Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 10 (7.3.1862)
- Date
- 1862-03-07
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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78 reu diese Thargumisten nicht beliebt, und das war sehr natürlich: Die Gesetzbeflissenen maßen die Schrift nach ihrer Tiefe, auch bei ihren haggadischen Forschungen und Dentnngen kam eS zumeist auf den Inhalt an; die Form, die belichteste: das Gleichnisse, loar ihnen bloß die Handhabe 9), der Slriadnenfaden der durch daS Labyrinth führen sollte'"), vom Vortrage galt ihnen der Satz ״die Blätter dcS LebensbaumeS, der Thora, heilen die kranke Zunge""), für den stockenden Vortrag entschädigt der kernige Inhalt. Die Methnrgemanin hingegen verdankten ihren Effect zumeist dem Affecte, den sie durch äußere Mittel hervorzurufen wußten, darum suchten sie auch durch klingende Stimme, durch gezierte Haltung mehr als durch Popularisiruug schwerer Gedanken ihren Vortrag auszuzeichnen; das aber brachte sie bei den Gelehrten in Mißkredit, der Darschon machte sich neben dem Methurgemou geltend und drängte diesen in den Hintergrund; daß er nicht ganz verschwand, mag er seiner cnlturgeschichtlichen Bedeutung verdankt haben. Doch es traten die Gelehrten in ihren Bestimmungen der rednerischen Eitelkeit der Thargumifteu nach Kräften beschränkend cutgegen: Durch daS aufgestellte Dilemna ״Wer den VerS buchstäblich übersetzt der lügt, wer hiuzufügt der lästert"'") mußten sie nothwendig nach der einen oder nach der andern Seite hin in Fehler verfallen. Moralische Betrachtungen der Thargumisten werden wörtlich angeführt und höchlich mißbilligt'"). Es wird ihnen verboten, die Stimme lauter zu erheben als der Vorleser "). N. Schemuel b. Jizchak tadelt einen Thargumisten wegen seiner mehr selbstgefälligen als ehrfurchtvollen Stellung während seiner Vortrages Die Baraitha rechnet den Lohn, den der Thargumist erhält, zu den vier Perutoth, die keinen Segen bringen"'׳). — Wie gesunken daS Ansehen des Thargumisten war, wie weit er in der guten Meinung hinter dem Darschon zurückstaud, läßt uns die Midraschische Schristauslegung ganz ermessen: ״Die Worte der Weisen werden leise gehört: das sind die Darschouim! ״Mehr als daS Geschrei des GleichuisSrednerS unter den Gecken: daS sind die Thargumisten, die vor der Gemeinde stehen!"'׳) und ״besser ist zu hören die Zurecht- Weisung des Weisen: das sind die Darschonim! ״Als wenn man hört das Lied der Narren: daS sind die Thargumisten die singend ihre Stimme erheben, um dem Volke vorzutragen!"ך׳ Noch fügen wir hinzu: es will unS scheiuen, dass die witzige Eiuleitung (.נטילת רשות) des R. Lewi b. Zeira iu seinen Sabbathvortrag ein satvrischer Ausfall ist gegen die ihres affectinen Vortrages wegen berüchtigten Thargumisten; die Stelle lautet: ״Wie die Stimme der Dornen unter dem Topfe: Alles andere Holz, wenn eS brennt, macht wenig Geräusch, die Dornen aber, sobald sie in Feuer kommen, prasseln sie laut auf, als wollten sie aller Welt zurufen: hört, auch wir gehören zum Gehölze.'"'") Bei dem eifrigen Streben, daS sich in der Tbalmuden und Midraschim geltend macht, Allem, was zur Lehrftube und zur Synagoge gehört, Liebe und Achtung zu verschaffen, findet sich nicht die kleinste Stelle, die der Thargumisten vortheil- Haft erwähnte, vielmehr erzählt uns R. Jochanan im Jernschalmi: ״Unsere Lehrer im Eril sonderten ab Hebe und Zehnt, bis die jungeu lltterfahrenen Leute kamen und es aufhobcn "? ״ ״מאן אימן המביןWer sind diese unerfahrenen Leute?" "!״ "תרגמוניes sind die Thargumisten!""") Vielleicht ist hier der Thargumist selbst gar nicht gemeint, Vielleicht sehen wir ihn hier schon herabgesunken zur Metafer für eingebildete Halbgelehrsamkeit! oder vielleicht gingen manche derselben wirklich nach Babylon in der Hoffmillg, da ihre in Palästina unleidlich gewordene Stellung zu verbessern, und sie bezahlten dem Mutterlande seine Stief- Mütterlichkeit, indem sie den ersten gewonnenen Einfluss dazu verwendetcu, die Babylonier von der Zufuhr der frommen Gaben nach Palästina zu dispensiren. — So weit von den Thargumisten der gottesdienstlichen Schriftvorlesnngen. Die Grundzüge zur Entwickelungsgeschlchte der Darschonim, welche in der That lichtere und erfreulichere Punkte bietet, versparcn wir uns für die Folge, lieber wäre uns allenfalls, wenn uns eine tüchtigere Feder in diesem Geschäfte zuvorkäme. Ä n m erknnge n. ') Nehcm. 8,7,9.׳) ib. v. 8.;l) 9)111 im. Hilch. Thcsilla 12, 10.— Daniel 11, 33. 12, 4 und vielleicht auch v. 10 leimten im Kritiker den Gedanken wecken, dass er im letzten Theile dieses Bnchcs einen ״מיניך oder ״משביל־עם aus der ersten Makk. Zeit als Ge! schichtSschrciber vor sich habe (Vrgl. übrigens Bab. bathr. 15). Es Ware dieses nicht das einzige Stück; für jetzt weisen wir noch ans Ps. 119 hin: in diese zusammenhanglos nntcrcinandcr gestellten Verse lässt sich nur dann ein einheitlicher Gedanke bringen. wenn sic einem von den Mewinim in den Mnnd gelegt werden: beinahe in jedem einzelnen Satze wird der Thora und ihrer Erklärung gedacht, der Dichter kennzeichnet sich oft als unerschrockenen 91 cd »er des göttlichen Wortes und fast jeder einzelne Spruch dieses Psalms könnte füglich gelten als kurzes Gebet eines Predigers um guten Erfolg. — Für nähere Eingehung ist der 91 au in einer Note zu enge. — ') Joma 72 b. — s) Horaj. E. 3 Ä. 8. — ״) Pes. 50 b. ist von שבר מתורגמנין die Rede, das dort Gesagte durch שבר שבת zu motivircn, ist eine spätere Vcrmuthung. — 7) Thosöist. Ende Meg. s) Na bl׳, zu Schir-hasch. 1..״אל יהי המשל ׳־' הזה קל בעיניך.!) ib. ד — אזני□ לתורה ib. 91. siachmon sagt dorr vom Gleichnisse: ״Die Lehre gleicht einem großen Palast, der viele Thüren aber nur einen Eingang hat, die Eintrctenden irren umher und können den AnSgang nicht finden; eilt kluger Mann hängt an den Eingang einen Knänl ans und fortan hat jeder Eiiuretcude seinen Faden, der ihn zurücklcitct." Wenn wir nach diesem Vorgänge daS משל den ״Ariadncnsadncn" nennen so behaupten wir noch nicht, Nabbi Nachm, habe die Thesenssage gekannt und benützt, cs kann eine zufällige wenn auch frappante Ähnlichkeit sein, die den Spruch des rabb. Wcisen der griech. Sage nahe rückt. — u) 9iabb. zu Debar. 6. 1. — '׳) Thossit. Meg. Ende. — ") j. Berach. 15. V. Meg. IV. Vrgl. auch