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Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 105 (sequence 13)
Language
German
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105 ves Organ kam ihm dabei vortrefflich zu Statten. D.'s Derascha'ö waren streng orthodor, und wie wohl er die Ausdrücke ״a priori" und ״a posteriori" und andere der Filosofie entnommene Termen in seinen Borträgen gebrauchte, so verschmähte er es doch andererseits nicht, sich auch einiger kabbalistischer Marotten zu bedienen. Aber in Ansehung des Vortrages war Deutschmann in Mähren ebenso banhnbrechend, wie in Rücksicht auf seine äußere Erscheinung und seines seinen weltmännischen Benehmens." Diese Schilderung paßt auch für sein späteres Alter, wo wir Gelegenheit hatten, zu seinen Schülern zu gehören. Seine Strafpredigten in der Bußezeit waren von außerordentlicher Wirkung, welche jedoch im vorgerückten Alter zuweilen durch Wiederholung des schon Gesagten bedeutend geschwächt wurde. Er verschmähte aber auch die zu jener Zeit üblichen Knalleffekte nicht; am Kolnidre-Abend pflegte er des Aron Ha-Kodesch nach gehöriger Vorbereitung in dem passenden Augenblicke ״aufzureißen", um die h. Thora wegen der ihr zugesügren Unbill abzubitten. Von N. Nathan Adler hatte D. ebenfalls einige Manieren angenommen, was namentlich am Simchat-Thora, oder wenn er an den hohen Festen als Vorbeter fuugirte, nicht zu verkennen war. Acht Jahre bekleidete er das Rabbiuat zu Gewitsch, bis er 1820 (im März) daö Rabbiuat zu Trebitsch antrat. Sein Nus war in Mähren so gegründet und seine Person so beliebt, daß seine Uebersiedlung fast einem Trinmfzuge glich. Am liebsten erinnerte er sich au eine Ovation, die ihm in Czernahora gebracht wurde. Der dortige ״Bestandmann" — so nannte man den Pächter obrigkeitlicher Regalien — S a m u e l M a y e r *j, gewöhnlich R. Simel Czerna- Hora genannt, war der Sohn des Vorgängers D.'s, N. Mair Löb's in Horschitz, dessen Schulgenosse auf der Prager Jeschiba, und der von R. Ezechiel Landau erkorne Schwiegersohn N. Perez Berisch'ö in Lettowitz, in dessen Hause D. mit seinem flüchtigen Lehrer Adler einige angenehme Wochen verlebt hatte. Samuel Mayer, ein reicher Lamdan, der auch Zeitttugen las und sogar französich verstand, wurde in der ganzen Umgegend hochverehrt, und auf seine Einladung fanden sich zahlreiche Gäste ein, die dem Rabbi eine Strecke Weges entgegeufuhren, einem glänzenden Diner beiwohnten, sich an D's instruktiver Unter- Haltung ergözten, und ihm dann das Geleite gaben. Die Gemeinde zu Trebitsch, eine der wohlhabendsten und intelligentesten, verschaffte ihrem neuen Rabbiner eine sehr angenehme Eristenz. Einen sehr schweren, zum Theil unersetzten Verlust erlitt er daselbst durch eine furchtbare Feueröbrunst, welche ihn fast aller seiner Habseligkeiten, seiner bedeutenden Bibliothek und seiner eigenen halachischen und haggadischen Manuskripte beraubte. Unsäglichen Kummer berettete ihm die Verfolgung Löw Schwab's, seines trefflichsteu und geliebtesteu Schülers (1821). D. hatte denselbem einige Jahre vorher dem LandeSrabbiner Benedikt in den Kurorte Lohatschowitz vorgestellt, und Schwab war von demselben mit Lobeserhebungen überhäuft worden. Durch die Verläumdungen, mit denen einige Fanatiker gegen Schw. ausgetreten waren, wurde aber der LandeSrabbiner schwankend gemacht, und verweigerte demselben die Hattara. D's wiederholte und nachdrückliche Vorstellungen trugen nicht wenig dazu bei, den Landesrabbiner milder zu stimmen. Die Bestätigung Schwab's zu seinem Nachfolger in Gewitsch war für D. eine Triumf, dessen er sich aus gauzem Herzen freute. Die in dieser Angelegenheit gepflogene Korrespondenz gab er seinen vertrauten Schülern gerne zu lesen. Die Briefe D.'s an den Landesrabbiner und die Schwab's au crstern wären noch jetzt der Veröffentlichung würdig. 7. Das Kol litt er Nabbinat. Deut sch man ns Tod. ושכבתי עם אבותי. ES gehört zu den beachtenswerthen Erscheinungen des früher» jüd. Lebens, daß die jüd. Einwohner verschiedener Länder gewisse Vorurtheile gegen einander hegten. Der Stolz der Spanischen Juden gegen ihre Brüder in anderen Ländern ist bekannt. Das Spottlied eines mittelalterlichen hebr. Dichters über die Juden am Rhein hat Geiger veröffentlicht (M. Hofn. S. 51—53; 102. 103. d. deutsch. Uebers.). R. Salomo Loria wirft den deutschen Juden Larheit in der Beobachtung der Speisegesetze vor. Hier haben wir besonders die Gesinnungen hervorzuheben, welche die Böhmischen und Mährischen Juden gegen einander hegten. Die gefällige und einschmeichelnde Höflichkeit der ersteren wurde von den letzteren als Falschheit und Gleißuerei angesehen; אשר פיהם דבר שוא war ein Sprichwort, womit zugleich die dialektische Eigenthümlichkeit der Böhmischen Juden, welche das e wie ein langes i aussprachen, gegeißelt werden sollte. Die böhmische Antwort auf daS mährische Sprichwort lautete: }כל כירעין בישי! Deutschmann war über die provinziellen Vorurtheile erhaben, und er hatte in Mähren sogar den böhmischen Ftazismus abgelegt. Nichts destoweniger hegte er den stillen Wunsch, nach Böhmeu zurück- .zukehren. Dieser Wunsch wurde in Trebitsch desto lebhafter, je peinlicher es ihn berührte, als ein dortiger verworfener Maßur sichs zur Aufgabe gemacht hatte, die Ehepaare, die ohne politische» Ehekonsenö geheuratet hatten, bei den Behörden zu denunzireu. Im vorgerückten Alter sollte dem Wunsche D.'s Erfüllung werden. Schreiber dieser Zeilen hat den nun zu *) Dcr Großvater d. Ned. d. Bl.

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