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Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 104 (sequence 12)
Language
German
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104 res begleitete er seinen Schwiegervater nach Prag, wo ihm der Besuch seines Lehrers, — von dem er eine in sehr rühmenden Ansdrücken abgefaßte Hattara erhielt, — und seiner alten Freunde genußreiche Stunden gewahrte. Die kleinen Geschäfte, welche seine Frau in Nenhaus unternahm, reichten indeß trotz der Unterstützung des Vaters nicht hin, des HauseS Bedürfnisse zu decken. Der Wunsch nach einem Wirkungskreise trat also immer mehr in den Vordergrund. 6.. D i e A m t ö j a h r e z u H o r s ch i tz, G e w i t s ch und T r e b i r s ch. לוקח נפשות הכס. Im Jahre!794 wurde dieser Wunsch erfüllt, Deutschmann erhielt eine Bokation nach Horschitz. Achtzehn Jahre bekleidete er dieses Nabbinat, geliebt und verehrt von seiner Gemeinde und fast allen jüdischen Einwohnern der dortigen Gegend. Aber die kleine Minorität, die gegen ihn eingenommen war, verleitete ihm seine Stellung, wiewohl sie thätlich nichts gegen ihn unternahm. Bekanntlich siel in jene Zeit die Blüthe des ״SchebseuthnmS" (Sabbathärthnms) in Böhmen. Das Prager Nabbinat eiferte mit rücksichtsloser Heftigkeit gegen die kabbalistischen Reformer. Besonders heftige KvntroverSpredigten hielt R. E l e a; a r Fleckel es. Eine dieser Predigten, welche 1800 unter dem Titel ״Ahabat David" erschien, enthält vielleicht alle Schimpf- Wörter, welche die rabbinische Sprache besitzt. Dieser Predigt, deren Herausgabe besonders durch den ״rothen Brief" der Frankianer in Offenbach (Peter Beer'ö Sekten, 2, 329 ff.) veranlaßt wurde, ist ein Schreiben von Hartwig Wessely an einen seiner Freunde in Prag beigedruckt. Dieses vom 3. Sept.!792 datirte Schreiben enthält folgende, wenig bekannte Stelle: ״Wie ich bemerke, ist Ihnen sowohl als Ihrem Hrn Schwiegervater mein Jüngstes über die Ge- Heimnisse der Kabbala ausgefallen, indem sie sich nicht vorgestellt haben, von mir solche Äußerungen zu vernehmen. Es ist mir nicht unbekannt, daß es einem Jeglichen so gehen muß, der sich über derlei göttliche Gegenstände der Schwärmerei ergibt und keine Frage und Einwendung beachten will. Ich denke ganz anders. Wenn Jemand zu mir sagt: ich glaube nicht an den Sohar und viel weniger an die Kabbala Loria'S, ich glaube aber an den Gott Israels, und beobachte dessen Gebote aus Liebe und Ehrfurcht, so ist derselbe, vorausgesetzt daß er die Wahrheit spricht, ein Frommer Israels und ein Liebling des Höchsten. R. Jonathan Eybeschitz sagte einst, als er beinerkte, daß seine kabbalistischen Äußerungen seinen Zuhörern nicht einleuchten, zu denselben: ״Wenn ihr daran nicht glaubet, so hat dies nichts zn bedeuten; denn diese Dinge gehören nicht zum Wesen uilserer Religion." Dies habe ich in meiner Jugend, so wahr ich j lebe, selbst von ihm gehört." In dem Munde R. Jonathan'S, der selbst Amulette vertheilte, ist diese Äußerung wirklich auffallend, und R. Eleazar entschloß sich gewiß nicht ohne Widerstreben dazu, den bei der Orthodorie so so sehr diskreditirten Wessely als Gewährsmann anzuführen. Gegen die verhaßten Sabbathäer war jedoch auch Wessely ein willkommener Sukkurs. Die Attstrengungen der Rabbiner blieben bekanntlich ohne Erfolg. Der Sabbathäiömns wucherte im Stillen fort, und wurde erst durch die von den Rabbinen bekämpfte fortschreitende Bildung vollkommen überwunden. In der Horschitzer Gegend waren nun enige Familien, welche des Kryptosabbathäismus verdächtiget wurden. Ein sehr unterrichteter und )vohlhabeuder Mann in Gitschin, Namens Mendel, galt für deren Oberhaupt. Man wußte hiefür durchaus keine Beweise anzuführen, da die angeblichen Sabbathäer in keinerlei Beziehung Anstoß geben. Aber die Verdächtigung war einmal vorhanden. Deutschmann pflegte nun allerdings in seinen Predigten gegen die Sabbathäer loszuziehen, aber die Verdächtigten gehörten zu seinen eifrigsteil Verehreren, und er nahm Besuche von ihnen au. In Prag, wo man ihn seit seiner Jugend kannte und liebte, blieb er nach wie vor sehr geachtet; aber der Kolliner Rabbiner, ,Wolf Boskovitz, Sohn des oben genannten Samuel Ha-Levi, ließ ihn, als er denselben besuchen wollte, wirklich nicht vor, indem er die Worte ausrief: מנידה לרב מנודה לתלמיד! Unter diesen Umständen war ihm der 1812 erfolgte Ruf nach Gewitsch in Mähren sehr willkommen. Im September d. I. wurde er daselbst installirt. R. Markus Benedikt, der mährische Landeörabbiner, erließ dem von R. Ezechiel Landau autorisiten Gewitscher Rabbiner die nach mährischem Branche erforderliche Prüfung, und das Ansinnen einiger Gemeindeglieder, sich freiwllig zur Prüfung zu stellen, wies Deutschmann entschieden zurück. Sein, erstes Auftreten in Gewitsch machte einen unbeschreiblichen Eindruck. Ein Augenzeuge erzählte uns hierüber: ״R. Ehajjim war eine hohe imposante Gestallt, seine Gesichtszüge waren voll eiunehmender Milde, seine Augen sprühten Feuer. Bevor er seine erste Derascha begann, nahm er gegen den damaligen Usus den Talith vom Haupte. Während des Vortrages stand er kerzengerade, mit den Händen nach augenblicklicher Eingebung gestikulirend: eine zu jener Zeit in Mähren noch nicht dagewesene Erscheinung! Ein angeborneö Rednertalent ließ ihn die witzigen Points seiner Derascha efektvoll hervorheben, und besonders die unterrichtetern Zuhörer folgten seinem Vortrage mit so lebhaften Kundgedungen ihres Beifalls, daß es den Anschein gewann, als ob ein Theil des Auditoriums mitpredigen würde. Den herkömmlichen elegischen Derascha-Ton stimmte er nur j bei gewissen pathetischen Stellen an, und sein wvhlkiugen-

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