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Ben Chananja · 1862-03-07 · 10 (7.3.1862) · p. Seite 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
10 (7.3.1862)
Date
1862-03-07
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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aus den Tiefen des Gemüths, es mag eine innere Stimme heißen, wenn es auch erscheinen möchte, als käme es von oben her. Selbst wenn diese Stimme wirklich hörbar gewesen sein sollte, so durfte der Ausdruck innere Stimme dennoch anwendbar sein, insofern dieselbe doch nicht von allen Anwesenden, sondern nur von den Auserwählten gehört wurde. Die Worte des A b a r b a n e l') mögen hier gegeben werden. Er sagt: ״Das von den Talmudisten erwähnte Bath Kol war nicht eine bloße Fantasie, oder eine Art Wahnsinn. Es sei dieses ferne von ihnen. ES war vielmehr eine hörbares Stimme, welche zu ihrem Ohr gelangte durch den Willen Gottes. Es gehört dies auch zu den Wundern." Nach den Gesetzen der Jdeen-Assoziation wäre hier die Gelegenheit, von dem Dämon deS Socrates — an welchen er selbst und seine Zeitgenossen glaubten — ein Wort in cnlturhistorischer Beziehung zn sagen. Die Erschei- Ullttg von אלי' הנביא bei einigen berühmten Talmudisten — wovon im Talmud oft die Rede ist — würde sich leicht daran anschließcn. Dieser Gegeustand — zwar jenseits der empirischen Psichologie liegend,, aber das Höchste im Menschen berührend — könnte anderwärts einer Belrachlung unterzogen werden. Es sind der Stimmen noch manche, welche vernehmlieh von der innnern Geschichte der Menschheit Kunde geden. Wird die Deutung dem Deuter zugekommen sein, so wird er nicht ermangeln, mit ihr vor die Welt zu treten. A n m e r U n 1t g c n. ') Vcrgl. auch unser Bei- Gabirol S. 28, J) Plato (in dcr BcrtheidUz»»a des Sokrates) läßt Um dieses selbst erzählen. ׳') I c r u s ch a l in i (Aboda zara III. Halacha!) יצתה ב״לן יש ביניכם שניםי שראוי׳ י׳רה״ק זכו. פ׳ לך לן 1!3 (י Seine Worte lallten: ועגין הבה קול שזכרו הדל׳ ל׳א הי׳ דבר דמייני ולא השתגעות הלילה להם מזה אבל היי קול מוגשם מגיע לאוני הם ברצון הבי הא והיא בדמות שאר הנפלאות. י) Wörtlich : ״Körperliche Sliiinuc." Ob die Stimme körvertich genannt werden tal>», war ein Streitpunkt unter den alten Philosophen. älmsMe iuitrij Die ädere itiil) neuere Mische £ilcmlnr. Bo» Dr. VI. S ch m iedl, Rabbiner zu Prvönip. I. Fantasie und Reflexion. Im zweiten Bande des Ozar Nechmad Seite 117, führt der gelehrte Herr Kirchheim den Lesern einen bis dahin wenig gekannten Religionöfilosofen aus der arabischjüdischen Schule vor: N. Serach ja Ha-Levi Ha-Sefardi. Derselbe gehört zu den eifrigsten Nachtretern der maimonidischen Filososie. Der ״More," den er theilweise selber kommentirt und sehr häufig Andern vorgetragen hat, ist ihm die Quelle höchster Weisheit. Fast jede dritte Zeile, die aus seiner Feder fließt, trägt den Namen seines großen Gewährsmannes, deS von ihm so hochverehrten Maimuni, ja er schwört auf jedes Wort seines Meistets. — Und dennoch durch einen einzigen Ausspruch, in einer von Kirchheim zitirten Stelle, setzt sich dieser Serachja — und wie eS scheint, ganz unbewußt — in den diametralstcn Gegensatz zu dem Fundamentalgedanken der ganzen maimttnischen Filososie. Zur Begründung des Gesagten müssen wir jedoch eine kurze Bemerkung vorauöschicken. Wer die Geschichte der Filososie mit denkendem Auge überblickt, der findet, daß seitdem die Menschen überhaupt spekulativ zu denken angcfangen, der tiefe Strom der Filofofie sich m zwei divergirende Hauptarme getheilt, von denen der eine in die Nebelgebiete der Fantasie einmündete, und dort traumhafte Blumen, schattenartige Pflanzen zum Wachsthum beförderte; der Andere in die heitere, sonnige Region der Neflerion sich ergoß, und den grünen goldenen Baum des Lebens zu fruchtreicher Blüthe brachte. — Von der uachsokratischen Filososie angefangen, und fast bis auf den heutigen Tag herab, könnten wir die Spuren dieser zwei Hauptrichtnngen an den verschiedenen Zeitfilosofüll ganz deutlich Nachweisen. Doch ist dies heute unsere Absicht nicht, da wir hier blos einige Hauptmomente ins Auge fassen wollen. Diese zwei Hauptrichtungeu repräsentircn sich vor Allem in Plato und Aristoteles. Jener, der Schöpfer der Jdeenlehre, dem die ganze Welt der Erscheinungen nur ein Abdruck oder eine Abschattung der Ideen war, hat der Fantasie die unbestrittenste Macht eingeräumt, so daß an eine Scheidung des Mythischen vom rein Filososischen bei Plato gar nicht zu denken ist. — Aristoteles dagegen, der absolute Empiriker, der Vater der Logik, der Namrgeschichte und der empirischen Psychologie hat die EinbildungSkraft nicht einmal umer die Zahl der Seelenkräfte anfgenommen (vrgl. <16 Anima cap. o) — bei ihm ist die Reflerion die unbeschränkte Gebieterin. Jahrhunderte nach dem Tode dieser beiden filososischen Heroen feierten deren Systeme neuerdings ihre Auferstehung. Zuerst trat das eine als Neuplatonismus, später das andere als ScholasticiSmuS in die Erscheinung. Und wiederum waren es dieselben zwei divergirende» Ströme. Jener floß wieder in das neblige Land der Fantasieregion hinein. Nicht auf dem Wege natürlicher und vernünftiger Vermittlung, nicht durch daS Medium nüchterner Neflerion und felbstbewnsteu Denkens; sondern mittelst der Ekstase, durch das entzückte Schauen des Ureiuen — also durch die Fantasie in ihrem ungebundensten Fluge, behauptete der Neuplatoniönmö des Absoluten sich zu bemächtigen. — Ihm entgegen trat der Scholasticismus, der, an die Stelle des subjektiven Jnsichversenkenö der Neuplatoniker das objektive Erkennen, die dialektische Vermittlung und den syllogistischen Scharfsinn setzend, die Neflerion auf sein Schild schrieb, auf dem Aristoteteles, der ״Filvsof" als Devise eingezeichnet

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