Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 14 (4.4.1862)
- Date
- 1862-04-04
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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118 heute nicht bestehen; ober endlich ihr Enstehen war ein mögliches —; ein Sein der Möglichkeit nach setzt jedoch immer ein Substrat voraus, von dem die Möglichkeit getragen wird. Es mußte also mindestens dieses Substrat ein ewiges sein. II. Ontologische Beweise: a) Hätte Gott die Welt in einer gewissen Zeit erschaffen, daun wäre er vor Erschaffung derselben ein Schopfer in potentia gewesen und nach ihrer Erschaffung erst ein Schöpfer in actu geworden — Gott nnirc mithin durch den SchöpfuugSakt aus der Möglichkeit in die Wirklichkeit getreten, was sich jedoch mit dem eigentlichen Gottesbegriff durchaus uicht verträgt, da bei Gott, als einem 611s a sc oder causa sui (ביהוייב מציאית) arab. ואגב ארוגוד), von einem Uebergehen aus der Möglikeit zur Wirklichkeit unmöglich die Rede fein kann. ") 1>) Wäre die Welt in einem bestimten Zeitpunkte erschaffen worden, dann hätte nur entweder ein Zufall stattfinden müssen, der plötzlich in Gott den Willen angeregt, das Universum inS Dasein zu rufen, nachdem er es früher nicht gewollt, oder Gott hätte dies früher nicht gekonnt, weil ihm irgend ein Hindernis; im Wege stand, das zuerst beseitigt werden mußte. Da aber bei Gott weder an eine Willensänderung, noch an eine Verhinderung zu denken ist — so bliebe die Frage, warum Gott in einer bestimmten Zeit und nicht schon früher die Welt erschaffen? c) Die vorhandene Welt ist in allen Beziehungen in höchstem Grade vollkommen weil sie das Produkt der göttlichen Weisheit ist. a) Da aber die göttliche Weisheit als identisch mit dem Wesen Gottes, ewig ist, also muß auch das Produkt derselben, die vorhandene Welt, ewig sein. — Prokluö (bei Scharastani I. c. S. 201) hat dieses Argument in folgender Weise: ״Die Welt ist von schöner Anordnung und vollkommener Einrichtung und ihr Schöpfer ist allgütig; das Gute und das Schöne zerstört nicht, sondern nur Böses; der Schöpf, r ist aber nicht böse, und außer ihm hat Keiner Macht über die Zerstörung der Welt — also wird sie niemals zerstört, und waS niemals zerstört wird, ist ewig." ei) Auch wäre eS höchst sonderbar, anzunehmen, daß Gott die ganze Ewigkeil hindurch, bis zu dem Momente der Weltschöpfung, müssig geblieben sein sollte, ohne irgend waö zu wirken, bis dann plötzlich seine Schöpferkraft erwacht! Wir bemerken hier gelegentlich, daß Cicero (Oe nat. 1)601°. I., 9) dem Epikuräer Vellejus dieselbe Frage in den Mund legt: Ab utroque auteni sciscitor, cur muiuli aedificatorcs rezente exstitcrint, innumcrabilia saccula dormierint? ... . Isto igitur tarn imincnso spatio, quacro ßalbe, cur Pro 110ca vestra ccssaveritV Unstreitig wahr ist es nun, daß der kelamifrischen Filosofie das Verdienst gcbört, zuerst gegen diese Argumente spekulativ aufgetreten zu sein, und theilö auf sclbstgeschaffenen, theils auf aristotelischen Prämissen gestützt-—also mit den aus dem feindlichen Lager selber geholten Waffen, den Feind rüstig angegriffen und einerseits die U n m ö glichkcit einer Weltewigkeit, andrerseits die Roth- Wendigkeit einer Weltschöpfung demonstrirt zu haben. Und da der Kclam auf viele hervorragende Geister der arabisch-jüdischen Periode den mächtigsten Einfluß ausübte, so daß dem islamitischen Kelam bald ein vom jüdischen Geiste getragener sich nachbildete, und Al-Masu<li aus seiner persönlichen Bekanntschaft eine ganze Reihe jüdischer Mutakallinuitt aufzählt, darum gebührt hier vor Allem der kelamistischen Beweisführung unser Augenmerk. Jehuda Ha-Levi (1. c. V. 18) und noch viel eingehender Maimuni (1. c. I., 74) haben die Beweise der Mutakallimun für die Schöpfung ans Nichts zusainmengestellt. Wir heben hier ihre wichtigsten Argumente hervor. I. Schon die peripatetische Filosofie batte den Lehrsatz ansgestellt: Keiner Größe, sie mag stettg oder unstetig sein, könne Unendlichkeit zngeschrieben werden; und ebenso könne es auch keine Ursachen von unendlicher Anzahl geben, d. i. eine unendliche Reihe von körperlichen oder geistigen Dingen, die sich wie Ursache und Folge gegenseitig bedingen (Vrgl. Arist. riiys. III. 4—8; Metaphys. II., 2). So weit gehen Kelam und AristotelismuS einen Weg; doch von da weiter gehen die beiten Richtungen divergirend auö einander. Nach letzterem uemlich hat dieser Lehrsatz nur Anwendung auf Dinge, die gleichzeitig, das'ist neben einander bestehen, nicht aber auf solche, die nach einander kommen, und zwar nicht wie Ursache und Folge, sondern per accidcus auf einander folgen. Darum kann die Zeit als unendliche Größe gedacht werden, da die Zeittheile nicht wie Ursache und Folge, sondern nur per Accidens nach einander kommen. — Der Kelam jedoch gibt selbst in diesein Falle keine unendliche Größe zu: Nicht nur Diuge, die propter 110c, sondern selbst solche, die post 110c kommen, können nicht unendlich sein. — Auf diese Prämisse gestützt wird dann die Theorie der Welteivigkeit unter verschiedenen Formen widerlegt. II. Ein in dieser Schule sehr geachtetes Argument für die Anfänglichkeit der Welt ist der sogenannte ״Beweis von der Bestimmung" (דרך התיהד, im arab. Original אלתבציץ). ES war uemlich eine Eigenthümlichkeit der kelamistischen Filosofie, das sie keine Naturgesetze anerkenneu wollte, sondern ein ganz schrankenloses Möglichkeitprinzip anfstellte. ״Was nur immer die Einbildungskraft sich vorstelleu kann, das muß auch der Verstand für möglich anerkennenindem nirgend ein inneres nöthigendes Gesetz