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Ben Chananja · 1862-03-14 · 11 (14.3.1862) · p. Seite 90

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
11 (14.3.1862)
Date
1862-03-14
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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90 Anklagepnnkte, namentlich in so Ferne dieselben die Ethik betreffen, mögen mir folgende Berichtigungen gestattet sein. Nach einigen psichologischcn Bemerkungen, die ich hier nicht näher besprechen will, sagt L. in der Vorr. zu dem angeführten Werke von. Sp: האיש הזה אמר בפה מלא כי החמלה והחנינה היא נחלת פחאים וחולשה נשים. Wo hat aber Sv. dies gesagt? Seine Worte lallten (Ethik. 2 Th. Ende:) ״Diese Lehre fördert das soziale Leben, indem sie «ns lehrt, ilicmanden zu hassen, zu verachten, zn verspotten, zu beneidcii, auf niemand zn zürnen. Außerdem insofern sic lehrt, daß jeder mit dem Seinigcn zufrieden, auch dem Nächsten hilfreich!ein soll, nicht ans weibischem Mitleid, Parteilichkeit, noch ans Aberglaube», sondern bloß nach Leitung der Vernunft." Ich glaube, er sagt also nur, man solle Gutes thun, »ach Antrieb der Bernunft, und nicht nur durch Mitleid (besonders wenn cs bloß weibisch ist) bewegt. Mic aber H. Luzatto den Satz anführt, hat eö den Anschein, als wollte Spinoza in demselben geradezu beweisen, daß alles Mitleid weibisch sei, und zieme dem Menschen in keinem Falle. Nun führt Lnzzatto einige Stellen der Ethik an, als: Homo, qui dictamine rationis vivit conatur quantuin potcst efficerc ne coimniserationo tangatm• (Pars IV, Prop. 50 Cord.) — Wohl wahr, warum ist aber H. Lnzzatto nicht so genau, und führt anch die folgende Anmerkung an, wo er sich selbst erklärt? ״Wer wahrhaft weiß, daß alles aus der Nothwendigkcit der göttlichen Natur erfolgt und nach den ewigen Gesetzen und Regeln der Natur geschieht, der findet gewiß nichts, was des Hasses, des BcrlachenS oder der Verachtung wcrth wäre, und bemitleidet Niemanden, sondern er strebt, so weit es die menschliche Tilgend vermag, wohl zn thun. wie man sagt, und sich zu freuen. Dazu kommt, daß der, der von der Scclenbcwegnng des Mitlcidcns gerührt, und durch das Leiden oder die Thränen eines Andern bewegt wird, oft etwas thut, waö ihm hernach gereut, sowohl weil wir nichts aus einer Seelcnbkwegung thun, wovon wir gewiß wissen, daß es gut sei, als auch weil wir leicht durch falsche Thränen betrogen werden. Ich spreche hier aber ausdrücklich von dem Menschen, der nach der Leitung der Vernunft lebt; denn wer weder durch Vernunft, noch durch Mitlcideu bewegt wird, Anderen Hülfe zu leisten, der heißt mit Recht inhuman; denn er scheint keinem Menschen ähnlich zu sein." Kann man also nach dieser Erklärung Sp. noch angreifen? Er sagt ausdrücklich, daß er erster» Satz (den oben angeführten Homo qui n. s. w.) nur für solche schreibe, die zu irgend einer guten That nicht der Erregung des Mitleides bedürfen, sondern nach Vernunft dasselbe thun, also nur für solche, die Vernunft besitzen und nach ihr leben. Auch schrieb Sp. überhaupt seine Werke nur für Leute von höherer Bildung, und wollte nicht, daß das Volk dtesclben in die Hände bekomme, und er war sehr ungehalten darüber, als er hörte, daß Jemand seine Schriften ins Holländische übersetzte. An keiner Stelle der Ethik sagt Sp., man solle gegen Hülsöbedürftige nicht miidthätig sein. vielmehr an manchen Stellen ausdrücklich (am Ende d. B. II.), man solle Anderen Hilfe leisten, nur soll man sich durch Vernunft dazu leiten lassen. Aus gleichem Grunde ist auch falsch, was Lnzzatto weiter anführt: ״כי הצרקה לעניים היא חובה מוטלת על הצבור, אבל היחיד אין ראוי שי שגיח כלל על העניים•" ״Pauperura cura integra soeietati inciunbit.“ Hier müßte die ganze Stelle angeführt sein: ״Die Menschen," heißt es dort, ״würden auch durch Freigebigkeit gewonnen, diejenigen besonders, die nichts haben, wodurch sie sich das zur Erhaltung Noihwendige verschaffen könne». Aber jedem Bedürftigen Hülfe zu leisten übersteigt bei weitem die Kräfte und den Nutzen eines einzelnen Manneö. Denn der Rcichthnm eines Privatmannes reicht bei weitem nicht hin, dieß zu leisten. Zudem ist die Fähigkeit eines einzelnen Mannezu beschränkt, »m sich alle durch Freundschaft zn verbinden. Deshalb liegt die Sorge für die Armen der ganzen Gesellschaft ob, und gehört zum Gemeinwohl." Jeder vernünftige Mensch wird so sprechen, er zeigt nur, daß es die Kraft des Einzelnen übersteige allen zu helfen, nicht aber daß man nicht helfen solle. Der Staat soll für die Armen sorge», nicht weil die Einzelnen nicht für sic sorgen solle», sondern weil sie (die Einzelnen) nicht hinlänglich für sic sorge» können. (Schluß folgt.) Dr. (*Manuel Heeht< Am 25. Februar starb in Hoppstädten im Fürstcuthum Birkenselb der rühmlichst bekannte Lehrer. Herr Dr. Emannel Hecht, in seinem kaum znrückgelcgten 40-tcn Lebensjahre nach einem fast einjährigen, sehr schmerzhaften Leiden. Das Lcichcnbcgänguiß fand am Freitag, den 28. statt, an welchem eine große Menschenmenge, auch die Christen deö Ortes und die jüdischen und christlichen Lehrer der Gegend, sich betheiligte. Der allgemein geachtete und verehrte LandrSrabbiner, Herr Goldman», hielt eine vorzügliche Leichenrede, in welcher er unter Zngrundlegnug der Stctte Malachi 2, 6: תורת אמת היתר בפיהו Das scgenüvolle Wirken des Dr. Hecht, als Lehrer, Schriftsteller und eifriger Kämpfer für den Fortschritt im Judeuthume auf sehr würdige und ergreifende Weise schilderte. Noch besonders rühmte der Redner ihm nach, daß er, ungeachtet seiner großen schriftstellerischen Thäiigkcit, seine Schitle nie malS vernachlässigte und diese stets in jeder Beziehung eine der besten war; ferner, daß er mit wahrer Begeisterung für den Lehrcrstand eingenommen und denftlbe» stets mit allem Eifer zu heben bemüht war. Der Selige wirkte 17 Jahre in Hoppstädten als segensvoller Lehrer, wo er auch größtentheilü seine vielen Schriften verfaßt har. Er lebte seit 15 Monate» in einer zweiten sehr glücklichen Ehe mit einer musterhaften Gattin, und hiutcrlaßt er dieselbe als trauernde Wittwe mit 3 minderjährigen Kindern aus erster Ehe. Seine erste Frau war die Schwester des Rabbiners Dr. Adler in Ncw-Uork. — Sein letztes Werk, an welchem er noch während seiner schmerzhaften Krankheit arbeitete und das seit Kurzem im Drucke erschienen ist. nämlich ein צאינה וראינה als Erbauungs- und Bclchrnngsbttch für Sabbäte und Feiertage, soll, wie mir von einigen Sachkennern mitgethcilt wurde, sehr zu empfehle» sein. Sobald ich solches erhalte, werde ich ein Referat hierüber im B. CH. geben. Ein größerer Absatz desselben wäre auch schon deshalb sehr zu wünschen, da hierdurch der verlassenen Wittwe und den armen Waisen der Ertrag desselben zu gut käme. Schreiber dieses, der den Verstorbenen persönlich kannte und in chm einen höchst fleißigen, vielseitig krnntnißreichen und edlen Menschen verehrte, bedauert aus tiefem Herzen das so frühe Hinscheiden dieses Manne« und war ihm daher ein inniges Bedürfuiß, demselben diesen Nachruf im B. CH., dessen Mitarbeiter er za auch war, uachzuschickcn. תהיה נשמתו צרורה בצרור החיים. Nachträglich noch die Mittheilung, daß im Fürstenthum Birkenfeld die Jftaeliien in jeder Beziehung emanzipirt sind, der dortige Landesrabbiner, gleich den christlichen Geistlichen, einen Staatsgehalt seit schon vielen Jahren bezieht und in neuester Zeit derselbe den Charakter eines Rat hes bei der R e g i e r u ng fir jüd. Angelegenheiten mit einer Besoldung besizt. Ebenso sind die jüd. Schulen den christlichen vollkom-

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