Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-03-28 · 13 (28.3.1862) · p. Seite 111

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
13 (28.3.1862)
Date
1862-03-28
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542985--2540-2546330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

1 für e r sch affen?" — Und an den gerade anwesenden Forscher Ibn-Tofai'l gewandt, setzte der König sodann die verschiedensten Ansichten über diese Frage anseinander, vorzüglich die Theorieen des Plato und Aristoteles, sowie die Gegenargumente der Mnselmänner. 3) An diese beiden Führer der alten hellenischen Filososic, ans die nicht nur ihre Zeitgenossen, sondern auch noch das ganze Mittelalter die Blicke gerichtet — an Plato und Aristoteles würde nemlich in dieser Frage immer angeknüpft. Für die gcsammte hellenische, vorwie nachsokratische Filososie war die Theorie einer Schöpfung ans Nichts 0'§ ovx onmr) etwas ganz Undenkbares. Ans Nichts wird Nichts — wie hatte nun daö große unermeßliche All anS dem absoluten Nichts hervorgehen können? 4) Die platonische Filososie setzte daher eine ewige, nnentstandene Urmaterie, aus welcher dann der Deminrgos die Welt bildete המר אהד נמצא קדמון כקדמות אלוה והוא לו על דרך משל כחומר ליוצר או הברזל לנסח — wie Maimnni sich hierüber ausdrückt). Im Timäns nämlich, wo Plato die Sinnenwelt nach dem Muster der Ideen durch den Weltschöpfer gebildet werden läßt, legt er dieser weltbildnerischen Thätigkeit deö Deminrg ein Etwas zu Grund, das geschickt sei, daö Bild der Ideen in sich aufzunehmen. Dieses Etwas vergleicht er mit der Materie, welche von den Handwerkern vennbeitet wird (woher der spätere Name Hyle); er nennt eS ein völlig Unbestimmtes und Formloses, welches aber allerlei Formen in sich abbilden kann, ein Etwas, daö schwer zu bezeichnen ist und auch von Plato nicht genau bezeichnet werden will. — Und eö entsteht da auch mit Recht der Zweifel, ob die platonische Hyle nicht bloö als filosofischer Mythos, als Anthropomorphismus zu nehmen sei, wodurch das Uebersiunliche versinnlicht und dem endlichen Verstände näher gebracht werden solle. — 3) Indessen haben die jüdisch arabischen Schulen, ebenso wie noch immer die Meisten von den neuern Geschichtschreibern der Filososie, nach Vorgang deö Aristoteles, die platonische Hyle immer für wirkliche Materie genommen. Dagegen erklärte die aristotelische Schule das ganze Universum, wie eö heute besteht, für unentstanden, indem die Kreisbewegung des Himmels und demgemäß auch die Zeit ewig ist, und ebenso auch in der snblunarischen Welt nur die Formen wechseln, das Ganze jedoch nach einer ewigen, unabänderlichen Nothwendigkeit, wie Gott selber, vorhanden ist und ewig vorhanden bleiben wird. — Die Hauptquellen für diesen aristotelischen Lehrsatz finden sich: (16 60610 1., 10. 11. 12, und Phys. II. 6—9. Indessen wird dennoch 1)6 mundo cap. 2, ein Gott als Schopfer und Urheber zugegeben, indem dort!>as Universum ״eine von Gott herrührende und durch ihn bewachte Ord- 1 nung und Zurechtstellung aller Din.,, ^,...annl w oXcop r«£*<; rs xru dinxofffirjtng vno Ofoi! 7k xcti Öiti qvlnrTofisvT}). — Und dies spricht auch in der That für du Ansicht des Maimuni, daß Aristoteles selber nicht mit voller Bestimmtheit den Lehrsatz der Weltewigkeit aufstellte, indem er seine Argumente nicht für apodiktisch hielt, sondern bloß für einleuchtender und stichhaltiger als die Argumente der gegnerischen Ansicht; erst die späteren Nachtretet* des Stagiriten, vorzüglich Abu-Nasar Al-charabi, haben die Frage für entschieden und die Beweise für die Weltewigkeit als vollkommen überzeugend und unumstößlich׳ gehalten. ") — Ebenso läßt auch Jehuda Halevi den Aristoteles nur zweifeln, nicht aber etwas Bestimmtes aussprecheu: ״Er (Aristot.) marterte seinen Verstand und sein Denken ab, weil ihm eine Tradltion fehlte, auf der er fußen konnte. Als er daher über Anfang und Ende der Welt nachdachte, war es ihm ebenso schwer, eine Erschaffung wie eine Ewigkeit der Welt anzunehmen." ד) Die nun allgemein so genannte aristotelische Lehre von der Weltewigkeit verträgt sich durchaus mit den Lehrsähen des Jndenthums nicht, und läßt sich da keineswegs irgendwelche Vermittlung oder Aussöhnung zu Stande bringen; denn nach der Theorie, daß die Welt unentstanden und anfangöloö wie Gott selbst, nach ewigen Gesetzen der Nothwendigkeit eristirt, stellt sich ein dreifach antijüdisches Resultat heraus (vrgl. Ikkarim I. 12): I. Wird dadurch Gott die Macht abgesprochen, auf die Natur verändernd oder umgestaltend einzuwirken, und hiemit wird ein Hanptnerv des Judenthumeö, das die unbegrenzte Allmacht Gottes lehrt, unterbunden. II. Kann der Glaube an die Wunder der Bibel nicht fortbestehen, denn nach der Lehre, daß das Universum ewig wie Gott selbst, an absolut nothwendige Naturgesetze geknüpft ist, sind Wunder, als Abänderungen dieser Naturgesetze, etwas ganz Undenkbares. Endlich III. wären Persönlichkeiten, die das Niveau alles Natürlichen überragen, wie Moses und Messias, ganz unmöglich. Doch mit der platonischen Lehre von der unerschaffeneu Urmaterie ließe sich freilich der Glaube an die biblischen Wunder immerhin vereinen, da jene ׳Wunder kein Entstehen ans dem absoluten Nichts, sondern blos die Veränderung eines bereits Seienden voraussetzen. Und wirklich sagt der Verfasser des Kusari (I., 67): ״Wenn ein Anhänger der Bibel sich genöthigt sehen würde, die Ewigkeit eines Urftoffes anzunehmen, so würde dieses seinem Glauben keinen Eintrag thun — denn er kann immerhin glauben, daß die Welt zu einer bestimmten Zeit erschaffen worden und daß die ersten Menschen Adam und Eva waren."—Der Verlauf unserer Abhandlung wird übrigens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.