Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 10 (7.3.1862)
- Date
- 1862-03-07
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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81 stand. ״Credo ut int eilig am" hieß im ScholasticiSmuö das Losungswort, uud nicht die Fantasie, sondern der ״Verstand" (iuteüeetus) ward als das höchste Prinzip erklärt. Wir dürften da wol auch an den Gegensatz von NominaliSmnS uud Realismus erinnern, um dem knndigen Leser diese zwei verschiedenen Richtungen — von denen jene die Reflerion, diese die Fantasie zur Führerin wählte — ganz deutlich zu vergegenwärtigen. Dieselben zwei Richtungen treten uns auch im IslamismuS entgegen: die Mutekallimun und die sogenannten Filosofcn. Bei jenen ist eS der Platonismus, bei diesen der AristoteliömuS, und mithin dort wiederum die Fantasie, hier wiederum die Reflerion, die zur Geltung gebracht werden. Und in der That, es ist höchst kennzeichnend für den tiefen Scharfblick unseres Maimuni, daß er gerade jene kelamistische Prämisse, nach welcher nicht der Verstand, sondern die Einbildungskraft als die einzig kompetente Richterin über das Mögliche und Unmögliche erklärt ward — als die F u n damentalle h r e des Kelam (עפזוז״ הכמת תמד־בריבם, More I., 73, Prämisse) bezeichnete. Und S ch m ö l d e r ö (Essai sur!68 philosophes chez les Arabes, Paris 1842, pag. 135) hat sich wahrlich nicht wenig lächerlich gemacht, da er es gewagt, den Verfasser des More einer Unkentniß des Kelam zu zeihen, weil dieser jene Theorie, nach welcher Alles, was die Fantasie sich vor stellen kann, möglich ist, als kelamistische Fundamentallehre erklärte (Vrgl. Munk, Le guide p. 491.—S. auch unserer Artikel: Colleetaueen in der Frankel'schen Monathsch. 1860, S. 307.) Auch daS Iudenthum— das die Eindrücke aller Zeitsilosofien bereitwillig in sich ausuahm und in sich in Last und Blut zu umwandeln wußte — zeigt uns dieselben zwei Richtungen in seiner Mitte. Als den bebeutendsten Vertreter der einen Richtung erkennen wir den jüdischen Dichterfürsten Salomon Jbn Gebirol, als den hervorragendsten Repräsentanten den andern Maimouides. — Und in der That, den vollen Gegensatz zwischen der gebirol'schen und der maimuni'schen Filosofie kennzeichnend erscheint uns die verschiedene Theorie beider über das Wesen der Einbilduugskraft. Maimuni erklärt dieselbe als rein sinnliche Kraft (1. der 8. Abschnitte, More I., 60). Selbst Thiere besitzen daher Imagination und die Fähigkeit zu träumen (das. I., 73, Präm. 10), und Moseö war eben der größte unter den Profeten, weil er frei war von jeder Illusion der Einbildungskraft (das. II., 36). Ganz anders Gebirol. Die Fantasie ist ihm eine hohe psychische Kraft (Mekor Cbajim IV, 27). Der psychische Traum und die Einbildungskraft vermitteln der Seele die höchsten geistigen Formen (das. III. 27). Nach dieser voranöge chickten Bemerkung, deren weitere Ausführung wir uns auf andere Zeit Vorbehalten, kehren wir wieder zu Serachja, dem so begeisterten Verehrer der maimunischen, mithin der NeflerionSsilosofle, zurück. In einem von Kirchheim gebrachten Citate sucht jener den SkeptieismnS eines Freundes, der eine ihm von Serachja gemachte Mittheilnng, ihrer Abentheuerlichkeit wegen, ungläubig aufnahm, durch folgende Stelle zu widerlegen. (Ozar Neckmad S. 121): אני אומר לך דבר אהר שאומר עלי בן סינא בס׳ הראשון מן האלקנון בדברו על התנועה הנסשייח, אמר על ענין אה ך בציורים הנפשיים אלו הם דברים לא יודה בהם ולא יקבלם, זרים בגי אדם שלא עמדו על ענינים עמוקים מענייני המציאות, אבל אותם אנשיסשיש להם מבוא והכנסה בחכמה לא ירהיקו מציאות שאינו עובר כבערבי גאיז(?) עב ־לשון עלי בןסינא• הנה מדברי זה הפילוסוף נראה שאין צריך להרחיק מציאות שלא יהיה עובר אצל השכל. In der That, durch diesen Einen Satz hat sich Serachja in den diametralsten Gegensatz gegen die maimunische Neflerionöfilosofie gesetzt. Denn der hier von Herrn Kirchheim mit einem Fragezeichen begleitete arabische Terminus נאי׳ bezeichnet eben jenen von uns hier bereits zu wiederholten Malen erwähnten kelamistischen Lehrsatz, nach welchem nicht die Reflerion, sondern die Fantasie zur obersten Instanz erhoben wird. Dieser Satz lautete nämlich in seiner arabischen Fassung wie folgt. כל מא מתכיל סהו גאיו ענד אלעקל. - Alles, was die Fantasie sich vorznstellen vermag, muß der Verstand als möglich annehmen. Nach Jbn Tibbon's wortgeträuer Uebersetzung: כל מה שהוא מדומה הוא עובר אצל השכל — Wie wir bereits oben nachgewiesen wird dieser Lehrsatz von Maimuni als ״Basis des Kelam" erklärt, von ihm jedoch aufs heftigste bekämpft und dagegen behauptet: Nur der Verstand, aber keineswegs die Fantasie, habe zu entscheiden, was möglich oder unmöglich ist. Es ist daher holst eigenthümlich, daß ein solcher Kenner und Verehrer der maimunischen Filosophie, wie Serachja Ha-Levi Ha-Sefardi, so antimaimunisch behanp> ten konnte: "אין צריך להכם להרחיק מציאות שלא יהיה עובר אצל השכל:" Lorrrspon-eu). Szegedin, 3׳tcn März.) Ehrw. Herr Redakteur! Seitdem die hiesiige kleine evangelische Gemeinde eristirt, haben sich die hierortigen Israeliten stets mit wahrer Bruderliebe gegen dieselbe benommen. Diese Tage spendeten zur Deckung der Beoürsnisse der an HilsSmittclu armen ewangelischcn Gemeinde die H. H. Ausländer Jos. 2 fl., Ausläuder Simon 5 fl., Bamberger Sam. 10 fl., Zimier Jgn. 3 fl., Erdensohn Frau; 1 fl., Kirschner Hcrm. 20 fl.. Kotanyi H. W. 2 fl., Lichtenbcrger Mor. 3 fl., Patzaner Mar 5 fl., Politzer Sal. 5 fl., Rosenberg Rudolf 1 fl-, Schässer M. I. 2 fl., Schcinberger Aut. 3 fl, Schlesinger Heinr. 5 fl., Schmicdlingcr und Zadir 2 fl., Ungenannter 1 fl., Weiß I. PH. 3 fl. Indem ich sie bitte, diese Notitz in ihr geschätztes Blatt aufznnehmen, füge ich die Bemerkung hinzu, daö cS den htesiigcn Israeliten nur znr Ehre gereicht, daß sie sich von den jndcnsresserischen Erpektorationcn des ״Szegedi Hiraclö“ nicht irre machen lassen. '■) Ein Protestant. ') Aus dem Ungarischen übers. Red. 2) So sehr uns auch die Anerkennung des Herrn Einsenders freut, so müssen wir doch bemerken, daß sich die hiesigen Juden ans ibr Betragen nichts zu Gute thnn. Sie wissen, daß die Judeiifeindlichkeit Eines oder mehrerer Christen die Juden nicht abhallen dürfe, die Pflicht der Nächstenliebe in dem ganzen, von der Religion Israels vorgezeichnclcn Umfange zu übe». Der Red. des 82. II. ist übrigens ohne Noch