Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 6 (7.2.1862)
- Date
- 1862-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Szegediil, )eil 7. Februar 1862. en (fhamutja. ^fünfter Jahrgang. Öeransgeßer uul) Maklern:: L. Löw, Öficrrafißtucr 511 Sjefletltii. Jeden Freira!z crfrficiitt ein;laiijer Bvgcn. | Man abonnirt bei a.cn Pvftänttcrn und BuchprüniimrriUiansprcis:! Handlungen de!? und Auslandes. Ganzjährig 7 ft., halbjährig 3 ft. 50 kr., Mninslrriplc viereljährig 2 ft. öftcrr. Währ. j sind an die rlidaktion zu senden. Inserate sind an die Redaktion in S;cgediu oder an Hrn. Franz Wagner in Leipzig zu sende». Die zweispaltige Petilzcile wird mir >0 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Die Sprache bcö Tbalmild. V. Ehrmann. — Litcrär-lnftoischcS. V. M. Hartog. — Nekrolog (S. Gaben ui Paris). — Korrcspondenz. (Ausland.) Dänemark. — Hannover. — (Inland.) Wien. — Ingarisch-Kanischa. — Bolechvw. — Großwardcin. — Peft. — Arad. — Bcrchtignngen. iinr •S|1raffjc Des ThalmuD. Bon Daniel Ehrmann in Prag. Der Thalmud bietet sowol bezüglich seines Geistes als seiner äußern Sprachhülle ein so weites Feld für die Forschung, daß, wie auch au vielen Theilen dieses Feldes bunte Blumen und Blüthen, mitunter süße Früchte den Fleiß der Arbeiter lohnen, noch gar viele Strecken ganz brach liegen, und zur Bearbeitung auffordern; ja noch mehr: inmitten der schönsten Aussaat harrt uoch hie und da ein ein-- zelner Fruchtkeim der sorgfältigen Pflege, um zur Reise zu gelangen. Jeder Freund der Wissenschaft muß es daher dem ״Ben Chananja" Dank wissen, daß er — das einzige jüdische Organ — seit seinem Bestehen der detaillirten thalmudischen Sprachforschung so bereitwillig die Spalten seines Blattes öffnete, und bereits durch viele treffliche Arbeiten diesen Zweig der Wissenschaft bedeutend förderte. Die vorliegende Arbeit ist ein schwacher Beitrag zur Klärung der nichthebräischen Elemente im Thalmud, und wünscht weniger die Nachsicht, als die Beachtung und Prüfung der wissenschastlich gebildeten Leser und Fachmänner. Wir lassen der Reihe nach die verschiedenen Sprachen folgen, aus denen das thalmudische Mischidiom Wurzeln, Wortbildungen, Bedeutungen ja sogar ganze Fräsen aufnahm, n.ld können auch bei der Schwierigkeit deS Gegenstandes nicht immer die Gesetze der Aufnahme und Assimilation nachgewiesen werden, so dürste doch mancher bisher mißverstandene thalmudische Ausdruck seine richtige Erklärung finden. I. Die aramäische Sprache stellt zu dem Mischidiom des Thalmud das bedeutendste Kontingent. Sie liefert das sprachliebe Materiale, gleichsam den Rohstoff, der dann durch die Schule mehr nach hebräischem Muster seine Formation, feine ganze Struktur erhielt. S? bildet sich jenes eigenthümliche Sprachprodukt, welches in der Mischna nach seiner ursprünglichen Verkörperung in die Erscheinung tritt, später in der Gemara unter dem Einflüsse einer erweiterten akademischen Thätigkeit und neu hinzugetretener Sprachelemente die leicht erkennbaren Merkmale seiner Fortentwickelung zeigt. Alles, waS im Thalmud nach der Schule riecht, sei es nun halachische Diskussion oder haggadischer Stoff, welcher nach seinem Inhalte oder nach seinem Zusammenhange mit der Schrifterklärung die Beachtung der Gelehrten verdiente, trägt das deutliche Gepräge dieser künstlichen Sprachform, und unterscheidet sich durch seine ganze Fisiognomie von jenen Thalmudstellen, die vom Volke ausgingen und immer Eigenthum des Volkes blieben, oder von der Schule auS ausdrücklich für das Volk ihre Fassung erhielten. Am deutlichsten zeigt sich das bei den thalmudische« Sprichwörtern, die ihrem Wesen nach dem Volke ihren Ursprung danken, und auch ' in der Sprache niemals ihre Abstammung verleugnen, während der Sittenspruch, die Lebensregel, die Marime als Abkömmlinge der gelehrten Anschauung in mischuaitische Formen eingekleidet wurden. Nach welchen Gesetzen bei diesem Sprachprozeß verfahren wurde, läßt sich schon darum nicht streng begrenzen, weil einerseits der 118118 fyrannus, der doch lebenden Spra-