Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 12 (21.3.1862)
- Date
- 1862-03-21
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Und darin besteht eben die Macht der wahren Filosofie, daß man von nnangcfochtener Höhe herab, zwar nicht ohne Theilnahme, aber ohne Kampf Hinschauen kann auf das Gewühl der Welt, wo man um nichts sich zerret, und die ächten Güter liegen läßt. — Spinoza will ferner lehren, daß niemand etwas wahrhaft GutcS für den Nächsten thnn kann, wenn er nicht erst die in seine Natur gelegten Kräfte ansbildct: nirgend aber sagt er, daß der, der nicht nach Vernunft lebt, sich auch nicht vom Mitleid bewegen lassen soll.— Ferner sagt L.: ההרגל הזה להשב כה המחשבה כאלו הוא כל האדם, ולהעלים עין מכל מיני התרגשות הלב, כאלו אינן דבר טבעי באדם. Daß Spinoza nirgend sage, man solle in keinem Falle und im Allgemeinen nicht mitleidig sein, geht schon aus dem früher Gesagten genügend hervor; hier will ich nur zeigen, daß cS grundfalsch sei, Spinoza betrachte die Leidenschaften (und jeder sieht doch ein, daß hichcr ebenfalls Mitleid gehöre, denn Thätigkeii des Geistes ist's doch nicht, wcnn'S auch in vielen Fällen ein das Menschengeschlecht ehrendes Gefühl ist) als nicht in der menschlichen Natur gegründet, denn gerade im Gegcnthcil spricht er sich (Polit. Traktat, Caput I. §. 4) folgender Maßen über Leidenschaften ans: ' ״Ich betrachte daher die menschlichen Sceleubcwcgnngcn, (wohin auch die Leidenschaften gehören) als: Liebe, Haß, Zorn. Neid, Rnhmlicbe, Geiz, Mitleid n. s. w. nicht alö Fehler der menschlichen Natur, sondern als Eigenschaften, die ihr angehören, wie Hitze, Kälte, Sturm, Donner, und a. dgl. zur Natur der Lust," 11. s. w. 11. er (Spin.) will nur zeigen, wie man die Leidenschaften, damit sie »ns nicht schädlieh werden, mittelst der Vernnnst beherrschen kann. Ist das Ueberstnthcn der Gewässer nicht auch natürlich? und doch schützen sich die Niedcrländcr dagegen durch Dämme und Schleusten. Endlich zitirt L. nochcinmal wie folgt den Sp.: qui rccto 110vit, omnia ex naturao ilivinae necessitate sequi, et secuiulum aetenias lcgcs ct regnlas lieri, is sane nihil reperiet, quoll otlio, risu et contemtu sit. *) Es ist wahrhaft merkwürdig! Wo L. vollständig hätte zitiren, oder eine anodrückliche Erklärung Sp. hinznfügen sollen, um seinem Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, da unterließ er cö. Hier wo Spinoza nichts mehr sa.legt ihm L. noch folgende Worte in den Mund, womit er (Sp.) hätte ergänzen sollen: denn L. fügt der oben zitirten Stelle hinzu: ואם היה הפילוסוף הזה רובה תמים ומגלה רעתו כאמת היה מסיים כך : Aut amore, laude, admiratione dignum sit. (oder der Liebe, des Lobes, der Bewunderung Werth wäre.) Statt aller Antwort hieraus will ich 2 Stellen ans Sp.'S Ethik aufführen, und ans zwei seiner Briese verweisen, nämlich auf Nro 1. und 32. im 6. Band v. Spinoza'« Werken. Die 2 Stellen ans der Ethik lauten: ״Haß wird durch gegenseitigen Haß gesteigert und kann 'dagegen durch Liebe getilgt werden." (Satz 43. Theil 3.) Wer nach der Leitung der Vernnnst lebt, strebt so viel er kann, Haß, Zorn, Verachtung, und s. w. eines Andern gegen ihn durch Liebe oder Edelsinn zn vergelten." (Satz 40, Theil 4.) Und nun frage ich ob derlei Lehren als der öffentlichen Moral gefährlich angeklagt werden können? hingegen äußert sich L. so: האדם הוא שונא החמס והעול ומתעב עושיהכם- *) Wer wahrhaft weiß, daß Alles ans der Nothwendigkeit der göttlichen Natur erfolgt, und nach den ewigen Gesetzen und Regeln der Natur geschieht, der findet gewiß nichts, was des Hasses, des Verlachenö oder der Verachtung Werth wäre. (Sic!) Also den Thäter soll man hassen, da doch jede Kinderfibel daö Umgekehrte lehrt. Endlich tischt ״nS H Lnzzatto auch den Vorwurf auf, Spinoza läugne die Eristenz Gottes. Auch hierüber will ich mich nicht sehr weitläufig anssprechcn, da schon dieß von vielen andern geschah. und will nur im Vorbeigehen bemerken, was Hegel über diesen Punkt äußerte, wahrhaftig daö Trefflichste, was man darüber sagen kann: ״Man sollte Spinoza vielmehr Akosmismns als Atheismus vorwcrfcn." Diesem Ausspruch muß in der Thal Jeder, der Spinoza versteht. beistimmen. Wie könnte man auch mit gutem Gewissen den Mann des Atheismus beschuldigen, der ausdrücklich sagt: ,.Hieraus erkennen wir deutlich, worin unser Heil oder unsere Glückseligkeit oder Freiheit bcsteht, nämlich in der beständigen und ewigen Liebe zn Gott, oder in der Liebe Gottes zu den Menschen." — Theil 5. Satz 30. Wenn ich bisher Herrn Lnzzatto nachwics, daß er bei Bekampfnng seines Gegners nicht immer genau zn Werke gegangen, daß er ihn (Spinoza), manchmal nicht recht verstanden , so will ich noch znm Schlüsse von ihm (Lnz.) Nachweisen, daß er sich selbst widerspricht. Um nämlich dem Ganzen noch die Krone anfznsctzen sagt L. am Ende seiner Vorrede: אם שסינווה הלך כל ימיו בדרכי מישרים ומשפט וצדקה עשה אע״ם שאמונוחיי וסברותיו הן כדאי להרחיק אדם מן הדרך הישר ולהוליכו בדרך עקש. אין ספק כי זה נמשך,רו אם מפאת מזגו וטבעו אשר ירש מאבותיו ואם מצד ההרגל שהרגילוהו רבותיו .... Diese grundlose und nnpsichologischc Verdächtigung scheint mir wirklich eines Lnzzatto unwürdig zn sein. Korrespondenz. ). Wien, 18. März. Während in Großwardein durch einen königl. Kommissär die Untersuchung der dortigen jüd. Gemeiudcverhältnissc cingcleitet wird, ist eine so eben hier angelaugte Deputation der orthodorcn Gemeinde im Begriffe, bei der Hofkanzlei ein Verbot zn erwirken, dem zufolge dem Schächter der nng. Gemeinde das Handwerk gelegt werden soll. Der gegenw. Vizcgcspau soll, wie ich ans glaubwürdiger Qc!(c vernehme, ein solches Verbot zwar erlassen haben , dasselbe kann aber nicht zur AnSführnng, indem der k. Kommissär vor Beendigung der Untersuchnng keine neuen Auordn ungcn znlassen wollte. Nnn brauchen aber die Orthodorcn — Geld! Die Hoskanzlei soll ibneu dazu verhelfen, indem sic die Schechita der nng. Gemeinde verbietet, und durch das ״Bricselgeld" der neuen Genie inde den zerrüitcren Finanzen der Orthodorr» ans die Beine hilft. Nichts ist billiger als dies.' Die Orthodorcn führen Prozeß gegen die Reformer; die Reformer sollen ihnen daher das Geld dazu vorschießen! Das hiesige Organ dcr belletristischen Theologie und der thcologischen Belletristik ist seit einige Zeit von der Ungarnsrcsscrci zurückgekommenen, und auch die Grofiwardeiner Gemeinde wirb etwas milder bcurtheilt; aber natürlich nicht ohne Scilenhicbe. Und doch liegen nachstchende Thatsacheu so klar vor Augen, daß eine ungeheure Besangeuhcit, oder eine lächerliche Manie, originell zu scheinen, dazu gehört, dieselben zn übersehen. t. Thatsächlich bestehen seit vielen Jahre zwei jüdische Kultussonnen in Ungarn, und die Großw. nng. Synagoge rcpräsentirt durchaus keine Neuerung ans religiösem Gebiete , zu deren Unterdrückung die Negierung Ursache haben könnte. WaS in Pest, Ofen, Arad, Großkanischa, Szegcdin, Temesvar, Raab. Gr.-Beeskerek, Stnhlweißenburg, Wcsprim, Egerßcg, Fünskirchen, WaraSdin und anderswo erlaubt ist, kann in Großwardein wol nicht verboten sein.