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Ben Chananja · 1862-04-11 · 15 (11.4.1862) · p. Seite 127

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
15 (11.4.1862)
Date
1862-04-11
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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127 nimg und Nachsicht vorwalten zu lassen. Die Lieblosigkeit sagt Krug, 4) mit welcher ein hartherziger Gläubiger von einem der Schonung bedürftigen Schuldner Zahlung fordert, ist eine Unbilligkeit welche als Unrecht (injuria) erscheint, daher heißt der obige Satz eigentlich: summum jus interdum fieri potest inquitas, nämlich dann, wenn eö auf eure lieblose Weise oder mit Härte verfolgt wird." Dieser Auffassung entspräche daö 5 ,לסנים משורת הדין) welches der Talmud für den Israeliten als Pflichtgcbvt aufstellt. Eö braucht überhaupt nicht erst uachgewiesen zu werden, welch erhabener Geist der Liebe und Menschenfreundlichkeit alle Institutionen der mosaisch-rabbinischen Rechtspflege durchwehe; nicht nur die jüdischen Gesetze, sondern das jüdische Leben zeigt zur Genüge, daß unseren Glaubensgenossen jede Hartherzigkeit fremd ist; ein Shylok der hart wie ein Felsen vom Unglücke seines Schuldners sich nicht erweichen läßt, pochend auf sein summum jus, und zum Richter, der ihn zur Gnade und Nachsicht bewegen wollte, sprechend: I stand here for law °) hat Gottlob , wie dies historisch sicher gestellt. ד) als Jude nie eristirt; ein Shylok ist nach jüdischen Begriffen eine Verworfenheit, ein moralisches Ungeheuer, wenn er auch in seiner Forderung die Form und den Buchstaben deö Gesetzes für sich hat; ein Shylok, wenn er nicht blos im Fantasiebilde und Geschöpf der EinbildnngSkraft deS großen englischen Dichters, sondern in Wirklichkeit vorhanden gewesen wäre, wäre gewiß als daö leibhastige summum jus summa injuria zu betrachten. Die übrigen Auffassungen und Erklärungen deS summum jus übergehen wir, genug eS liegt klar zn Tage, daß der Talmud eö gekannt, ob es auf jüdischen Boden entsprungen, einem jüdischen Mund zuerst entfahren und von da die Rundreise durch die Welt gemacht, oder umgekehrt, wer kann bei alten Sprichwörtern dies bestimmen? Anmerkungen. ') Mid. r. Schoftim. ף Ciccro v. d. Pflichten B. 1. K. 10. 3) I. B. Ncdariln 25. a. ') Kr. Ncchtslehre S. 74. ף Z. B. Meziah. S. 0) Shaköpeare, Kaufmann von Venedig. ’) Stein Volkslehrer 5. Jahrg. S. 288. MtmgejWltiche Lsorismm von Leopold Dukes. 7. Die Fragen über römische und griechische Gebräuche von Plutarch. Daß dirses Werk Plutarchs ebenso interessant als nützlich ist, ist allbekannt. Viele Gebräuche, die uns hier überliefert sind, wären vielleicht ganz unbekannt geblieben, wenn der gelehrte Grieche nickt ein Buch darüber geschrieben, und den Versuch gemacht hätte, dieselben zugleich zu erklären. Ueber Plutarch selbst zu schreiben, dazu sind andere literarische Blätter vorhanden. Wenn wir aber hier die Aufmerksamkeit deö Lesers auf dieses Werk lenken, so geschieht dies bloß — wie bei vielen andern unserer M'ttheilungen — zu kulturhistorischen Zwecken. ES ist nicht die Kritik des Einzelnen, es ist daö Urtheil über daö Ganze, welches kulturhistorische Studien zum Ziele haben. Die speziellen Sitten der Römer und Griechen geben diesem Buche an und für sich einen großen Werth. Manche dieser Gebräuche sind im höchsten Grade seltsam. Die Fantasie scheint bei Einführung derselben unumschränkt gewaltet zu haben. Die vergleichende Betrachtung derselben mit Gebräuchen und Anschannngen anderer Länder, anderer Zeiten, anderer religiöser Begriffe und Eindrücke kann ihnen einen er. höheten Werth geben. Daß Plutarch selbst die wahre Ursache nicht immer kannte von den Gebräuchen, die er beschrieb, gehet daranö hervor, daß er gewöhnlich mehrere Ursachen angibt. Die rhetorische Form der Frage, womit er diese Ursachen einführt, beweiset ferner, daß er nicht bestimmt wußte, welcher Ursache der Vorzug zu geben sei. Daß mehrere Ursachen Zusammentreffen können beim Entstehen eines Gebrauchs, kann man zugebe», jedoch lehrt die Ersahrung, daß es gewöhnlich nur eine Ursache ist; wo diese aber im Laufe der Zeit entweder in Vergessenheit geriet(), oder die Anwendbarkeit derselben durch die Verändernng der Umstände verloren hat, da finden sich (herbeigeholt aus dem großen unerschöpflichen Schatze der Vermuthu ng) andere Ursachen ein, um die eine wahre aber verlorengegangcne Ursache zu ersetzen. WaS uns bei Plutarch hier begegnet, begegnet uns auck anderwärts. Gleiche Ursachen haben' gleiche Wirklingen hervorgebracht. Manche im Talmud erwähnte jüdische Gebräuche waren damals schon sehr weit entfernt von ihren eigentlichen Ursachen. Beispiele hier anzuführen wäre nicht am rechten Platze. Es ist dies derselbe Fall mit nachtalmudischen Gebränchen die in später» Werken erwähnt sind. *) Denn wenn auch hier und da eine Talmndstelle als Begründung angeführt ist, so ist dieses erst in späterer Zeit geschehen. Manche dieser Gebräuche, wo kein bestimmter Grund angegeben ist, lassen Raum für Erklärungen aller Art. Hier kann der Antiquar seine Belesenheit in Anspruch nehmen. Er mag Parallelen finden, die Licht ans dnnkle Seiten wersen, wenn'sie auch die Sache nicht immer erklären können. *

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