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Ben Chananja · 1862-02-14 · 7 (14.2.1862) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
7 (14.2.1862)
Date
1862-02-14
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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V. 52 viel zu nachsichtige Aufnahme fanden. Ucber die Art der Behandlung, die ihnen zn Theil wurde, schwebt ein durch Nnkenntniß der damaligen Zeitverhaltnisse nur noch verstärkteö Dunkel, welches durch die sprachlichen Schwierigkeiten der betreffenden Stellen gewiß nicht vermindert wird. Es wäre vergebliches Bemühen, System in den Unsinn bringen zu wollen. Bei der nüchternen, dialektischen, der Fantasie wenig freien Spielraum gönnenden Richtung, welche die Forschungen deS Thalmud charaktcrisirt, liegt jedoch die Vermuthnng nahe, daß viele solche Stelle mehr satprffch als im Ernste ansgesaßt wurden; denn der Humor spielte in den Hörsälen der tbalinndischen Akademien eine wichtige Rolle. — Ein Beispiel wird diese Ansicht erhärten; die Erklärung, welche wir der bezüglichen Stelle geben, wird zugleich auf die sprachlichen Verhältnisse des Thalmnd, denen wir unsere Untersuchung widmen, einen Hellen Lichtstrahl werfen. Des Nachts, d. h. im Finstern, ist es oft bedenkl. Wasser zu trinken, wie leicht wird cm Thicrchcn verschlnngen, welches der Magen nicht so leicht verdaut, als die Millionen Infusorien, die jeder Wassertropfen enthalten soll. — Im Traktat Pesachim 112 wird aber besonders das Trinken frischen QnellwasserS in gewissen Nächten der Woche gefährlich befunden, und alö Heilmittel gegen die Gefahr wird eine Zauberformel mitgetheilt, deren zweiter Theil aramäisch und den Worten nach verständlich, deren e v st c r T heil hing e gen der E r k l ä r n n g s e h r bedürftig ist. — Der ganze Spruch lautet: לול שפן אניגרון אנירד־פון בן כוכבי יתיבנא בין בלועי שמגי אזלינא —• Der erste Theil ist nach unserer Ansicht griechisch und lautet XuXiu ffoq[>»»' itnynor nrnnStvrov. - Die ganze F0rmel könnte ziemlich treu wie folgt übersetzt werden: ״Leeres Geschwätz von Zauberern, ich bin gequält, ich bin anögetrocknet, ich sitze zwischen Gestirnen, ich gehe herum unter Auffehrern der Säfte." — Wahrlich! ein anakreontisches Weinlied könnte nicht besser abgefaßt sein. Der bescheidene Wassertrinker hat wol ein Recht, daß man ihm seine so billige Labung nicht verkümmere. — ״Was füllt# inert mich die Zauberei", spricht er ungefähr, ״mir trocknet die Kehle ans." - Die Zauberer haben gut reden, sie können Kühlung suchen im Wasser, in der Lust, oder wo anders, ich aber sitze hier auf Erden eingepfercht zwischen heißen Gestirnen, die meine Kehle austrocknen und aufzehreu ((Toq«V bedeutet im Griechisch» rvie die biblischen חכמי פרעה , Zauberer). Auch französische Wortbildungen kennt der Thalmnd so אפר pro Wiese 8011 ווי eine kleine Münze 8016 גוישלןהא crue rohe Seide, und findet das mischnaitische הכמה Hebannne in den französischen 8n861׳emn16 seine Analogie. Sobald eine Sprache bei ihrer Wortbildung ans der Unmittelbarkeit der Bezeichnung, wie sie sich durch Lautung, Anschauung und sonstige Versinnlichung bethätigt, heraustritt, und in das Gebiet der Resterion übergeht, sucht sic mehrere Begriffe in eine Bezeichnung;nsamntenzufassen, und bildet Composita. Diese sind für ein Knnstidiom besonderS geeignet, da sie die Deutlichkeit fördern; indem sie die grammatikal. Härten abstreifen, machen sie den Begriff prägnanter. Der Thalmnd hat sonst viele Vorliebe für diese Gattung von Wortsormen, er deutet oft, allerdings im haggadischen Sinne, biblische Wörter alö Eomposita. Es könnten hier unzählige Beispiele angeführt werden, die folgenden mögen zeigen, wie oft viel Witz in solchen Erklärungeu liegt — בפרך wie בפה רך die Egypter bedienten sich anfangs süßer falscher Reden, um die Israeliten ins Joch der Sklaverei zu bringen;במשרות wie שירות .11 בכי (Psalm 68) ans die Ehe bezogen, die bald mit Thränen, bald mit Jubel und Gesang endet, je nachdem die Wahl eine glückliche oder unglückliche war. Die thalmudischen Eomposita sind zuweilen leicht als solche zn erkennen, manchmal ist dies! weniger der Fall, und sind die Wörter nicht selten aus verschiedenen Sprachelementen zusammengesetzt. Einige Beispiele werden uns zngleich als Beitrag zur Erklärung thalmudischer Wörter dienen, so: אמה schätzen!אי מהר ohne bestimmtes Maas;, nach der bloßen Schätzung אפשר möglich אי פשר nicht bestimmt, nicht klar — משהו noch so wenig מה שהוא was es auch sei, ממילא selbstverständlich מן מילא eS liegt im Worte, האירנא heute, הא אירנא dieser Tag (analog dem lateinischen liodie auS hoc die) השתא jetzt *האי שעהאי diese Stunde, אפילו sogar אף אי מ wenn es auch wäre הילמא vielleich הי למא dies warum (analog dem französischen c'cst, pourquoi), אלמא folglich אלא מאי was denn sonst? — כיער wie כאי צד ans welcher Seite, ans welcher Weise, כהי damit, כ~הי wie hinreichend, wie genug oder würdig, אישתקר voriges Jahr dürfte vielleicht mit Elidirung der letzte Sylbe aus שתא קדמא entstanden sein. Vielfach sind die Zusammensetzungen ans dem griechischen <?היו י0״ und hebräischen Wörtern, vielleicht als Ersatz für den griechischen Dual so היומה zweisäulig 2 דיופרא ,דיו עמוד-mal Früchte tragend היו פה׳. In חרקוב vertritt das aram. תהי die Stelle des dvo תרי קב. — Auch sonst kommen Ztisammensetzungen aus verschiedenen Sprachen vor זנהיקנןיא Gefängttißwärter navig dccanus. Der Thalmnd erklärt oft Wörter der gewöhnlichen Konversation alö Komposita, diese sind jedoch von größerer Wichtigkeit für den Geist als für die Sprache des Thalmnd.

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