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Ben Chananja · 1862-03-21 · 12 (21.3.1862) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
12 (21.3.1862)
Date
1862-03-21
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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99 2. DaS distinktive Merkmal der neuen KnltnSform ist der Gesang nach Noten und die Predigt nach der Grammatik, womit noch einige ans eine bessere Ordnung im GotteSsticnste berechnete Einrichtnngen verbunden sind. Ans wissenschaftlich-theologischen Standpunkte kann also hier von einer Scktirerci nicht die Ncde sein. Die ungarische Orthodoxie betrachtet aber die eben erwähnten Reformen mit ganz anderen Augen: einer der ersten orthodorcn Rabbincn in Ungarn bczcichnet in einem amtlichen Gutachten vom 4. Nißan 1858 die Theiliichmer an der neuen Knltnssorm als nene Sekte (הדשה HD), von dem Gebete des Kantors sagt er: ׳תסלחו תועבה von dem der Gemeinde והמתפלל עמו חסלתו תהי׳ הטאה• Deutlicher kan» man wohl nicht sprechen. Daß die Groswardeincr Orthodorcn diese Grnndstütze theilcn, beweist die Hartnäckigkeit, mit welcher sic sich der Einführung des Ehorgcsangcö und der damit verbunden gottesdienstlichen Ordnnng widcrsctzt haben. Es ist mithni unbegreiflich, wie sic von Häretikern einen Beitrag für ihren orthodorcn Kultus erzwingen wollen! 3. Zn gebildeten Gemeinden leben die Anhänger der alten und neuen KnltilSform in Frieden und Eintracht mit einander, wie das Beispiel der Pcster Gemeinde beweist. Wo dies aber nicht der Fall ist, und die Differenzen, wie in Großwardcin, zu einem offenen Bruche führen, muß die Orthodoxie, wenn sie ihre Grundsätze und ihre Würde wahren will, alle möglichen Opfer bringen, n», von den Reformern leinen Beitrag zur Deckung ihrer Knltusbedürfnissc aiiznnehmcu. Wenn über die Reformer so cutschieden der Stab gebrochen wird, daß die Schechita ihres Schächters verpönt wird, — und dies geschah von dem Großwardeiner Rabbiner ans die ostensibelste Werse,—so sind sic ja gar nicht würdig, zu den Erhaltern des orthodorcn Kultus zu gehören. Wenn die Orlhodorie sich ans den Zore dea beruft, so sollte sie auch nicht verschmähen, was im Orach Ehajjim geschrieben steht! 4. ״Aber der Rabb. Steinhardt hat die Einweihung im Großw. nicht vornehmen wollen!" — Der chrw. St. hatte zu dieser Vcrwcigeriing gewiß seine Gründe. Nichts ist aber seltsamer, als die Folge» rnng. Laß er für die Großw. Bestrebungen keine Sympathie habe. Si's Gemeinde, die Araber, vertritt nicht nur in Ungarn, sondern in der ganzen östcrr. Monarchie die äußerste Linke der gottesdienstlichen Reform. St. kann also die viel gemäßigtere Reform in Großw. am wenigsten perhorresziren. Daß die Mehrzahl der nng. Gemeinden mit den Reformern in Großw. nicht sympathisirt, ist wahr: dieser Mangel an Sympathie entspringt aber nicht ans dem Umstande, daß die Großwardciner die ihnen ohne Vergleich geläufigere ungarische Sprache au die Stelle der deutschen gcsezt haben. Nichtsweniger als dies! Die Antipathie gegen die deutschen Neformsynagogen ist eben so entschieden. Dies ist auch gar nicht schwer zu erklären. Das Piquantc an der Geschichte ist nur die Anstrengung der Orthodorie, Sr. Erecllenz den nng. Hofkanzler zu bewegen, daß er in dem ״nngarifchen Hanfe" zu Wien ungarischen Inden verbiete, nach Noten zu singen und nach der Grammatik za predigen!! Literarische Änzeigen. Periodische Schriften in hebr. Sprache. ההלוץ• Wissenschaftliche Abhandlungen über jüv. Geschichte. Literatur und AlterthninSknude. 0. Jahrg. Breslau. 1861. Snlzbach'ö Bnchdruckerei. 8. 94. Das wichtigste Stück des vorliegenden Heftes ist Schorr's Besprechung der Pinskerischcn Likkute Kadmvnioth (56—85). Unsere Leser werden uns hoffentlich Dank wissen, wenn wir ihnen die Hauptpunkte dieser ausgezeichneten Rezension in übersichtlicher Kürze vorsühren. Der Rez. ist weit entfernt, die Verdienste seines gelehrten und wahrbeitlicbcndcn Freundes P. in Abrede zu stellen; dies hält ihn jedoch nicht ab. die übereilten Schlüsse und Kombinationen desselben zu berichtigen. Die erste Berichtigung bestimmt die Zeit des karäischen Dichters Mosc s b. Abraham Darai, welchen PinSker im 9. Ihrh. leben läßt, der aber, wie Sch. mit unwiderleglicher Evidenz beweist, ein Zcitgenosse Zchnda Alcbarizi's war, und dessen Divan nicht, wie PinSker, Fürst und Grätz glaubten, im I. 843. sondern 1171 vollendet wurde. Als unzuverlässig ergeben sich auch die übrigen Nachrichten, welche die Nachbildung der arabischen Metrik in hebr. Gedichten auf die Karäcr znrücksübrcn (52 —6l). Nun kommen die Lerikograscn und Grammatiker an die Reibe: Zehn da den K o r c i s ch ans Tnhart in Fas, dessen bckannteö Sendschreiben an die jüd. Gcm. zu Fez von Vargös und Goldberg im I. 4857. veröffentlicht wurde. Koreisch wurde bisher stets für einen rabbanitischen Schriftsteller gehalten, was er auch wirklich war, wiewohl er v. P. den Karäcrn angcrciht wird. Dasselbe gilt von Eldad Ha-Dani. Sch. erinnert an die rabbanitischen Aensiernngen desselben (S. 62): er hätte nach nnscrm Dafürhalten hinznfügen können, daß die antikaraitische Tendenz dieser Acußernngen nicht schwer zu verkennen ist. Ebenso wird der Lexikograf David b. Abraham Alfaßi mit schlagenden Gründen in eine spätere Zeit (12. Ihrh.) hinabgeschoben (63 — 66). Sch. gibt zu, daß die Priorität ans dem Gebiete der bibl. Eregcse den Karäcrn gebührt; die Priorität des Lexikografen und mctrischen Dichter spricht er denselben eben so entschieden ab, wie die der massoretischen Beschäftigung (67 — 69). Hierauf folgt eine ganze Reihe spezieller Berichtigungen. Gelegentlich kömmt der Ncz. ans die Knlhäer zurück (S. 72. Anm.), und sind die das. gegebenen Winke über den Politischen Ursprung der Gehässigkeit der späteren Thalmndlchrer gegen die Knthäcr o. Samaritaner sehr beachtenöwerth. Merkwürdiger Weise haben sich selbst sehr konservative Geschichtsschreiber von der überschwenglichen Verherrlichung der Karäer in's Schlepptau nehmen lassen; dem in die Spezialitäten der jüd. Literatur wie Wenige eingcweihten Schorr blieb es Vorbehalten, die vermeintlichen Entdecknilgcn ans ihr rechtes Maas; znrückznführen. Eine ungemein dankcnSwerthe Arbeit ist die mit vieler Grüudlichkeit gearbeitete Abhandlung über die Terteskritik der Mischna (32— 42) v. Heranög. Am Schlüsse der Abh. wünscht Hr. Sch. die Herausgäbe der in der k. k. Hofbibliothek zu Wien bcsindlichen Tosifta; möge dieser Wunsch recht bald in Ersüllnng gehen! In der Parallele zwischen der Palestinensischeu und Babilonischen Gemara (47—55), welche jeder Forscher mit dem lebhaftesten Interesse lesen wird, finden wir nicht durchgängs die kritische Genauigkeit, die man v. Hr. Sch. zu erwarten berechtigt ist. S. 51. wird Gewicht darauf gesetzt, daß die Zahl von 613 Mos. Gesetzen in der Jerusalem. Gemara nichl erwähnt werde, und scheint Hr. Schr. — wie wir glanben ohne Grund — der Bezeichnung des Urhebers dieser Zahl in der bab. Gemara zu mißtrauen. Allein es ist unleugbare Thatsache, daß man sich gerade in den Palästinensischen Schulen viel mit der Zählung der pentateuchischen Gesetze beschäftigte. Im Wajjikra rabba, welcher bekanntlich Palästinensische Haggada'S enthält, findet sich eine Zahlenangabc der Gesetze in drei Abschnitten der Thora; und wenn auch diese Angabe bisher ebensowenig erläutert wurde, als das derselben zu Grunde liegende Prinzip, so ist doch nicht zu leugnen, daß die Gesetzeszählung in de» Palästinensischen Schulen eben so einheimisch war, als in den Babilonischen '(Wajjr. 24. Pcs. r. Brest. 1831. Abschn. 15). Vom ״Zählen der Thoraסוסר ברברי תורה) ״) ist auch im Jerus. Thalm. die Rede (Schek. 5, l). was mit der Zählung der Verse oder gar der Buchstaben im bab. Gem. (Kidd. 30, a.) übereinzustimmeu scheint. Ob nicht schon der Vers. d. EfcabucheS au eine Zählung ber Gesetze dachte (7, 11), dürfte noch zu untersuchen sein.

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