Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 6 (7.2.1862)
- Date
- 1862-02-07
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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44 chen seine Gesetze vorzeichnet, sich gewiß auch in der Schulspräche nicht durch Gesetze binden ließ, anderseits die Schule sich nicht so ganz vom Volksleben emanzipiren konnte. Jedenfalls erleichterte die Verwandtschaft der aramäischen Sprache mit der hebräischen, die erste in die Formen der letzten zu gießen, und jener bekannte und bewährte alte hebräische Grammatiker, welcher der aramäischen Sprache jede Selbstständigkeit abspricbt, und sic bloß als ein verdorbenes Hebräisch לה״ק משובש betrachtet, hatte bei diesem Ausspruche wahrscheinlich die Sprache des Thalmud vor Augen. — Der Forscher darf dieses verwandtschaftliche Verhältniß beider Sprachen nicht außer Acht lassen, dadurch wird er gar viele Worterklärungen auf heimischem Boden finden, die er sonst auswärts sucht. — Die Verwandlung der Buchstaben in beiden Sprachen findet in den einschlägigen linguistischen Werken ihre Erörterung, jedoch so lange nicht die endgiltige Erledigung, als noch nicht der ganze thalmudische Sprachsatz einer kritischen Sichtung unterzogen wurde. In der Regel liebt das Aramäische die weicher» Laute, und wandelt beispielsweise die hebräischen Buchstaben D, לן oder צ ,כ in אבר—עפרת) ע ,ג ,ב Blei, דרגא Stusse von דרך treten, ספג—ספק schlagen ביעא =־- ביצה Ey); im Widerspräche hingegen mit diesem Charakter der Weichheit wandelt sie die hebräischen Zahnlaute in Zungenlaute, so die hebräischen Buchstaben ש ,צ ,ז in פור—בזח ת ,ט ,ד zerstreuen, צלע־- טלע hinken, תבר—שבר zerbrechen). Auch diese allgemeinen Sprachgesetze erleiden wie alle grammatikalischeu Regeln mancherlei Ausnahmen: so verhärtet sich in פקתא Ebene das hebräische בקעה, in הטיבה das Bevorzugte das hebräische דבר חשוב ,השב das, woran man denkt, was nicht so leicht vergessen wird, das Vorzügliche. Dieser Nachweis hat bloß den Zweck, zu zeigen^ wie bei der Erklärung thalmndischer Ausdrücke auf die Sprache der Bibel zurückgegangen werden muß; eine Nvth- Wendigkeit, die selbst von alten Erklärern, welche mit Hellaö und Rom weniger vertraut waren als die Filologie unserer Zeit, nicht genug berücksichtigt wurde. Aruch gibt häufig wie seine Vorgänger bloß die Erklärung, ohne auf die Etymologie einzngehen, und ist oft mit Lesearten in Bereitschaft, welche einer gesunden Sprachforschung als falsch erscheinen müssen. — Ein Beispiel für viele — Sabbat 21 wird ein B a u in b e s ch r i e b e n, auf dessen Zwe igen בענפוהי die בריחי דמערבא ausrnhen. Aruch lieft פריהי und erklärt es wie nach ihm Raschi ״Kranke." — Die Kranken ruhen aber unter den Zweigen aus nicht auf denselben. — Wozu überhaupt die ganze Leseart?בריחי ist soviel als פריחי das Fliegende, die Vögel, die aus dem Westen kommenden Zugvögel halten Raststation ans den Zweigen des am Meeresufer stehenden Baumes. Für Zugvögel ist der Ausdruck פריחי׳—-בריחי bezeichnender als das übliche עוסא. Gar mancher schwer zu erklärender thalmndischer Ausdruck nürde durch Ableitung aus dem Hebräischen seine Bedeutung und richtige Auffassung erhalten. Die vorliegende Abhandlung hat in ihrer engen Begrenzung nicht die Aufzabe, dem Leser Worterklärungen vorzuführen, sie will nur ׳urch einzelne Beispiele die Methode der Forschung kenneichnen; darum genüge wieder ein Beispiel. DaS thalmu- ׳ische רמיש Geld dürfte dem hebräischen ״ רבהgleichen" eine Abstammung danken, insofern das Geld als Aequivaent für alle Maaren angenommen wird, und somit den Übergang vom Tauschin den allgemeinen Handel bezeichret. Die Mutation der Wurzelbuchstaben ist ebenso der wamäischen wie der hebräischen Sprache eigen. אבשיש Maßaroth I.)—באושיש sauere Trauben, חפש—בחש suchen. Daß die aramäische Sprache leicht die Vokale wandelt, wird vol niemand bezweifeen, sie müßte sonst keine orientalische Sprache sein, auch hat sie wie die arabische und griechische wrschiedene Dialekte. (Vergleiche Berachoth 56 שוגרא md שינרא.) Dasselbe Verhältniß findet mit dem so innig verchwisterten Syrischen statt, aus dem der Thalmud nicht ׳loß einzelne Wörter, sondern auch ganze Redensarten entehttt, so בר אוריאן syrisch: oroio, hebräisch ירה Lehren זלגו עיניו דמעור syr.: זלג glänzen. — ״Eine Thräne glänzt in seinen Augen" — אבל קורצי verleumden, denunziren und a. m. Die arabische Sprache, eine reichhaltige Quelle für die Bibeleregese, ist es nicht minder für die thalmudische Sprachforschung. Schon der Thalmudlehre Rabbi Levi spürt mit Vorliebe dem Arabischen nach, und sonst wird oft im Thalmud mit» Midrasch aus diese Sprache hingewiesen und durch sie manches hebräische Wort erklärt. Die thalmudischeu ArabiSmen sind massenhaft, und eS wäre ungeeignet auf Einzelnheiten einzugehen. ES verdient jedoch hervorgehoben zu werden, wie der Thalmud häufig mit hebräischen Wörtern den arabischen Begriff verbindet so: מנהג arab. menhadsch: Gebrauch, Sitte — סייפא arab. saffih. blutvergießen אי סייפא לא ספרא. Der Krieger ist kein Gelehrter (inter arma silent artes) ב1פר wie im arabischen Undankbarer und Gottesleugner, חבה Liebe, איר arab. aid Festtag. (Vergl. Aboda Sora דיכא ,(מאן דתני אידהן לא אישחבש arab: dhib hebr. זאב Wolf (nicht zn verwechseln mit בוגרח ,(רזב vom hebr. בבר reifen arab. bekr ein reifes Mädchen, u. a. m. Die persische Sprache ist ebenfalls für die Erklärung des Thalmud noch nicht gehörig ausgebeutet. Im Thalmud selbst wird manches Wort ans dem Persischen abgeleitet, so דשתנא für das hebr. גרה eine Abgesonderte, descht bedeutet pers. eine öde wüste Gegend, und der Thalmud findet die Analogie in dem hebr. גלמזרה, obgleich die Erklä-