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Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 103 (sequence 11)
Language
German
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neu gab, einen ״feinen" Bachur ״einsctzen", d. h. zum Schwiegersöhne wählen zu wollen. Nach Verlauf einiger Wochen meldeten sich zwei Bachnrim in dem Rosenbaum'schen Hanse; beide waren von Landau angelegentlich empfohlen und als tüchtige Thalmudiste» gepriesen. Nachdem die beiden Heirathökandidaten vierzehn Tage in R.'ö Hanse verlebt hatte», entschied sich die Haustochter für Deutsch mann. Der Genosse desselben kehrte reichlich beschenkt nach Prag zurück; Der Bräutigam wurde, anständig eqnipirt, nach BoSkowitz geschickt, um unter dem weit und breit berühmten R. Samuel Ha-Levi seine Studien fortzusetzen. In Prag hatte die Berliner Schule schon einen kleinen Anhang gewonnen, so daß Rosenbaum, der die dortigen Verhältnisse genau kannte, eS nicht für rathsam hielt, seinen lebhaften und jovialen Eidam dahin zurück zu senden. Zu Boskovitz hatte er unbedingtes Vertrauen, und mit Recht. Führte ja daselbst ein Besuch Chorin'S noch im Jahre 1840 einen förmlichen Kravall herbei! Heutzutage findet der Beobachter auch dort vieles verändert. Der dortige Rabbiner, der z»-׳ gleich prov. Mährischer LandeSrabbiuer ist, fühlt zwar für die hebr. Grammatik keine besondere Vorliebe, aber er hat, wie allgemein versichert wird, sogar den Wieland gelesen! R. Samuel Ha-Levi, (gcb. 1730; gest. 1806), nach seinem Geburtsorte Kollin ״R. Schemuel Köll" genannt, war nicht Rabbiner in Boskovitz. Seine Gattin Esther, die treffliche Tochter des reichen nnd angesehenen David Boskovitz, leitete ein kleines Geschäft, und ihr gelehrter Gatte, ein wahres Muster frommer Demuth und liebevollen Wohlwollens, stand an der Spitze der größten thalm. Hochschule in Mähren. Die Lektionsorduung an derseldeu war folgende: Die ersten drei Vormittage der Woche wurden dem Vortrage eines thalmudischen Traktates, die Mittwoche dem des Orach Chajjim gewidmet, wozu sich auch viele verheirathete, bereits dem Geschäftöleben ungehörige Männer einfanden. Eine Frucht der letzteren Vorlesungen ist das Werk Machazith Ha-Schekel, welches den Glossator N. Abraham Gumbinnen auf eine sehr faßliche Weise erläutert. Dasselbe erschien zuerst nach dem Tode des Vrf.'s 1817, und hat seitdem in Polen mehrere Auflagen erlebt. Donnerstag Vormittags fand die Prüfung der Inzipienten statt. Diese bildeten die unterste Klasse der Jeschiba, die oberste Klasse bestand aus den ״Nachsagern", welche nach beendeter Vorlesung dieselbe nochmals vortrugen, um deren Inhalt den schwächer» Zuhörern zugänglicher zu machen. Nur den bewährtesten Jüngern wurde dieses ehrenvolle Geschäft übertragen, und es machte nicht geringes Aufsehen, als der junge Chajjim Rachnove nach zweimonatlicher Anwesenheit zum Nachsager ernannt wurde. Nun war ihm, was das treue Kopiren des Lehrers betraf, mancher seiner Studiengenossen allerdings überlegen, indem die meisten Nachsager einen besonder» Werth darauf legten, auch die Worte nnd Wendungen des Lehrers mit möglichster Genauigkeit wiederzugeben. Unser Chajjim verschmähte diese sklavische Nachahunlug, dagegen zeigte seine Wiederholung nicht nur die vollkommene Beherrschung deS Themas; sondern auch daS angeborne didaktische Talent. Den Vorlesungen über den Choschen Mispat, welche an jedem Donnerstage Abends stattfanden, wohnte Deutschman» zu jener Zeit noch nicht bei. Dagegen hörte er in den Morgenstunden die Vorlesnngeu über die Mischna von N. Nathan Adler, welcher 1783 von Frankfurt am Main nach BoSkowitz berufen wurde. Hier war R. Moses Sofcr sein Studiengenosse. 5. Der verheirathete Student. רחים על צואת ויעסוק בתורה. Die Braut Deutschmann's, Nösel, war bei ihrer Verlobung vierzehn Jahre alt. Nachdem sie in's achtzehnte Jahr getreten war, 1784, berief Lob Rosenbaum den Bräutigam nach NeuhauS, und das HochzeitSfest wurde auf glänzende Weise begangen. Ursprünglich hatte Rosenbaum die Absicht, seinen Schwiegersohn als Gesellschafter in sein Geschüft zu nehmen. Da sich jedoch die Konjunkturen nicht eben glänzend gestalteten, rieth er demselben, Rabbiner zu werden. Klassische Bildung wurde zu jener Zeit auch in Böhmen von keinem Rabbiner verlangt, dagegen mußte jeder Rabbiner im Choschen Mischpat oder dem jüd. Zivilrechte bewandert sein. Unser Rabbinatskandidat hatte nun allerdings einen großen Theil der hierauf bezüglichen thalmudischen Traktate gründlich studirt, den Koder selbst hatte er aber, wie bereits erwähnt, noch nicht zum Gegenstände besonder» Studiums gemacht. Er kehrte also nochmalö nach BoSkowitz zurück, um daselbst dem Studium des Choschen Mischpat obzuliegen. Dieser war nun vorzüglicher Gegenstand seines Fleißes; den thalmudischen Vorlesungen wohnte er nicht mehr bet. In jene Zeit sielen die Streitigkeiten der Gemeinde mit R. Nathan Adler, in Folge deren letzterer sein Rabbinat verließ und nach Frankfurt zurückehrte. Deutschmann, welcher ein höchst angenehmer Erzähler war, sprach oft von R. Nathan und dessen Erlebnissen in Boskokovitz. Es kam daselbst so weit, daß die Viktualien, die trotz der Prohibition des Rabbiners Abnehmer fanden, im Aufträge R. Nathan'ö von seinen Jüngern auf seine Kosten aufgekauft, und in den Koth geschleudert wurden! Solche trostlose Zustände erzeugte eine Zeit, welche von den Wortführern der Romantik als mustergiltig gepriesen wird. Deutschmann hatte für R. Nathan Parthei genommen, und er war daher froh, nach Ablauf des Choschen-Mispat-BienniumS zu den Seinen zurückzukehren. In Neuhaus verlebte er einige Jahre in heiterer Sorglosigkeit. Mindestens einmal des Iah-

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