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Ben Chananja · 1862-02-07 · 6 (7.2.1862) · p. Seite 49

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
6 (7.2.1862)
Date
1862-02-07
Page
Seite 49 (sequence 7)
Language
German
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49 Die Ellern waren gleichwol bei diesem Alte aus äußeren Rücksichten nicht zugegen. In der Trauungsrede unterließ es der Geistliche natürlich nicht, auf die obwaltenden Verhältnisse anzuspielen und dem Bräutigam außer den heiligen Pflichten der Ehe auch die hohen und heiligen Pflichten gegen seinen neuen Glauben an'S Herz zu legen. Der Konvcrtit hat seitdem gezeigt, daß es ihm mit dem Uebertritt in Judenthum wirklich Ernst gewesen, indem er ein fleißiger Besucher der Shuagogc nicht nur au Sabbat- und Festtagen, sondern sogar an den זחן1וג3־־סליהות ist und in seinem Hause mit der größten Gewisscnhastigkcit alle religiösen Vorschriften eines frommen Israeliten erfüllt. Dadurch hat er denn auch den Unwillen seines Schwiegervaters besiegt, so daß dieser bereits öffentlich von ihm Mizwoth in der Synagoge entgcgcnniinnlt und ihn an seinem Tische mit einer gewissen Ostcntation ״N6SUM6N benschen“ läßt. Derartige Uebertrittc znm Jndcnthum namentlich von Christinneu sind übrigens hier im Lande in den letzten 12 Jahren schon häufig vorgekonimcn, während die Taufe eines Juden zu den höchst seltenen Erscheinungen gehört. Hannover, 29. Jänner. Der Zufall wollte cs, daß im Laufe dieses Monats in unserer Gemeinde zwei Jubelfeicrlichkeitcn begangen wurden, indem am ersten desselben der hiesige jüdische Wohlthätigkcilsverein seine hundertjährige, und am jüngsten Sonntage die hiesige israelitische Ncligiousschule ihre 25-jährige Jubelfeier beging. Zu der letzteren halte sich eine so große Anzahl von Zuhörern cingcfundcu, daß das für diesen Zweck bereitwilligst cingcräumte Gemcindelokal dieselben nicht fassen konnte. Letzteres war mit den Bildnissen des Oberrabbincrs, Herrn vr. Adler in London, des Gründers der Schute, des gegenwärtigen Landrabbincrs und des für das Wohl der Schule leider zu früh verstorbenen vr. juriö Moritz Cohen geschmückt. Die Feier selbst bestand in einem Schnlaktus, bei welchem mehrere Schüler deklamirten und der Oberlehrer der Anstalt, vr. W i c ji e r, die Festrede hielt, in wclcher derselbe einen ausführlichen geschichtlichen Abriß über das jüdische Schnlwcscii von den frühesten Zeiten bis ans die Gegenwart gab und nachwicö, wodurch in neuester Zeit das Bcdürsuiß der Gründung bcsoliderer Religionsschnlen immer fühlbarer wurde und auch hier eine solche im Jahre 1837 i»S Leben trat. Nachdem er hieraus die Beßrebungen der unter feiner Leitung stehenden Anstalt geschildert hatte, wclche mit 40 Schülern eröffnet wurde, jetzt deren 109 zählt, und während ihrer Wirksamkeit 454 Zöglingen ihre religiöse Bildung erlheilt hat, hob er die Verdienste der früheren wie der jetzigen Mitglieder der Schulkommission um die Förderung der Interessen der Schule hervor und stattete schließlich dem Oberlehrer, Herrn vr. Frensdorfs, und dem Lehrer Herrn Jndell, von denen jener bis zu seiner Versetzung an die Bildungsanstalt für .jüdische Lehrer Hierselbst im Jahre 1848 und dieser während des ganzen Bestehens der Schule an derselben mit dem segenreichsten Erfolge gewirkt hatte, im Namen der Schule seinen Dank ab. Nach Herrn D1\ Wiener sprach Herr Landrabbiner vr. Meyer über die Bedeutung der Schule für die hiesige Jngeild wie für die Gemeinde, zollte der königlichen Regierung für den Vorschub, den sic der Schule bei ihrer Gründung geleistet hatte, wie dem gegenwärtigen Oberlehrer für seine erfolgreiche Bestrebungen seine Anerkennung und regte zur Gründung einer Art von Fortbildungsanstalt für die der Schule bereits entwachsenen Jünglinge an. in welcher diese ihr bereits erworbenes Wissen auf dem religiösen Gebiete zu erweitern, Gelegenheit finden sollten. Endlich sprach auch noch Herr Jüdell, welchem als Anerkennung für seine während der ganzen Dauer der Schule bewiesene Berufstrene von Seite» der Schulkonimissivn ein werthvoller silberner Pokal und von seinen Schülern aus Anregung des vr. Wiener eine schöne silberne Vase überreicht worden war, für die ihm zu Theil gewordenen Beweise des Wohlwollens seinen Dank aus, und hiermit schloß die erhebende Feier. — Hrn Oberlehrer vr. Frensdorff, welcher nunmehr ebenfalls 25 Jahre in der hiesigen Gemeinde wirkt, wurde von seinen gegenwärtigen Schülern am Abend zuvor ein Ständchen gebracht und gleichfalls ein silberner Pokal überreicht, und von den übrigen Lehrern am jüdischen Seminare ein hebräisches Werk verehrt. Inland. גי. Wien, 29. Jänner. Vorige Woche sollte, wie ich höre, eine Znsammenlretnng von Seite des Vorstandes und der sogenannten orthodoren Partei bei! der Statthaltcrci stattsinden, um über den obschwebenden Konflikt zu berathen. Der Vorstand hat jedoch wiederholt der orthodoren Partei Vorstellungen machen lassen, und auf das Ungcziemende hingcwiesen, daß bei einer weltlichen Behörde theologische Streitigkeiten geschlichtet werden sollen. In Folge dessen wurde die Angclcgenhcit vertagt. — Was auch immer aus diesen Konflikten hervorgehen mag, so viel ist gewiß, die Gemeinde wird sich keinen Unfug, wie er noch in so manchen Gemeinden herrscht, aufoktroyiren lassen. /X Wien, Ende Jänner. Während ein Tagesbefehl eines großen Generals im Süden Oesterreichs den Geist der Gleichbcrechtigung und der Humanität athmet, grollt ans dem Norden die Kunde herüber, daß dem verdienstvollen, allgemein verehrten Prof. Wessely das Recht streitig gemacht wird, als Promotor zu snngiren. Von maßgebender Seite ist jedoch bereits im Sinne des Rechtes entschieden worden. In der hiesigen Gemeinde treten die Gegensätze immer schärfer hervor, vr. Jellinck hielt am Sterbetag Mendelssohn'S mit gewohnter Meisterschaft eine den edlen Weltweisen verherrlichende Rede-, dagegen beschloß die orlhodore Partei, in der Folge nur diejenigen in ihre Reihen anfzunehmen, welche feierlich versprechen, am 9. Ab und Versöhnnngstage unbesticselt in der Synagoge zu erscheinen. Ob ein Orthodorer als Beirath in den Gemeindevorstand treten werde, ist in d. Augenblicke noch zweifelhaft. Hierüber ist jedes Wort eben so überflüssig, als über den Ministerialentwurf, durch welchen das Religionsedikt ds ReichötagSansschnsseS paralysirt werden soll, und der dcui Vernehmen nach kommenden Dienstag dem Reichstage vorgelegt werden wird. V. Ungtlvtsch-Kanischcr, 2. Febr. Die erste Ansicdlung jüdischer Einwohner geschah hier in dem letzten Viertel deö vor. Jahrhundort. Ohne dazu genöthigt zu sein, fanden es die ersten Ansiedler zweckmäßig, ihre Wohnstätten in einem und demselben Stadttheile zu wählen. Sie bewohnten einen Hügel an der Theiß, wo sie bald ein kleines Häuschen erwarben, das bis 1811־ die Stelle einer Synagoge vertrat. In letzterem Jahre wurde das Hänschen eingerissen, und eine den Bedürfnissen der kaum 20 Familien zählenden Gemeinde eutsprechcnde Synagoge erbaut. Die hiesige Gemeinde war ziGjener Zeit faktisch eine Filialgemeinde des Szegediner Rabbiners Hirsch Back. Zur Synagogencinweihung wurde aber auch der Araber Rabb. Chorin becnfen (1812). Im Jahre 1849 verließen die jüd. Einwohner.!mit den nugarischen die Stadt, dieselbe den heranrückcnden Serben überlassend. In demselben Jahre wurde die kleine Synagoge mit dem größten Theile der Stadt ein Raub der Flammen. An eine Wiederherstellung derselben war um so weniger zu denken, als die Stelle, an der sie stand, den seit 1812 durchaus umgestalteten Verhältnissen nicht mehr entsprach. Glücklicher Weise war ein ebenfalls der Gemeinde gehörendes Häuschen von den Flammen verschont worden, und dies wurde in den letzten 12 Jahren als Bethaus benützt. Die nenerbaute Synagoge ist ein recht stattliches, geschmackvolles Gebäude, der inner» Einrichtung haben die neueren Tempel zum Vorbilde gedient. Die am 31. d. M. vollzogene

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