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Ben Chananja · 1862-04-04 · 14 (4.4.1862) · p. Seite 122

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
14 (4.4.1862)
Date
1862-04-04
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 r; t - j ■'!} selben: קרציהון די יהודיא (Dan. 3, 8);ורוד די רביע׳ (Das. 3, 25). Auch auS den Thargnmim lassen sich dafür Beispiele ansührcn. Im Syrischen und in der Gemara ist der Gebrauch dcS fraglichen Sufsires stehende Redeweise. Die Analogie des Ungarischen mit mehreren ״orientalischen Sprachen" ist also in dieser Rücksicht eine nnlengbare Thalsachc, und gehört nicht, wie Hr F. glaubte, zn de» ״Schwärnicrcicn." Korrespondenz. X. Prag, 31. März. Die hiesige Repräsentanz der ist. Enltusgcnicittde hatte in Rücksicht veö sich allgemein kundgebenden WnnscheS nach einer liberalen auf vollständige Autonomie der einzelnen Gemeindci! basirtcn EllltstSordnung die Initiative ergriffen und alle Landgemeinden Böhmens zur Absendung von Vertretern cingcladcn, um hier geincinschaftlich die Grundprinzipien einer Enltnsordnnng zn bcrathcn. Diese Einladniig hatte einen überraschend guten Erfolg, fast alle anfgesordcrten Gemeinden sagten ihre Mltwirknng zn, und vcrsprachen am anberanmtrn Tag d. i. am 25. dieses M. ihre Vertreter zit sende». Nach Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, trat die Bersammlniig, bestehend ans 200 Repräftmanten der isr. Gemeinden Böhmens, in dem gcräninigen, zu diesem Zwecke eingerichteten und mit Büsten Sr. Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin geschmückten Saal im Holet Brisker, zusammen, um sich über die Grundprinzipien einer Enltnsordiiung für Böhmen zn berathcn. Herr Ernst Wchli, Vorsitzender der hiesigen Cnllnsvertrctcrschaft, hielt an die Versammelte« eine Begrüßungsrede und drückte seine aufrichtige Freude ans, daß die Judenschaft Böhmens voll Vertrauen und Einmülhigkeit dem Rufe ihrer Prager Brüder gefolgt, und sich zn einer gemcinsainen Tbat entschlossen, die ebenso dem echljüdischen Gemeingeist als der Intelligenz derselben ein ehrenvolles Zengniß geben, und ein für alle erfreuliches Resultat der Berathnng erzielen werde. Die Versammlung schritt hierans zur Wahl eines Präsidenten und eines Vizepräsidenten, zu Ersterein wurde Herr Ernst Wehli, zn Letzten» Herr Advocat Dr. Wiener gewählt, welcher auch die Leitung der Debatte übernahm. Schon freiher hatte die Prager Enltns-Repräseutan; ein Eoiliitü ans ihrer Mitte gewählt, welches die Ausgabe hatte, einen kurzen Entwurf anszuarbeiten, welcher die Basis der Verliandtnngcn bilden, und als Vorlage für die Bcrathungen dienen solle. Herr I. Dr. Rautnitz als Berichterstatter dieses Eomitc: verlas den Versammellen den ans 12 Punkten bestehenden Entwurf, welcher auch gedruckt den Mitgliedern der Bersammlung vertbeilt wurde. Die vorzüglichsten Redner in der liulimehr folgcndeu Debate waren Herr I. Dr. I. Rvbieek, Dr. Knhe Redakteur, die Rabbink» Ehrmann, Ehrentheil, Schifmann; nachdein in 2 Sitziingen 8 Punkte erledigt wurden, wurde aus Antrag eines Herrn von der Versantinlniig ein Eomite gewäbt, welches den Auftrag erhielt, ans Grund der aiigenommenen Grundsätze eine vollständige EnltnS-Ordniing anszuarbeiten. Die bedeutendsten Mitglieder desselben sind die Herren Professor Dr. Wesseli, Dr. Robieek, Redakteur Knhe, I. Frank, PH. Hirsch n. a. Am 2li. wurde die Berathnng über die letzten 4 Punkte fortgesetzt. Das lebhafteste Interesse erregte der letzte Punkt, welcher die Form eines Eentral-OrgancS der Regierung gegenüber feststellt. Dieser bestimmt, um jedes bureankratisch-hierarchische Gelüste, welches die EnltliS- und Gewissensfreiheit und das im Judenthnuie anerkannte Recht der freien Forschnng gern beschränken würde, im Voraus nninöglich zn machen, daß nur die Gesammlheit der Vorstände aller böhmischen isr. CnlrnSgcmcinden znr Vertretung gemeinsamer Interessen bcrcchtigt und berufen sei, und daß zur Ermöglichung des Ausdruckes der Wünsche und Bedürsniße sämmtlichcr Gemeinden, deren Vcrtrctungen alle 3 Jahre eine CultnSgcmcinde als Vorort zn bestimmen haben, deren Vorstand, mit der Leitung der allgcn>eincS Interesse betreffender Geschäfte betraut, die Eorrcspondenz mit den Behörden nnd denPrivarcn zn erledigen, bei wichtigen Angelegenheiten schriftliche Gutachten der Gemeinden cinzuholcn nnd wo thnnlich eine Versammlnng der Vertreter aller Gemeinden ciiiznberiifen, in welchen beiden Fällen die Ansicht der Majorität als die Entscheidende zit gelten hat. Ein allgcmeiner Beifall sicherte gleich beim Verlese» eine günstige Abstimmung schon deswegen, weil die Vertreter des jemaligen Vorortes verpflichtet sind, ihr Amt unentgeltlich zn führen. Nach Beendigung der Debatte sprach Herr Redakteur Knhe den Versammelten für den Eifer nnd für die Beharrlichkeit, wie auch für die taktvolle parlamentarische Haltung, welche sic bei der Debatte an den Tag legten, im Namen der guten Sache, seinen Dank ans, worauf Herr Rabbiner Ehrentheil ein Gebet für Sr. Majestät sprach. Unter lauten Hochs ans Sc. Majestät den Kaiser, Ihre Majestät der Kaiserin, auf den LanteSansschuß, die Stadt Prag und die isr. Enltnsgcmeinde hier wurden von dem Vizepräsidentcn die Sitzungen für geschlossen erklärt. Das aus 32 Personen bestehcnde Eomite zur AnSarbcilnng der EultnSordnnng wird nach Ostern ziisainiiientretc» nnd nach Bcendignng derselben die Vcrsaininlnng zur Spezialdcbattc über dieselbe znr Zeit cinbernfcn. Aus Böhmen. Wer cs nicht schon früher wüßte. dem müßte» die in Prag am 25. nnd 26. d. M. gepflogenen Verhandlungen, über ״die Grnndzügc einer israclit. EultnSordnnng für Böhmen," den evidemlsten Beweis liefern, wie wenig die Israeliten Böhmens bis jetzt von Enltns- oder Gemeindc-Ordnnng verstehen. Es ist unsere Sache nicht, diese Verhandlungen hier näher zn beleuchten, denn sie sind in der Thal unter aller Kritik. Im Ganzen herrschte bei den Wortführern oder vielmehr Schreiern dieser bunt zusammengewürfelten Gesellschaft eine große Animosität gegen die Rabbinen, und es war ergötzlich zu sehen, wie die Rabbinen bei den wichtigsten Punkten, wo es sich um ihren eigentliche» Wirkungskreis handelt, wie Synagoge und Schule, ganz nobel ignorirt wurden, nnd wie wiederum die Gelcgenheit vom Zaume gebrochen wurde, um gegen die Rabbinen in der nndclikatesteu Weift loSznzichen. Wir wollen nicht darüber entscheiden in wiefern die böhmischen Rabbinen in Prag nnd aus dem Lande,denn sie hatten alle einer gleicher Urbanität sich z» erfreuen, eine solche Bc- Handlung verdienen, gewiß aber hätte die Versammlnng sich selbst mehr geehrt, weil» sie mit ihren CnllnSbeamten respcetvoller nnigegangcn wäre. — Am meisten perorirten, bramarbasirten nnd intrignirtcn gegen die Rabbineil gewisse Leute, denen der israclit. EultuS gar nichlS kostet, die mit den Elllrnsbeamteii in keine Berührung kvinuren, und höchst seiten eine Synagoge besuchen. Es sind das Juristen, die auf Winkelschreibereien angewiesen sind, Mediziner, deren Schlaf kein ungeduldiger Patient stört und die in ihren Ordinationsstunden Muße genug haben, sich in silososischc Betrachtungen zu vertiefen. Dieses Faknltäten-Prolctariat, sit venia veibo, »ährt einen Dcpit gegen die Rabbinen, weil cs ihnen ihr Brot, ihren Einfluß und ihr Ansehen, so spärlich ten Rabbinen auch dies alles zugemessen ist, mißgönnt und sie gerne seine Superivrität fühlbar machen möchte. Solche Herren suchten sich Mandate von Gemeinden, zum Theil von solchen, die iO oder 11 Mitglieder über 13 Jahre zählen, zn erschleichen, denn die Gelegenheit war gar zn günstig, doch einmal zn plaidircu oder seinen ärztlichen Rath au den Mann zn bringen. — Zur Taktik dieser Geineindcverkreier gehörte cö auch, die sogenannten NcligionSlehrer den Rabbinen als gleichberechtigt an die Seite zn setzen. Aber wer weiß cs nicht, wie die Religionslehrer Böhmens auf dem Lande ihrer großen Mehrzahl nach von der Religionswissenschaft gar nichts verstehen, nnd nur nvthdürftig den Katechismus einzutrichtern gelernt haben. WaS würde man sagen,

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