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Ben Chananja · 1862-04-18 · 16 (18.4.1862) · p. Seite 134

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
16 (18.4.1862)
Date
1862-04-18
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 Hiob, Kap. 28., V. 12 ff. Dem Saadia wird es natürlich ein Leichtes, den Unsinn einer solchen Schriftdeutnng seinen Lesern klar zu machen. Eine III. Theorie lehrte höchst eigenthümlich, daß Gott die Welt der Erscheinungen aus seinem eigenen Wes e n heraus gebildet. — Die Anhänger dieser Theorie, bemerkt Saadia, konnten sich zu einer Schöpfung ans Nichts ebenso wenig wie zu einer Weltewigkeit verstehen, sie setzten daher sonderbarer Weise das eigene Wesen Gottes als das erste Substrat, ans dem heraus Gott die ErscheinnngSwelt geschaffen. — Wir müssen hier bemerken, daß eine derartige Lehrmeinung, wie sie Saddia uns hier vorführt, unseres Wissens in der ganzen alten und mittelalterlichen Filososie vergebens gesucht werden dürfte. Andererseitö erscheint cs uns höchst auffallend, daß der vielbelesene Saadia, der uns hier ein Stück Geschichte der Filososie vorführen will, gerade jene Theorie ganz mit Stillschweigen übergeht, die im Mittelalter eine solch bedeutsame Nolle spielte, daß sie der ganzen Kabbala, ebenso wie der jedenfallS höchst merkwürdigen Gabirol'schen Mctafisik daö Entstehen gab — nämlich die E m a n a t i o n s l e h r e. Wir vermuthen daher, daß es eben diese Lehre sei, die hier S. bespricht. Gott habe die Welt auö seinem eigenen Wesen heraus geschaffen (הבורא ברא הדברים מן עצמו)—fo lehrte ja die Emanationstheorie, Gott habe auö sich einen Theil seines Wesens emanirt, daö sich dann immer mehr verdichtete, bis endlich die Vielheit der Erscheinungen daraus hervorging. Wir heben von den 13 Schöpfungötheorien hier noch folgende zwei hervor. Eine ist die Lehre von den zwei Prinzipien (בשני עושים קדמונים). Diese Lehre ist in der jüdischen Neligionöfilosofie von jeher zum Gegenstand der Widerlegung gemacht worden. Begegnen wir doch schon im Talmud den Namen O r m u z d und A h r iman; לי׳ o!)schon andrerseits der Ausdruck מין im Talmud keineswegs mit Eliaö Levita (Tischbi, Art. מין) auf die M a n i ch ä e r zu beziehen ist.") Noch weniger stichhaltig aber ist es, die ספרי הצונים auf die dualistischen Schriften dieser Sekte beziehen zu wollen. ד) Aron ben Elia ד nennt neben den Manichäern auch noch die Sekte der Daisinija, welche letztere anuahmen, daß Gott Urheber deö Guten und Satan Prinzip deö Bösen sei; und Jbn Zadik datirt den Stammbaum des Daisan gar hoch hinauf. ״) Dagegen kennt Scharastani *°) noch drei andere dualistische Sekten: die Mazdakija, Markuni ja und Kainawija. WaS Scharastani ferner von den verschiedenen Ansichten über die ״Vermischung" sagt, indem einige behaupten, das Finstere habe eS durch Schlauheit dahin gebracht, sich an das Licht zu hängen; Andere dagegen: ״Daö Licht sei aus eigener Wahl in die Finsterniß gegangen, um sie glücklich zu machen und die gesunden Theile aus ihr nach seiner Welt herauszuführen" — all dies findet sich auch hier bei Saadik (1. c. 1, 4, Theorie IV): (ונחלקו (המשנים בסבת ח: ונם. קצה ם חשבו כי הטוב היה סבחו שירפא הצד הפוגש אותו מן הרע, וקצתם חשבו כי הרע היה סבת מויגתו, לחקותו שיהנה במה שבו מן הערבות• Auch die von Saadia angeführte Theorie von dem uranfänglichen Fürsichsein der v i e r E l e m e n t e, scheint uns darum bemerkenöwerth, weil nach Angabe S.'s diese Theorie auch ihre jüdischen Anhänger hatte, welche die Vorweltlichkeit deö Luftuud Wasserelementes aus dem Schriftwort: ורוח אלהים מרחפת ע״ם המיס deduciren wollten. — Schade, daß die heteredore Literatur jener Zeit, die in Chivi Ha-Kalbi ihren Mittelpunkt hatte, nnö noch immer so wenig bckaunt ist! Wir kommen nun zu einem der tüchtigsten und hervorragendsten Filosofen des jüdischen Mittelalters, dessen unsterblicher Name in neuerer Zeit durch die Forschungen Munkö wieder zu seinem verdienten Ruhme und Glanze gelangt ist — zu Salomon Jbn-Gebirol. — Die in der von Falaquera inö Hebräische übersetzten Schrift Mekor Chajim nicdergelegte gebirol'scbe Filososie steht auch in der Beziehung höchst merkwürdig da, daß sie — waS sonst bei keinem einzigen aus einer jüdischen Feder geflossenen Werke jener Zeit der Fall ist— ganz frei und selbstständig, ohne sich an irgend ein Bibelwort zu lehnen, ihr System entwickelt. Und dennoch sind eS drei j ü d i s ch e G r u n d g edanken, die die Filososie Gebirols durchziehen, ja gleichsam Anfang, Mittelpunkt und Ende seines SystemeS bilden. Diese drei jüdischen Fundamentalgedanken sind: Die S ch ö p f u n g auö Nichts, die Weltichöpsung mit freier Willeus th ätig ke it Gottes, und die Einheit des W e l t s ch ö p f e r s (Monotheismus). Die Schöpfttugsthrorie Gebirols resumirt sich in Kurzem in folgenden drei Sätzen: 1. Die erste und höchste Substanz (העצם הראשון העליון), die ״Quelle deö Lebens," emanirte aus sich eine göttliche Kraft, die ״Wille" (הרצון), oder auch ״das schöpferische Wort" (האמרה הפועלת) genannt wird. 2. Diese göttliche Kraft, der Wille, hält die Mitte zwischen Gott und Welt. 3. Aus dem Willen emanirte eine Materia generalis (יסור כללי), aus welcher die unzähligen Wesen alle ohne Unterschied, die körperlichen wie die geistigen, hervorgingen. — In diesen Sätzen sind in der That die drei jüdischen Grundgedanken enthalten. Nicht nur daß vor dem Schöpfungsakt nicht einmal die materia prima vorhanden war, da selbst diese erst emanirt wurde — sondern auch diese Emanation ist keineswegs als ein Akt der Nothwendigkeit zu denken, da das All eben nur durch das Medium des

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