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Ben Chananja · 1862-03-28 · 13 (28.3.1862) · p. Seite 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
13 (28.3.1862)
Date
1862-03-28
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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113 in den bezeichnten Büchern solches gefunden würde, man sie dem Feuer weihen sollte. Nachdem also mit königlichem Gutheißen alle Bücher des Talmud im ganzen Frankreich gesammelt und nach Paris geschafft worden waren, wurden an einem einzigen Tage gegen 14 und ein andermal 6 Wagen v e r b r a n n t. Nach pag. 153 desselben Werkes lautet die famose Enthüllung dieses zelotischen Meschumad: Die Juden, mit dem alten Gesetze, welches Gott durch MoseS schriftlich gegeben, nicht zufrieden, vielmehr dasselbe gänzlich bei Seite legend, behaupten, Gott habe ein anderes Gesetz, welches Talmud d. i. Lehre genannt wird, gegeben, und sie sagen, es sei dem Moses mündlich überliefert und ihrem Herzen eingeprägt, solange ohne Aufzeichnung bewahrt worden, bis einige kamen, die sie Weise und Schriftgelehrte nennen. Diese haben dasselbe, damit es nicht durch Vergessenheit den Herzen der Menschen entschwände, in ein Buch gebracht, dessen Umfang den Tert der Bibel ungeheuerlich übersteigt. Darin sind so viele Mißbräuche und so viele Scheußlichfeiten enthalten, daß eS die Erzähler mit Scham, die Hörer mit Schauder erfüllen muß. Und dies sei die Haupt- Ursache, welche die Juden in ihrer Treulosigkeit verstockt erhält. Korrespondenz. Ausland. Pariser Mittheilnngen. Von KatharoS. I. Wenn Sie durchaus daraus bestehen, Ihnen hiesige Zustände zn beschrieben, so muß ich gehorchen. Leicht ist die Sache durchaus nicht. Paris, das jeden Tag, ja jede Stude neue Gelegenheiten bietet, die Colonnen mehrer Journale ansznfüllen; wenn man hier bei jedem Schritte ans Geschichte tritt, wenn man beim Anblicke jedes GeschäftöladenS die Studien der Mode befördern kann; wenn endlich jeder Einzelne in Paris mit Leichtigkeit die Elemente findet, durch ein Amalgam einen Zeitungsartikel zusammenzustellcn, so ist dies durchaus nicht der Fall für einen Eorres- Pondenten über hiesige jüdische Angelegenheiten. Ein Deputirter in der hiesigen Kammer, Herr KönigSwarter, Israelit, sagte mit Recht, in der Kammer gebe es nur Franzosen, und nicht Katholiken, Protestanten oder Juden. Ein schönes und wahres Wort! Wollte Gott, man hörte schon solche Phrasen der Donau entlang aussprechen. Die hiesigen Juden sind Staatsbürger; ihre Beamteten sind vom Staate bezahlt, und ihre Bethhänscr von demselben unterhalten. Es ist also selbstverständlich, daß alles hier seinen regelmäßigen administrativen Gang hat. Diesen zn beschreiben, ist die Sache einiger Zeilen, und überhaupt können Sie dies in den jüdisch-französischen Journalen lesen. Die Unknude der französischen Sprache kann ich nicht als Vorwand annehmen, aus mehreren Gründen: 1) Welcher Mensch wird offen gestehen nicht französisch zu kennen , das wäre doch mehr Verbrechen als seine Muttersprache nicht zu wissen. 2) Wer will heute deutsche Artikel lesen ohne französisch zu kennen; die Hülste dieser Aufsähe besteht ja aus fremden Wörtern. 3) Seitdem deutsch-jüdische Blätter französische Noten machen, wie wollen Sie sich der Kenntniß dieser Sprache entheben? Sie lesen gewiß den MaS.kir, nun da finden Sic S. 124 eine französische Note vom Rcdacteur, worin behauptet wird, daß ein und dasselbe Manuscript sich zugleicher Zeit in einer italienischeu und in der Orfordcr Bibliothek befindet; das würden die Physiker die llbiquität einer Sache nennen. Um Ihnen das Nachschlagen zu ersparen, will ich Ihnen ungefähr die Stelle andcuten. Prof. Luzzato gibt einen Sidnr R. Amrami als vorhanden in der Almanzischcn Bibliothck an; darauf bemerkt aber v. sehr genaue Rcdacteur 661111-61״ se trouve aussi ä Oxford,״ was man nicht anders verstehen kann als das dasselbe Ercmplar auch in Orford ist, sonst müßte es wohl heißen ״nn untre exewplaire de eet ouvrage 86 trouve ete." — Um nun wieder zurückzukommen: Sie können also alles in den hiesigen jüdischen Zeitungen lesen; cö bleibt nur übrig über den inner« Vorgang in den Synagogen wie über die Wirksamkeit der Rabbiner zu sprechen; denn hier können Sic mit Recht den hiesigen Organen kein Zutrauen schenken. Ein Sprichwort sagt Chaeun precho pour son samt, und Sic werden später aus meinem Mittheilnngen ersehen, wie dies in der That hier befolgt wird. —- Ich soll Ihnen aber die Wahrheit sagen, welch riesenhafte Last Sic mir aufgcladen. Wer weiß ob ich fähig genug bin zu nrtheilen, und mir ist cö, als wenn jemand zn einem Maler sagen würde, wenn cs auch lauter Schatten ist, doch will ich das Bild haben. — Erlauben Sic mir das einzige, mich etwas frei in meinen Mitthcilungcn zu bewegen; ich meine nicht nur die Freiheit mein Urtheil ausznsprcchcn, sondern auch die der Form, nicht immer bei ein und derselben Sache bleiben zn müssen, denn Ordnung ist etwas peinliches für mich. — So fange ich nun an. Ihnen meine Meinung über einen Aufsatz in der Verite israelite, überschricbeu une!aeune dans la presse israelite von L. Wogue Professor am hiesigen jüdischen Scminär zu sagen. Dieser Aufsatz hat znm Zwecke darauf aufmerksam zu machen, daß in Frankreich ein jüdisches Jahrbuch wünsche,iSwcrth wäre, wie dies schon längst die Juden in Deutschland besitzen. Hier ist als Muster das Klein'S, Licbcrmann'S erwähnt, und das von Wertheimer, welches doch eines der Besten ist, ganz vergessen. Der Verfasser beklagt sich, daß die Deutschen so verächtlich von den französischen Literaten sprechen: er meint ״jeder Rabbiner in Deutschland hält sich für einen Coloss, jedes Seminär für ein Pandemonium von Gelehrten, jeder Prediger ist ein Bossnet, jeder Schmierer betrachtet sich als ein Adler, und jedes Werk (elneubration) betrachtet mau als ein Meisterwerk .... Dies macht die deutsche Presse seufze», weil jeder schreibt, was er träumt; man bläst sich mit Dissertationen auf, macht lange Memoircs, man wühlt sich in Perioden, und, mein Freund Leser, Gott bewahre dich vor dcutscheu periodischen Schriften! ״ferner:" die deutschen besitzen ein schönes Wort s ch r e i b sc l i g ״heureux d ecrire;״ ist man auch glücklich es zu lesen? nicht immer, aber um das kümmern sie sich wenig. Bevor ich fortfahre, oder vielmehr bevor ich mich über diesen Aufsatz ausspreche, muß ich einige Worte über den Verfasser sagen, um so mehr da ich die Ehre habe mit demselben in freundschaftlicher Beziehung zu siehen; was aber durchaus nicht sagen will, daß ich meinen braven deutschen Träumer nicht in Schutz nehmen wolle. Erlauben Sie jedoch daß ich Sie um Aufschub für die Fortsetzung bitte. y Odessa, 20. März. Dr. A. I. Goldenblum, Gründer und Leiter der ersten Sabbatschnle hat so eben den drilten Jahresbericht über diese Anstalt veröffentlicht. Folgende Notizen dürften für Ihre Leser von Interesse sein: Der Uiuerricht findet drei Mal wöchentlich statt: Sonnabend, Dienstag und Donnerstag. Unterrichtsgegenstände: Religion, Russisch, Deutsch, Rechnen. Schönschreiben. Der Unterricht wird unentgeltlich erthcilt, auch Schulbücher und Schreibmaterialien erhalte» die Schüler gratis. Den Unterricht ertheilteu: Dr. Golden-

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