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Ben Chananja · 1862-02-14 · 7 (14.2.1862) · p. Seite 53

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
7 (14.2.1862)
Date
1862-02-14
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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VI. Bei der thalmudischen Sprachforschung spielen die Schreib- und Druckfehler eine, leider nur allzugroße Rolle. Was oft Gänsekiel und Preßbengel verschuldet haben, ist mit allem Schweiße nicht wieder gut zu machen. Ein Strichlein rund oder spitzig gebogen, ein Punkt nach oben oder nach unten gezogen, und das Wort ist ein ganz anderes, und der Sinn des Satzes ist ein ganz anderer. — Glücklicherweise hat der Thalmud keinen masoretischen Tert, und der Forscher, der sich eine Emendation erlaubt, kömmt ebensowenig mit seinem religiösen, als mit seinem Wissenschaftlichen Gewissen in Conflikt. Die Halacha, welche mit Borliebe die ausschließliche Pflege der Gelehrten genoß, strotzt von einer Unmasse von Varianten, Lcsearten und Emendationen - - גרסות ,נוסהאות, dem für Sprach- und Alterthumsforschung so wichtigen agadisehen Theil wird erst in neuester Zeit etwas Aufmerksamkeit geschenkt. — Eine systematische Behandlung, wo nicht Uebersetzung der Agada müßte diesen Zweig der Wissenschaft bedeutend fördern. Die Aehnlichkeit mancher hebräischen Buchstaben in der äußern Form konnte leicht Veranlassung zu Jrrtbümern geben. — So mochte תסבריות thesauriis, S eh ä tz c, n r s p r ütt g l i eh הוסוריות gelautet haben, und das , welches Selbst!, ist, wurde mit dem ähnlichen Mitlaute ב verwechselt — אפיפיורין Fußschemmel ist offenbarאפיפידזן bm nndcw zu lesen, so um׳ das oft vorkommende יסום^ Epheu היסיס zu lesen ist. Zuweilen wird ein Schreib- oder Druckfehler verumthec, wo bloß die eigenthümliehe Wortbildung des Thalmud die Form gab — so ist es nicht nöthig גדדוס für גרדום gradus zu lesen. — Es ist bloß die Akkusativform auSgedrückt, wie auch zuweilen die Genetivform ihren Ausdruck findet זרדין , Seile, Stricke .7mדבש הזיפים —;.״ Bienenhonig apum. Bei dem Worce דסטיס Räuber ist das 0 eilt willkürlicher Plural, wie er im Thalmud häufig vvrkömmt. — ES wurde die letzte Sylbe weggelassen — לסטסים klang etwas schwer, und man setzte einfach לסטים, und es kömmt auch in der Form לסטין vor. ----- Auch der richtige Singular mit O findet sich לסטים אהד (Jebamoth 2n). Was die Unwissenheit verschuldete, das war der Kritik noch viel leichter zu eruiren, als waS das halbe Wissen oft dadurch verdarb, daß es in gewohnter flüchtiger Auffassung Stellen verbesserte, deren richtiger Sinn ihm unverständlich schien. Bei einer solchen systematischen Entstellung ist es um so schwieriger, den richtigen Tert;11 konstatiren. Ein Beispiel wird dieß wieder klar machen. Im Traktat Sabbat 118 — heißt es — אמר ר׳ יוסי מעולם לא ׳עבדתי על דברי הבירי יודע אני בעצמי שאיני כהן ,ואם אומרים לי עלה לדוכן אני עולה— Wie wir die Stelle vor uns haben, hat sie schon die Codices in Verlegenheit gebracht, weil doch ein Nichtaronide diese religiöse Funktion nicht verrichten darf. (S. טור und 128 ש״ע א״ה). — Die Leseart ist jedenfalls ziemlich alt, da sie bereits die älter» Kommeutatorcn vor sich hatten; wenn hier ein Fehler obwaltet, so gehört er den Abschreibern noch vor Erfindung der Buchdrnckerkunst. Die Thalmudisten früherer Zeit, welche nach ihrer Gewohnheit auch an agadischen Stellen den Maaßstab der Halacha anlegten, finden nur die Richtübereinstimmuug der Stelle mit dem Vorschriften der Halacha bedenklich. Der neuere Forscher sieht aber noch ganz andere Schwierigkeiten. Der Rabbi hätte mit diesem Aussprache weniger seiner Nachgiebigkeit als der Armuth seines Geistes ein glänzendes Zeugniß ausgestellt. Wahrlich! der ist mehr als ein Simpler, der Alles thut, was andere wollen, und wenn es auch das Unsinnigste wäre. Er weiß selbst, daß er als Nichtkohen, also gleichsam als Laie, zur Duchanfnnktiou weder berufen noch berechtigt ist; allein die andern wollen eS, so muß eS geschehen. Das ist mehr als Nachgiebigkeit und Friedfertigkeit. — Und die Freunde des Rabbi, die doch auch fromme und gelehrte Männer waren, sie verlangen eine solche Unzukömmlichkeit? Nehmen wir jedoch an, daß in der beregteu Stelle das Wort שאיני ursprünglich שאני gelautet habe, und von einem unberufenen Emendator entstellt wurde, weil ihm die ursprüngliche Fassung nicht verständlich war, so sind jedenfalls die halachischen Bedenken behoben, und die Stelle bedarf einer neuen Deutung. Wir glauben nun, der ganze Ausspruch rührt vom alten Rabbi Joße, dem Schüler Rabbi Iochanan ben SakaiS, her, der wirklich Kohen war (Aboth 2). — Er wollte nicht seine Nachgiebigkeit, sondern seinen Anstand rühmen, er habe nienials vor den andern Gelehrten, gegen die er sich gering achtete, voreilig das Wort ergriffen. (Vergl. Aboth 5 עובד heißt hier wir ועבד את הכושי voraneilen, welchen Ausdruck der Thalmud auch in עובר לעשיתן aufgenommen hat); noch weniger drängte er sich zu einer religiösen Funktivn, sondern wartete erst die Aufforderung der Freunde ab. — (Deraehoth 34 erfahren wir, daß auch der Vorbeter erst nach au ihn ergangener Aufforderung seine Fnuktion voruahm, was wahrscheiul. auch beim Duchansegen der Fall war; nur zeigt es beim Koheu von noch größerer Bescheidenheit, weil er doch gesetzlich dazu verpflichtet ist, weßhalb sich Rabbi Joße seines Verfahrens rühmt). Die Stelle muß demnach wie folgt übersetzt werden. — ״Rabbi Joße sprach: Ich habe nie der Aufforderung meiner Freunde vvrangeeilt, ich weiß es doch selbst, daß ich Cohen bin, jedoch nur wenn die Freunde mich auffordern verrichte ich die Duchanfunktion." (Der Ausdruck בעצמי, der bei der rezipirten Leseart unerklärt

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