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Ben Chananja · 1862-04-11 · 15 (11.4.1862) · p. Seite 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
15 (11.4.1862)
Date
1862-04-11
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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Äs haben viele gemessen und cs werden viele noch essen. Ein Corrcspondent von entfernten Ländern sollte, wenn er sich der lesenden!lnd essenden Menschheit nützlich beweisen will, zugleich den Speisezettcl mitschicken, und zugleich die Rezepte für die Speisen, die in seinem Lande üblich sind. Die Juden haben keine Wallhalla und auch kein Eonversa t i o n S l e r i k o u sdas papierene W a l l h a l l a). Dieselben haben aber zuweilen vielen Dünkel und nicht wenige Korrespondenzen. Daß jeder glaubt, jede Kleinigkeit sei werth einer Eorrespondcnz unter die Flügel gebunden zu werden, ist sehr fatal, aber verzeihlich. Äs kann zuweilen aus einer Kleinigkeit etwas Großes entste- Heu. Die schnatternden G ä n , c — die doch nichts anderes zu 1(111« haben — haben einst das Äapitol gerettet. Daß jeder sich fähig hält eine Eorrespoiidenz zu schreiben, ist nicht minder fatal, aber auch verzeihlich. Kcuntnisse sind so schwer zu erlangen, und bringen so wenig ein, wenn man sie erreicht hat. Daß alle Welt die Eorrespondenzcn liest, ist nicht minder fatal, aber auch verzeihlich. Die 2 vorliergenanntcn fatalen Glanbensartickel mochten Ursache davon sein. Äinc Hand wäscht die andere. Es ist als die Entschuldig,ing dafür zu betrachten. Das rollende Schicksal verwandelt einen Leser sehr schnell in einen 6 o r r c s p o n d c n t c n. Man hat Versuche gemacht die verschiedenen Arten der Weine, der Pferde, des Obstes zu v e r c d c l ». Man hat sogar in den 3 jüngsten Jahrtausenden ans verschiedenen Seiten versuche gemacht das Menschengeschlecht zu veredeln. Es ist uns nichts Näheres über die Bersuche bekannt. Sollten E o rr c sp o n d c n z c n allein sich der V c rc d l n n g entziehend Wenn wir sagen wollen, wir wissen hier zu helfen, so wäre dieses vielleicht eine Ucbcrtreibung. Aber einen Rath können wir geben. Mehr als guten Rath haben die FOosofen auch nicht der ״sündigcn Menschheit gegeben." Die Kluft zwischen Rath und Thal ist groß. Ein Rath verständig crthcilt und ansgesührt, war aber zuwei» len Pater von verständigen und oft von glänzenden -Thalen auch. (Schluß folgt.) Dr. I e m a n d. Inland. — Pest, Unter allen jenen Stutzpunkten, ans welche wir nuser zeitliches Wohl gegründet zu haben glauben, ist keiner so unsicher und wankelhaft, als — die VolkSgnnst. Sie, die Heine das Schoßkind ihrer Laune den Göttern gleich gesetzt, seine Wege mit Weihrauch bestreuet, und das Füllhorn ihres Lobes zu leeren nicht ermüdet, wird morgen schon ihre Liebe in Haß und ihre Gunst in Wuth verwandelt haben. Wir brauchen nicht erst an die Pforten grauer Vorzeiten anzuklopsen, um uns Belege für unsere Behauptung zu holen; noch müssen wir die Geister gewisser Heroen der alten Geschichte herausbeschworen, damit sie uns Zeugnis von der Wandelbarkeit der mcnschliehe Gesinnung geben, nein, die Gegenwart, in der wir leben, ist leider hier reich genug, daß ich von den selbst erlebten Fällen nur die hier vorgefallene Fricdmann'sche Affaire zu erwähnen brauche, um zn zeigen, wie Unrecht wir thun, von den wetterwendischen Wellen der Volksgunst unser Lebenöschiff tragen zu lassen. Ich brauche die g. Leser nur daran zu erinnern, wie Hr. Friedman noch vor zwei Jahren hierorts in der Gunst gestanden ist und hoffentlich bei der allmälig eiutrctenden Ent- Nüchterung wieder stcheu wird. Aber d. Affaire dürfte nicht blos für den Betreffenden, sondern für sämmtliche jüd. Beamten eine zwar traurige aber wichtige Lehre sein. Lobend müssen wir das taktvolle Benehmen unseres umsichtigen Vorstandes in dieser Angelegenheit erwähnen. Derselbe wußte sowohl dem betreffenden Beamten als auch der Gemeinde gerecht zu werden und so hat Hr. Friedmann unter einem seltenen Andrange von Menschen verg. Sabbath nach einer 3 wöchentlichem Unterbrechung wieder seine Eantor-Futtktion begouneu. Wir freuen uns dieses friedlichen Ausganges um so mehr, da wir einerseits die Verdienste, welche der betreffende um die Verbesserung unseres Gottesdienstes sich erworben, vollkomen zu würdigen wissen, andcrseits es fühle», daß durch etwaiges Scheiden eine fast un auSfnllbarc Lücke in unscrem weltberühmte» Tempel entstanden wäre. Unsere Schnlscktion arbeitet unermüdlich und ist die Crrirnng einer Mädchen-Musterhanplschnlc mit einer damit verbundenen Fortbildungsschule;um cndgiltigen Beschluß erhoben worden. Bedauern jedoch muß ich, Ihrem —f— Eorrespondentcn Betreff seiner Angaben wegen der Reorganisiriing der Knabenschule widersprechen zu müssen. Seine Be- Häuptling betreff des zu errichtenden jüd. Gymnasinnis nnd d. Realschule ist eine, wie ich nun sicher weiß, ans der Luft gegriffene. Eben so unwahr ist cs. daß der ״matte" und ״indifferente" Oberlehrer Kohlt, wie Hr. Berichterstatter es auSzndrückeu beliebt, seiner Dirientcu-Wnrde entsagen wolle. Derselbe wirkt zwar 28 Jahre an der h. Schule, ist aber in der Erfüllung seiner Vernfspflicht eben so eifrig nnd gewissenhaft wie seine übrigen jungen Eollcgcn. Wenn die Nornialschnle bei alldem sich keines Aufschwunges erfreuen kann, so ist der Grund nicht hier, sondern anderswo zn suchen. Wie sehr unser löbl. Vorstand Grund hat mit dem betreffenden Beamten zufrieden zn sein, beweist der Umstand, daß er erst ,singst dessen Gehalt um 200 st. jährlich erhvhete, woraus sich nichts weniger als eine baldige Pensionirnng schließen läßt. Der ung. Verein hat die Erlaubnis zur Abhaltung einer allgemeinen Lehrer-Conscrenz bereits definitiv erhalten. Pest, 6. April. Von dem Grundsätze ausgehend: □ וכין לאד שלא בפניו so wie im Interesse der Wahrheit und der Gerechtigkeit, sehen sich die gefertigten Lehrer veranlaßt, Sie um die Aufnahme nachfolgender Zeilen in die nächste Nummer Ihres ״B. Eh." ergebenst zu Nro 13 Ihres geschätzten diesj. Blattes bringt nämlich einen ans Pest datirten Korrespondenz-Artikel cigenthümlichcr Art unter der Ehiffre — f— über den dcrmalige» Stand der beiden ist. Hauptschulen. Dieser Bericht, an sich verschwommen nnd bedentungslos - scheint nichts dcstoweniger wohl berechnet und planmäßig angelegt, wenn auch der Schreiber manche leicht entbehrliche Kleinigkeiten herausgestrichcn, und Vie le S ans Kosten der Wahrheit darin ausgenommen hat; ja die ganze bittersüße Haltung desselben scheint nur zu dem einen hochhciligen Zwecke der Verleumd ung eines Mannes als Mittel zn dienen, der seit fast drei Jahrzehnten seine besten Kräfte dem Wohle der hies. ist. Jugend, dem öffentt. Unterrichte geopfert hat. Wir glauben es daher der Ehre niiserer Anstalt, so wie der Wahrheit und dem Rechte schuldig zu sein, die hämische Behauptung des besagten Artikels, als ob die dritte Klasse unserer Hauptschule wegen mangelhafter Pflege der vaterländischen Sprache hinter den übrigen Klassen zurückstehc, so wie die zweite ganz unbegründete Behauptung, als ob der dermalige Leiter unsere Hauptschule zn matt und zu indifferent sei, um einem Ansschwunge derselben förderlich sein zu können — als eine reine oder richtiger als eine aus nur einen Motiven hervorgegangene Verleumduug zu erklären nnd mit gerechter Jndignativn zurückzittveisen, und versichern zugleich. uns von keiner derartigen oder wie immer gestatteten, wenn auch verzuckerten Jnsinnuation je irre machen lassen zu wollen. Die Lehrer der israclit. Normalschule. Tarnopol, 2. April. Die Lcmberger Judengemeinde hat ihr altes seit 20 Jahren nicht mehr ausgenbteS Recht, die Vorsteher selbst wählen zu dürfen, von der hohen Regierung zurückerhalteu. Der gebildete Theil der dortigen jüdischen Bevölkerung hat einen Aufruf drucken lassen, der die jüdischen Bürger flehentlichst angeht, nur gebildete Vorsteher zu wählen. Diese fieberische Angst vor dem Schrekkenögesichte der Ignoranz macht den Urhebern dieses Ausrufes mehr

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