern Confessionen so auch leider! bei uns, ein grwal- ״tiges Schisma eingetreten. Die Reibungen, Spaltungen, das Aus- ״einandergehen der Ansichten über Judenthnm habe ich nicht nötbig ״Ihnen vorzuführcn, dieses alles dürfte Ihnen hinlänglich bekannt sein. ״Unsere Gemeinde, welche der Majorität noch auf dem herkömmlichen ״Boden des JudcnthumS steht, ohne deswegen die Wissenschaft zu ver- ״pönen, mußte also behutsam bei der Wahl eines Seelsorgers sein. ״Nach vielem Prüfen, Forschen und Suchen sind Sie, Herr Rabbiner, ״als Seelsorger gewählt, und wir sind heute hier an heiliger Stätte ver- ״sammelt, Sie in das heilige Amt zu installircn. Möge unsere Wahl ״eine glückliche sein! Mögen Sie ein Seelsorger für unsere Gemeinde ״sein, von welchem der Prophet im Namen Gottes spricht: ״Ich werde euch Seelsorger nach meinem Wunsche geben, welche ״Euch mit Umsicht und Einsicht leiten werden!" Amen. Darauf erwiederte der Angeredete sichtbar erregt: ״Ich stehe auf dem Boden des traditionellen JudenthumS und ״werde die althergebrachten Traditionen unerschütterlich mit Wissen- ״scha ft zu vereinen und durch Wissenschaft zu wahren wissen." Der Gemeindevorsteher Hr. Latte begleitete hierauf den Rabbinen bis an den Rabbinersitz und übertrug ihm Angesichts der Gemeinde die Funktionen des hiesigen RabbinatS. Nach dem üblichen Abendgebete bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, erflehetc den göttlichen Beistand für sein heiliges Amt und den Segen für die Gemeinde. Eine kurze jedoch kräftige Anrede, angeknüpft an Hosea Kap. 2. V. 21. 22., in welcher der Redner sein Vcrhältniß zur Gemeinde darstellte und ein Gelöbniß der treuen und gewissenhaften Pflichterfüllung ablegt, beschloß die Feier. Nach dem Schlußgebete der Gemeinde wurde der Herr Rabbiner von einer großen Menschenmenge in seine Wohnung begleitet, die in rühmenswerther Weise von achtbaren Damen geschuiackvoll anSgestatket war. Inowraclaw im Posenschen, den 13-ten April. Nach jahrelangen Kämpfen ist es endlich der hiesigen Gemeinde gelungen, daS seit einem Dccenninm vakante Rabbinat zu besetzen. Das. nnnniehrige geistliche Oberhaupt ist kein anderes als der in Ihren Kreisen gewiß rühmlichft bekannte Rabbiner, Hr. Ludwig Pollak aus Kremsier in Mähren. Wer die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde kennt, der wird leicht begreifen, welche Eigenschaften unser Seelsorger in sich vcreinigen muß, um den verschiedensten Partheien — wie sie mit größeren oder kleineren Schattirungen ohne Ausnahme fast sämmtliche Gemeinden unserer Provinz aufzuweisen haben — in jeder Beziehung zu genügen. Und in der That ist der Gewählte ein Mann, dem es, wenn nicht alle Anzeichen trügen, mit göttlicher Hülfe gelingen wird, jene