Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 8 (21.2.1862)
- Date
- 1862-02-21
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 jj Historisches über Tanaim, Amoraim, ausgezeichnete Männer und Frauen, Zeitverhaltnisse. k) Parabolisches und Gleichnisse. Die letzter» waren ein Hauptbestandtheil des hagadischen Vortrags, wie ich dies im vorigen Jahrgange deS ״Ben Cyananja" (S. 383.) nachgewiesen habe, und wodurch die ganze Konstruktion des Midrasch erst verständlich wird.!) Polemisches gegen hcidn. Völker u. heidn. Anschauungen. m) Apologetisches zur Vertheidigung und zur Verherrlichung des Judenthnms und des jüdischen Volkes. n) Kasualien bei Hochzeiten und Sterbefällen. Dies ist der Gesammtinhalt der Hagada, aus welcher der Prediger Stetten zu bestimmten' Zeiten wählt. II. Die drei allgemeinen Grundsätze für die Benutzung hagadischer Elemente in der Predigt lauten: 1. Die hagadischen Elemente dürfen nur in einer solche» Weise gebraucht werden, daß sie den Organismus der Rede als eines rhetorischen Kunstwerkes nicht stören! Ueber- Haupt sieht der Redner, daß eine hagadische Stelle die organische Entwickelung der Rede hemmt, den Fluß derselben unterbricht, so darf er sie nicht auwenden, und wäre sie noch so geistreich. Hier gilt מקבלין שפר* על ר־־׳י^ל־ישה, das auch Quinetilian, der große Lehrer der Rhetorik, nachdrücklichst einschärst. 2. Eine Hagada darf nie als Tert gebraucht werden, höchstens dürfte es gestattet sein, eine Sentenz der ecclesia magna SimonS deS Gerechten, eines Hillel oder Akiba ans den ״Sprüchen der Väter" zürn Terte zu wählen. In früher» Zeiten wurde die Hagada gewöhnlich zum Terte benützt; in unser» Tagen aber, wo die Meinungen über die Stelluiig des Talnind und des Midrasch im Judenthum getheilt sind, soll man immer bei einem biblischen Terte bleiben. Die Sprüche allgenlein bekannter und beim Volke in hohem Ansehen stehender Lehrer, wie der I<nv861-11a getlola oder Simons Ha-Zadik, Hillelö und Akibaö können eine Ausnähme machell. 3. Die in der Predigt angewandte Hagada muß entweder einen Gedanken anregen, oder einen ausgesprochenen erweitern, ins rechte Licht setzen, oder eine Behauptung bekräftigen, oder eine Bibelstelle erläutern, oder die Schönheit der Rede erhöhen, oder die Aufmerksamkeit der Zuhörer von Neuem anfachen, muß überhaupt zur Vollendung der Rede in irgend einer Beziehung beitragen. Nur unter diesen Bedingnngen ist ihr Gebrauch gerechtfertigt. III. Diese drei allgemeinen Grundsätze, die in der Psychologie, Aesthetik oder Rhetorik ihre Begründung haben, anerkannt, lassen sich folgende Normen für den Gebrauch der Hagada in der Predigt im Einzelnen entwickeln. Man wendet eine hagadische Stelle an: 1. Im Erordium, um das Thema vorzubereiten. Sie vertritt hier die Stelle eines I00U8 communis, von welchem man aüSgeht, um die Gemüther der Zuhörer für den Hauptsatz zu gewinnen, oder um dieselben auf ihn hinznleiten. Vergl. Mannheimers Predigten, S. 3. : nd 221; Salomon, Mose's erste Predigt; Holdheim's Predigten über die jüdische Religion II, 90. III. 108. 213; Stein, Kvhelet, S. 81; meine Predigt: die kleine israelitische Bibel nuferer Zeit. Fehlerhaft ist die Anwendung bei Holdheim, II, 49, da die dort gebrauchte Hagada das Schema und die Ausführung in nuce enthält, und daher viel passender als Resume am Schlüsse gewesen wäre. Auch kann die Hagada einen Theil der Predigt, der das Thema weiter entwickelt, einleiten. (Vergl. Mannheimer S. 110.) 2. In der Peroratio oder im Epilog, am Schluffe der Predigt, um die Hauptmomente derselben zu resumiren, und dem Gedächtnisse deS Zuhörers einznprägen. (Vgl.Hvldheim II, 67. 99.13,6,236; 111, 44; meine Pr.: die Lehre des Judenthums über die Beziehung von Juden, zu Nichtjuden.) 3. Als Erläuterung von Bibclstellcn, besonders solcher, die der Prediger in einem bestimmten Sinne gebrauchen will, oder solcher, die verschiedene Erklärungen zulassen. (Vgl. Mannheimer, 184, 352, 359; Salomon, David 287, die Entweihung der göttlichen Namens S. 10; Holdheim III, 37; Stein Kohelet, 7, 23, 49, 131, 313,359; meine Predigt: Israels Sprache, S. 11, 12.) 4. Zur Charakteristik einer biblischen Person, die man behandelt. (Vgl. Mannheimer, 254.) 5. Als historisches Faktum. (Vgl. Salomon, David S. 353; Holdheim II, 67, 94; III, 44; meine Predigt: Judenthum unserer Zeit, S. 6, 7.) 6. AlS Sentenz, um das Erörterte oder das zu Erörternde kurz zusammenzufassen. (Vgl. Mannheimer 75, 108, 151, 187, 194, 305, 377,415; Salomon Moses, S. 12, 84, 221, 317; David, 138, 229; Stein Kohelet, S. 29, 56, 70.) 7. Als Autorität, um das vom Redner Behauptete durch das Ansehen der Alten zu bekräftigen. (Vgl. Mannheimer, 34, 35, 151, 215, 231, 232, 273, 415, 442; Salomon, MoseS S. 147, 252, 281; David, 9, 11, 12, 164, 338; EliaS, 46, 152, 208, 276.) Diese beiden letzten Gebrauchöarten sind die häufigsten und einfachsten. 8. Als Gleichniß und Parabel. (Vgl. Mannheimer, 340, 341; Salomon, Moses, 291; Hvldheim III, 155, 238, 239, 240, 221; Stein, Kohelet, 149; meine Predigt: Schir-Ha Schirim, S. 13.) 9. Als rhetorisches Moment, und zwar entweder wörtlich als Redefigur, oder als Rester des vom Redner gebrauchten Bildes.