Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 14 (4.4.1862)
- Date
- 1862-04-04
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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119 vorhanden ist, das zu dieser oder jener Qualität, Quantitat, Form und Zeitfolge zwingt, sondern bei jedem Dinge, von dem was eS ist und wie cS ist, immer auch daS diametrale Gegentheil möglich wäre. Woher kommt es nun, das; bei dieser schrankenlosen Möglichkeit des Gegentheils dennoch Alles und Jedes in einer bestimmten Art und Weise wahrgcnommcn wird? Woher kommt cS — um hier Ein Beispiel anznführcn — so fragten die Anhänger dieser Schule, die bunte Farbenpracht der Blumen betrachtend, daß die eine Rose roth und die andere gelb wird, da doch der Boden derselbe und das Wasser dasselbe ist? ES sührt dies nothwendig zu dem Schluffe, daß eS ein bestimmendes, frei wählendes Wesen geben müsse, dem unter den vielen Möglichkeiten immer die eine beliebte. Nun ist es aber ganz gleich, ob wir dieses Wesen ein best imm e n d e s oder ein schassendes, d. h. ein aus dem Nichts zum Sein hervorrufendes Wesen, nennen. III. Wir führen hier noch folgendes, theilweise mit dem frühen! zusammenhängendes Argument an, darin sich aber ein sogenannter Zweidentigkeitöschlnß (sophisma amphiboliae) eingeschlichen hat. Maim. nennt diesen Beweis das Argument ״von der Bevorzugung des Daseins vor dem Nichtsein." Der Kelam geht hier wieder von einer aristotelischen Prämisse aus. Jedes Ding, dessen Sein von einer außer demselben befindlichen Ursache abhängig ist, heißt ein nur möglich Seiendes (אפשר המציאות). Daher ist, selbst bei Annahme der Weltewigkeit, weil aber die Welt doch jedenfalls in Gott ihre Ursache hat, die Welt nur von möglicher Existenz, während hingegen Gott, unabhängig von jeder außer ihm befindlicher Ursache, allein absolut nothwendig ist. — Ist mm, so folgert hieraus der Kelam, das Dasein der Welt nur ein mögliches, so fragt es sich: Warum ist die Welt, da sie doch ebenso gut hätte nicht sein können? Ein Beweis, daß ein Wesen sein müsse, das dem Dasein der Welt vor dem Nichtsein den Vorzug gegeben. Man sieht aber, daß hier der Begriff des Möglichseienden nicht in dem Sinne genommen wird, als ihn die aristotelische Schule, von der in diesem Argumente anfangs auögegangen wird, auffaßt; denn bei dem VeweiSführer heißt die Welt möglich, weil sie sowohl sein als nicht sein kann; im aristotelischen Sinn jedoch ist daö ewige Sein der Welt, als mit dem Dasein Gottes verbunden, wohl ein nothwendiges, und heißt nur in Ansehung ihrer selbst, weil von einer außer ihr befindlichen Ursache bedingt, möglichfeint». Nennen wir nun die erste Art Möglichkeit eine logische, und die zweite Art eine metaphysische, so wird sich das angeführte Argument in folgender Weise als zweideutigkeitsschluß (fallacia a diclo seeundum quid ad dietum simpliciter) Herausstellen: Alles (in logischem Sinne) Mögliche muß aus dem Nichtsein ins Dasein gerufen worden sein. Nun ist die Welt (in metaphisischem Sinne) möglich: Also ist die Welt ans dem Nichtsein ins Dasein gernfen worden. — Uebrigenö würde durch die Argumente II. und III. bloS die aristotelische Weltewigkeit, nicht aber die platonische ewige Hyle widerlegt sein. n m € r Jt u 11 0 c n. ') Auch der Alcrandrier Johannes FilvponnS tim Anfang des VII. Jahrhunderts) hat eine Widerlegung gegen diese Antithesen des Prvklnö geschrieben. ') Brgl. Jntrodnction zu More Th. II.. Prämisse 18: כל מה שיצא מן הכה אל הפועל מוציאו זולתו והוא חוץ ממנו בהכרה. ף More II., 14 fügt crleutcrnd hinzu: ויו עניין אשר ישבתו אריסמו תמיר ויאמר :המבע הכם ולא יעשה דבר לבמלה Maim. bezieht sich ans folgende Stelle, de part. Animaliuin I. cap. 1: o >>,׳<-״ ■/.cu /)' tfvtit!; ovihr /i/.ti/v 7T010V61. Anch Jelmda Ha-Levi hat wahrscheinlich diese Stelle im Auge, wenn er Kasan V., >2, sagt: והחכמה לא התן דבר להבל וריק• — Andere zöge» von de!- Natnr eine Analogie ans die Bibel. Brgl. זכות אדם הראשון ‘D (in der von JUlinek cdirken Derascha des Nachniani, Anhang S. 40): הטבע לא יפעל בטל, אף כי הדבוד המקודש. H'memdeuni) fHar)f)ü1uLs-־ilngcfep11ljcitc11. 11. Das mährische ^cmdrabbmat. Die Landrabbinerfrage säugt an, eine brennende, nicht mehr zu beseitigende zu werden. Sie ersuchten mich einmal, meine Ansicht über dieses Thema ausgesprochen. Ich that eS nicht, so sehr ich jedem Ihrer Wünsche gerne entspreche, um nicht in dieses Vespenncst zu stechen. Da mir aber von wohlunterrichteten, geachteten, vertretenden Kreisen ein, meine vollste Achtung abgewinnendeS Ansuchen zukam, mein Gutachten nicht vorznenthalten, so konnte ich nicht mehr umhin. Mähren bedarf in der That ein tüchtiges Organ nach außen und nach innen, was ein vktroirteS Provisorium bei dem besten Willen und der nnbezweifeltsten Thätigkeit unmöglich sein kann. Die Lehre Israels hatte einst in Mähren die er- und intensivste materielle und geistige Pflege, nun steht sie verwaist da. Warum? die jüugere Welt hat kein Wohlgefallen mehr an Pilpul und an zusammengewürfelten Dezisioneu ohne wissenschaftlichen Unterbau, die philonischen Ausstaffirnugen des Beer-Heteb gehören auf den Tisch der Jungfrauen, die studierende Ingend will Ernst, will Wissenschaft, Geschichte, dafür ist in Mähren nicht gesorgt. Mähren hat wohl tüchtige Rabbiner, viele haben einen ehrenvollen Klang in der Literatur, aber es fehlt ihnen an Muße, tüchtige Kandidaten heranzubilden. Heut zu Tage liegen Schde, Gemeindeanstalten auf deö Rabbiners Schulter, er muß der Kanzel Rechnung lragen, er hat mit den Ämtern zu thun, er muß Privatver-