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Ben Chananja · 1862-04-04 · 14 (4.4.1862) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
14 (4.4.1862)
Date
1862-04-04
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 hältn'sse schlichten, wie sott er dann noch wissenschaftlichtheologische Vorträge für Kandidaten halten? Und was wird unter diesen Umständen aus unserer heiligen Lehre werden? Darum ein Landrabbiner, der zugleich ein Seminar creire :בקטן ההל ובגרול בלו״. Man wird vor dem Wort Seminar zurück schrecken. Brünn ein Seminar! Mähren ein Seminar! wird man rufen. Warum hat denn Prag, Wien und Pest 12 Jahre geschlafen, und für die Lehre Israels, für eine Anstalt wie sie in Breslau besteht, nicht das Mindeste gethan? Müssen wir in Mähren züsehen und zuwarlen ad calemlas gracas? DaS Landrabbiner-Jnstitnt datirt seit Jahrhunderten, gebet ihm eine zweckmäßige Bestimmung תורה צוה לנו משה מורשה קהלה יעקב und es wird heilbringend, segensreich, zunächst für Mähren dann für die ganze Monarchie werden. Dr. M. Dusch a k. Jakob Clias Frorrrenthal Halevy. R. Paris, 25. März. Gestern haben wir einer großartigen, aber traurigen Szene beigewohnt: der Beerdigung Halevy'S, des großen und berühmten Komponisten. Sicherlich werden alle Kunstfreunde den Verlust eines so hochbegabten, hervorragenden, der Kunst mit so ausgezeichnetem Erfolge lebenden Mannes, wie Halevy es war, aufrichtig betrauern. Bei den gebildeten Juden aller Länder wird die Trauer um den edlen Verblichenen um so aufrichtiger sein, als sie in demselben einen Glaubensbrnder verloren, der dem Judenthume in jeder Rücksicht zur Ehre gereichte. Für die hiesige jüdische Gemeinde ist aber der Schmerz unaussprechlich. Sie hat eine ihrer schönsten Zierden verloren. Sie hat einen Verlust erlitten, welcher nicht leicht ersetzt werden kann. Dieö mußte selbst dem Mindergebilbeten die Theilnahme sagen, mit welcher Pariö dem Vollendeten die lezten Liebesdienste erwies. Halevy hat in hiesiger Stadt am 27. Mai 1799, also schon als emanzipirter Franzose, das Licht der Welt erblickt; am 17. März d. I. vollendete er glaubenstren!eine ruhmvolle irdische Laufbahn. Ich gehöre nicht zu Denjenigen unserer Glaubensgenossen, die auch auf solche Inden stolz sind, die auf dem Gipfel ihres Ruhmes gegen das Judenthum und dessen Angelegenheiten und Interessen kalt und gleichgiltig werden, und hin und wieder sogar über ihre Abstammung murren. Der selige Halevy war von diesem JndifferentiSmus weit entfernt; er war Jude mit Leib und Seele bis zu seinem letzten Augenblicke. In seinem Testamente fand sich die Anordnung, daß er nach orthodorem jüdischem Nitnö beerdiget werde. Halevy war der erste Jude in Frankreich, der den Preis von Nom für Musik gewann; seitdem wurde diese Auszeichnnug, so viel ich weiß, noch drei anderen Juden zu Theil. Er war der erste Jude, den das Institut de Franke als Mitgl. aufnahm; seitdem sind auch Franck und Munk, Mitglied glieder deS Institutes. Es war seine berühmte Oper ״Die Jüdin," die ihm die Thüren der Akademie der schönen Künste aufgethan. In der Folge wurde er zn Secretaire perpetuel dieser Abtheilung gewählt, da er auch ein ansgezeichneter Stylist war. Er war auch auf dem Punkte, in die Akademie fMiigmfe ausgenommen zu werden. Seine Thätigkeit war außerordentlich, und der damit verbundenen Ungeheuern Anstrengung soll er erlegen sein. Er hat 30 Opern, verschiedene kirchliche und synagogale Musikstücke und Klavierpie^en komponirt. Er bildete viele Zöglinge aus, da er seit 30 Jahren Professor am hiesigen Konservatorium war. Unter seinen Schülern haben sich mehrere als Komponisten bemerkbar gemacht. Er war der eigentliche Schöpfer deS von der Akademie herausgegeben Dictonnaire (168 beaux arts, welches auch Nichtmusifern zugänglich ist. Dabei entzog er auch denl Zentralkonsistorittm, dessen Mitglied er war, seine Mitwirkung nicht. Sein Wohlthätigkeitösinn übersteigt alle Lobeserhebungen. Von den ihm zu Theilgcwordenen Auszeichnungen erwähne ich nur, daß er 60mmand0ur (101a legion d’ lionneur war. In der letzten Zeit seines irdischen Lebens beschäftigte er sich mit der Kompositton einer biblischen Oper ״Noah;" dieselbe sollte in Nizza, wo er seine angegriffene Gesundheit wieder herzustellen hoffte, vollendet werden, und ihm in Paris neue Triumfe bereiten. Leider war es ihm nicht gegönnt, diese Triumfe zu erleben. Gestern, Montag um 12 Uhr Mittags, setzte sich der Zug von dem Institut de Franee in Bewegung. Des Morgens schon war eine große Menschenmasse versammelt, um dem großen Komponisten, dem wahren und echten Re- Präsentanten französischer Musik die letzte Ehre zu bezeigen. Um 11 Uhr mußte die Polizei den Deputationen Platz machen, die sich bei der Familie zur Kondolenzerweisung einfanden. ES sollen ungefähr 40,000 Menschen dem Sarge gefolgt sein. Den Leichenkondnkt führten d. H. H. Leon und Ludwig Halevy, beide als Schriftsteller rühmlich bekannt. Die Ordnung des ZugeS und die Leichenreden kennen Sie ans den politischen Blättern. Die Redner rühmten die Verdienste, Leistungen und die Herzenögüte des Heimgegangen; mancher derselben wurde von seinem eigenen Thränenstrome im Vortrage unterbrochen. Cond et, Präsident der Akademie begann mit den Worten: ״Frankreich hat einen seiner berühmtesten Söhne verloren!" — Der Präsident deS Zentralkonsistoriums, Hr. Cerfbeer, sprach besonders von der warmen Anhänglichkeit, mit welcher sich Halevy zum Judenthume bekannte. Es ist hier allgemein bekannt, daß er die seiner Tochter angebvtcne Hand eines deutschen Fürsten zurückwies, weil er besorgte, dieselbe könnte die väterliche Religion gegen eine andere vertauschen. Wie beschämend für diejenigen, die sich schämen, Juden zu sein und zu heißen! — Der jüdische Klerus war beim Leichenzuge stark vertreten. Eine Leichenrede wurde aber von keinem Rabbiner gehalten. Das צדוק הרק sprach in der Wohnung des Verblichenen der Großrabbiner Isidor hebräisch und französisch; den Psalm ממעמקים sang auf dem Gottesacker das Chorpersonal der beiden Tempel und zahlreiche Sänger der verschiedenen Gesangsiustitute. Ein Gebet des Großrabbinen Ullmann schloß hier die Zeremonie. Unter den Schülern Halevy's, die in dem Lehrer auch ihren Wohl-

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