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Ben Chananja · 1862-04-11 · 15 (11.4.1862) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
15 (11.4.1862)
Date
1862-04-11
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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ך ו | r I i 128 Der Prophet weiß was geschehen wird, was geschehen ist braucht er nicht zu wissen. Der Historiker kann darüber Auskunft geben. Es findet hier der talmudische Spruch seine Anwendung ״ .הכם עדיף מנביאDer Weise ist wohl vorzüglicher als der Prophet." Es ist dieser Ansspruch ein Zwillingsbruder mit dem des Euripideö: 2) ״Der beste Seher ist Verstand und kluger Sinn." ES fällt im Munde der griechischen Tragiker weniger ans, als in dem der Talmudisten. Daß der angeführte talmudische Satz übrigens einer der interessantesten ist, darf kühn behauptet werden. Er enthält mehr als man im ersten Augenblick darin stehet. In seiner größten Allgemeinheit spricht dieser Satz den Werth des Verstandes und des Gebrauchs desselben in menschlichen Dingen aus. Er bedarf keiner weitern Erklärung. Es stehet diese Stelle nicht allein da. Wir lesen im Talmud und die Stelle ist sehr bekannt: מיום שהרב בית המקדש ניטלה נבואה וניחנה לשוטים ולתינוקות. ״Seit der Zerstörung des Tempels (in Jerusalem) verschwand die Gabe der Prophezeiung, und wurde an Narren und Kinder verliehen." 3) Tiefer eingehende Betrachtung auf das Wesen der Dinge erkennt diesen Ausspruch nahe verwandt mit dem angeführten. Für diese kleine Digression um Nachsicht bittend, kehren wir zu Plutarch zurück, die verschiedenen Fäden zusammenhaltend, die von einem unsichtbaren auSlaufen, und nur in der Mitte des reflectirenden Geistes ihre Vereinigung finden. Zur Veranschaulichllttg des Gesagten mögen hier einige Stellen aus dem Buche Plutarchs ansgehoben sein, begleitet mit einigen jüdischen Parallelen. Es ist kein historischer Zusammenhang zwischen beiden. Es ist das Ähuliche im Verschiedenen, welches ähnlichen Parallelen Interesse verleiht. Aus den römischen Gebräuchen (§. 195) ersahren wir, daß an öffentlichen Festen keine Jungfrauen heiratheu durften, wohl aber Wittwen. Talmudische Leser erinnern sich einer ähnlichen Stelle des Talmuds ״ אין נושאין נשים במועדman soll nicht an den Festtagen heirathen u. s. f." ES wird unter andern auch der Grund angegeben ״ אין מערכין שמהר, בשמההman soll eine Freude nicht mit der andern vermischen." ES ist dieser Satz an sich psychologisch und hat als solcher seinen Werth. Die Talmudisten haben hier einen allgemeinen Satz mit einem speziell religiösen Charakter bekleidet. Mit andern Worten, dieser Satz enthält Ursprunglich keinen דין, er ist es im Laufe der Zeit durch die An- Wendung geworden. Anmerkungen. ') Im Hamanhig sowohl als in dem Abuderham sind Beispiele dieser Art genug zn finden. ג) In dessen Helene L. v. 711 (nach der Uebersetzung von H a r t n n g. Leipzig 1851.) יי) Daß d. Substanz dieses Satzes fich in vielen europäischen Sprich- Wörtersammlungen findet, mag hier für diejenigen angemerkt werden, welche es als eine vereinzelte talmudische Seltsamkeit betrachten. tefuri) einer "" Analyse des 8ohar. Von Ignatz Stern in B.-lll.-VasürlikI^.*) X. היכלות Bon den Palästen. I. 38. a. II. 245. a. נהירין לי שבילי דשמיא Berachoth 58. a. .כשבילי דנהרדעא §. 152. Die zweite Aus- oder Umarbeitung eines ebenfalls in der Tradition eristirenden Buches sind die sogenannten Hechaloth, Beschreibungen der topografischen Struktur des Gan-EdenS sowohl, als des Gehinoms. — Die alten Dichter ließen ihre Helden die Räume der Unterwelt durchwandem, u. gaben ihnen gewöhnlich einen eigenen Führer und Beschützer auf dieser eigenthümlichen Reise, von welcher das Zurückkoimnen so schwer. (Cf. Homer Odyss. und Virgil Aen.) Im alten apocryphischen Buche Henoch ist es der Engel Rafael, der diesen durch die Ränme des Paradieses als Cicerone begleitet. Auch in den Midraschim werden bei den etwaigen Beschreibungen der paradiesischen Oertlichfeiten solche Führer gebraucht, von welchen es sich voraussetzen läßt, daß sie in jenen Gegenden wohlbewandert sein müssen. So ist eS im Jalkut Schimeoni R. Josua Benlevi der nach der bekannten Sage Kethuboth 77. b. durch Ueberlistung des Todeöengelö sich lebend den Eingang ins GaneCen verschaffte. Vergleiche auch die בריתא דרישבל, auch in Midrasch Ruth: סה לי בן נאים diese Beschreibungen im Sohar entbehren durchwegs dieser dramatischen Staffage; in vollkommener objectiver Haltung detailliren sie ganz einfach das sämmtliche Gebieth des Jen eits, als hätten sie in den Urplan der Schöpfung Einsicht gehabt. Es sind also wahrscheinlich Abschreibungen und Amplisizirungen der schon von R. Hai Goon in seinen R. G. A. erwähnten alten ים׳ היכלות welche sich wie aus diesem Gutachten zu entnehmen ist, *) als Produkte der höchsten ertasischen Bist« onen ergeben. In der beregten Stelle werden sogar gewisse Regeln angegeben, wie der Mensch, durch aszetische Vorbereitungen sich in diesen Zustand versetzen kann, in welchem man aus seinem Innern Dinge erschauet, welche dem gewöhnlichen Menschen ewig unerreichbar bleiben. 8. 153. Ob aber diese Prariö in späterer Zeit von Jemanden mit Erfolg geübt worden sei, wird von keiner sicheren Quelle verbürgt, unsere Beschreibungen ergeben sich daher höchstens, wie gesagt, als fantasiereiche Ausführungen, die •) Soben Nro 1t. ') lSn Jakob zu Chagigah 14. a. (Schluß folgt.) 959

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