Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 12 (21.3.1862)
- Date
- 1862-03-21
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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102 und die Gabe der schnellen Auffassung besitzen. Den Anfängern kamen Korrepetitoren zu Hilft. Der kleine Joachim war eines solchen schon bei seiner Ankunft in Prag nicht mehr bedürftig, und dieser Umstand reichte hin, die Aufmerksamkeit seiner altern Kommilitonen und bald auch die seines Lehrers aus ihn zu lenken. Jedes neue Zeichen der Anerkennung stachelte seinen Fleiß nur noch mehr an, und nach einigen Jahren hatte der Name ״Ehajjim Rachnowe", — so wurde er nach seinem Geburtsorte genannt, — an der Prager Jeschiba einen guten Klang. — Joachim hatte bereitS einige wohlwollende Gönner; als er —in eine schwere, gefährliche Krankheit verfiel. 3. Neue Bekanntschaften. .כשם שמברכין על הטובה כן מברכין על התעה ״Neb Jona Doktor" wurde zu dem Patienten gerufen. Dieser ״Neb Jona" war der berühmte I o n a S JeitteleS, Doktor der Medisin, BaccalaurenS der Filososie, Präses deS jüdisch-chirurgischen Gremiums in Böhmen, FisikuS der Prager Judengemeinde, und Ordinarius am jüd. Spital (geh. zu Prag 5. Mai 1735; gcst. 18. April 1806). Dr. JeitteleS, der unerschöpfliche Wohlthäter der Ar, men, behandelte die Bachurim mit wahrhaft väterlicher Liebe- Er selbst war in der thalm. Literatur kein Fremdling, und stand zu R. Ezechiel in der freundschaftlichsten Beziehun?. Er nahm den rekonvalireudeu Joachim, dessen eminentes Talent er erkannt hatte, liebreich iu sein eigenes Hauö, und ließ ihm die sorgfältigste Pflege zu Theil werden. Das HanS deS DrS JeitteleS ward für den jungen Bachur eine Schule deS feillen Anstandes, wodurch er sich nochmals von vielen seiner StaudeSgenossen vortheilhaft unterschied. Hier lernte er auch deutsch lesen und schreiben, und wurde er zuerst auf die Schriften der jüd. Filosofeu deS Mittelalters aufmerksam gemacht; hier schloß er brüderliche Freundschaft mit dem ältesten Sohne deS Hauses, dem iu der Folge berühmt gewordenen Baruch JeitteleS. Dieser, (geb. am letzten Nißan 1762), wurde ebenfalls im Thalmud erzogen, trat aus den Wunsch seiner Eltern frühzeitig in die Ehe, und entfloh dann nach Berlin, um sich der MendelSsohn'schen Schule anzuschließen. Sein Lebrer Wolf Lasch wurde ihm nachgesendet, und führte ihn iuS väterliche HanS zurück. R. Wolf machte Mendelsohn ein Besuch, und trug demselben eine silofische Produktion vor. Da Al. auch für einen bedeutenden Thalmudisten galt, war R. Wolf sehr erstaunt, als derselbe seinen Bortrag ohne jede Gegenbemerkung anhörte. Am folgenden Tage stellte er sich wieder bei dem Filosofeu ein, um Abschied zu nehmen. M. holte den bezüglichen Thalmndtraktat — Kethuboth — herbei, und erponirte das fragliche Thema ans eine so gründliche Weise, daß daö pilpulistische Gebäude Lasch'ö znsammenstürzte. Letzterer, sonst durchaus kein Verehrer der MendelSsohn'schen Richtung, pflegte dieö selbst zu erzählen, und Dentschmann erzählte eS ihm öfters nach. Baruch (Benedikt) JeitteleS änderte nach der Rückehr von Berlin seine Gesinnungen nicht, und blieb dis zu seinem Tode, 18. Dezember 1813 , ein eifriger Förderer der seit Kaiser Josef beliebt gewordenen Neuerungen. Die Prager Zeitung (Nr. 155. d. erw. I.) berichtete über ihn: ״Er fiel alö Opfer seiner thätigen Menschenliebe und seines PatriotiSmnS. Durch rastlose Anstrengungen zur Sammlung milder Beiträge, wozu er selbst mittelst einer ansehnlichen Summe den Jnpuls gab, vorzüglich aber durch selbstthätige Handanlegung bei der berühmten Anstalt im goldenen Kamm zur Labung und Linderung der Schmerzen jener bei Dresden und Köln verwundeten Krieger, wo Christen und Juden in so schönbrüderlichen Verein nach Einem edlen Zwecke strebten, ward in ihm der Keim eines Uebelö gelegt, welches mehrere Wochen zerstörend auf ihn wirkte, und dem er endlich erlag." Unser Deutschmann blieb mit Baruch JeitteleS auch in spätern Jahren innig befreundet, ohne sich zu den reformistischen Bestrebungen desselben zu beknneen. Der Protektion deö Dr. JeitteleS verdankte D. manche Annehmlichkeiten. Trotzdem behagte ihm das Bachurimleben in Prag nicht mehr, und er meldete sich bei dem Nabb. Landau als Konkurrent ans die Stelle eines LehrerS iu einem vornehmen Hause in Wien. An die berühmten Schulhänpter wendeten sich nämlich noch zu jener Zeit die reichen und wohlhabenden Väter, wenn sie Erzieher für ihre Söhne suchten, oder ihre Töchter unter die Haube bringen wollten. Deutschmann wurde jedoch von seinem Lehrer mit dem Bedeuten zurückgewiesen, daß die Stelle für ihn, den mit einem angenehmen Äußern auSgestatteten, gefällige Manieren besitzenden, noch sehr jungen Mann leicht verderblich werden könnte. Löb Herzseld, der ältere, sehr asketisch lebende, nachmaliger k. k. Zensor, und Mitarbeiter bei Festsetzung der Wiener Liturgie, erhielt den Vorzug. D. war hierüber sehr verstimmt, indem er iu der Fürsorge seines Lehrers eine demüthigende Zurücksetzung erblickte. 4. Die Verlobung. Die Hochschule zu B o S k o w i t z. ישועת ה׳ בהרף עין. Glücklicher Weise bot sich dem Rabbi bald Gelegenheit dar, seinem Schüler einen Beweis seiner wahrhaft väterlieben Für׳'orge für ihn zu geben. Es war im Frühlinge des Jahres 176t), als der reiche und angesehene Löb Rosenbaum in Nenhanö in Böhmen, den seine Geschäfte öfters nach Prag führten, dem Rabbi Ezechiel seinen Wunsch zu erken-