Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-01-31 · 5 (31.1.1862) · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
5 (31.1.1862)
Date
1862-01-31
Page
Seite 41 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542977--2462-2546244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 wehrt werden, einen ihnen entsprechenden WirkungSkreis nnch außerhalb Böhmen'S zu suchen und die ihnen auch in einer nicht b 0 h nt i s cb e« Gemeinde angebotene Stelle als Rabbiner, Prediger oder Lehrer anzunehmen. Nur sind sie für diesen Fall verpsiichtet, die Hälfte des von ihnen während der Zeit ihrer AnSbildtrng zum Berufe, als Unterstützung von der böhmischen LandeSjndenschast bezogenen GesammtbetragS, in angemessenen Fristen und längstens binnen 5 Jahren znrückzucrstatten. 10. Die Repräsentanz behält sich das Recht vor, die hier sestgestellten Bestimmungen mit Rücksicht ans geänderte Verhältnisse und gemachte Erfahrungen ganz oder theilweise zu ändern, oder ganz neue Modalitäten und Bedingungen festznsetzen. Doch sollen die auf Grund der gegenwärtigen Bestimmungen in den Genuß einer Unterstützung bereits gelarrgten Kandidaten an den ihnen zugestandenen Begünstigungen durch eine eintreteilte Aenderung derselben keinen Abbruch leiden. Ludwig Königsberger, Rabbiner in Stcinamanger. Am 14. vor. Monats gefiel eS der Vorsicht, unfern ehrfurchtsvoll geliebten Herr Oberrabbiner Ludwig Königsberger und seinem vielbewegten, fegen- und wirkensrcichcn Leben nach einem mchrwöchcntlichen Leiden in seinem 71. Lebensjahre abzurufen; und hätte ich mir zur Aufgabe gestellt, einen Nekrolog zu schreiben, ich hätte in diesen wenigen Worten meine Aufgabe gelöst; denn wer kennt nicht den Rabbiner Königsberger, um bei der bloßen Nachricht seines Lebenscndcö mit tiefster Trauer erfüllt zu sein! Wer hat ihm je ein Leid geklagt, wer hat ihm je auch nur eine Miene irgend eines AnliegeuS gezeigt, der nicht sogleich den humanen und theilnchmeiidcn Menschenfreund in ihm wahrgenommcn hätte? Allein nicht seine erhabenen Eigenschaften, nicht seine seltenen Tugenden, nicht seine tiefe Gelehrsamkeit, nicht sein unaufhörlichcs Streben für Wohlthun, nicht seinen regen Eifer für Gott und seine heilige Lehre, will ich denen in'S Gedächtniß rufen, die ihll gekannt, und auch jenen nicht sagen, die ihn nicht gekannt hatten; denn 30 Tage find bereits dahin geflossen in dem Strome der Zeit, seitdem das unerbittliche Schicksal die Krone von dem Haupte unserer tiefbctrübten Gemeinde riß, und viele geübte Federn haben in dieser Beziehung das ihrige gethan. Ich bezwecke mit diesen Zeilen nichts als demjenigen Ehre zu geben, dem Ehre gebührt. Der sämmtlichen hiesigen Kultuögemeinde mit ihrer Vorstehung und dem Vorstände der Ehevra Kadischa voran, den öffentlichen Dank und die ehrerbietigste Anerkennung. 17 Tage waren cs, die der Verblichene in unsäglichem Leiden zubrachte, und es war eilt Wetteifern jedes Einzelnen, dem theuern Kranken zu dienen; Tag und Nacht war die Wohnung desselben voll Theilnehmender, und wer dem Kranken nichts leisten konnte, ließ es sich nicht nehmen, Nächte hindurch vor der Thüre zu lauschen, um seine Thränen mit den Seufzern des Leidenden zu mengen. Jtl mehreren Nächtet! tvar die Synagoge voll mit Mänüern und Kindern, die ihre inbrünstigen Gebete gen Himmel sandten, um das Leben des theuern Kranken zu erbitten. Kein Opfer wurde gelebem,!eines war zu groß, um durch AuSlbeilungen an Arme verschiedener Konsessioueu einerseits, turcb medizinische Kunst andererseits das kostbare Leben des theuern Seelsorgers, des geliebten Freundes, des Beschützers der Wittwen und Waisen, deö Hilfe suchenden für Bedürftige zu retten. Ein Koiisilinn! dreier berühmter jüdischer Acrzte, der Herren Doktoren Josef Nobl, Will). Fciglstock, und Will). Goldschmidt setzte seine vielseitig bewährte Kunst gemeinsam in Bcwcgnng , und lelbst dies schien der besorgten Gemeinde nicht genug °, cs wurde ein Professor an der Wiener Medizinischen Fakultät hcrbcigclwlt; allein cs war alle Aufopferung vergebens, und der Lheure hauchte seinen Geist so sanft aus, w sanft unv milde wie sein ganzes Leben war, und cS schien, als hätte der Tod seine edle Seele weggeküßt. Sein Lcichenbegänguiß war ein hier noch nie gesehenes. Mehrere Nabbitten hielten ergreifende Leichenreden: ans nah und fern strömten Mcnschenmaffcn zu, nnd der Leichenzug war, bestehend aus fremden Gemeindennd Chewravorständen, verschiedenen Korporationen, hochgestellten Personen, Begleitern verschiedener Konfessionen, ein nichtendcnwollendcr. Heute nun ist der 30. Tag der tiefen Trauer, die Gemeinde veranstaltete den 1DDH; wieder sehen wir unzählige Leidtragende aus der Gegend zuströmen. Um 9 Uhr Morgen ging die Chewra Kadischa zum Grabe des Verblichenen, das כלנוהר! נכונח zu sagen. Es war ein herzzerreißender Anblick, ein allgemeines Weinen und Schluchzen, ein Wehklagen seltener Art, und cs schien, als könnte mau sich nicht trennen von dem Grabe des geliebten Oberhauptes; um 2 Uhr Nachmittags begann die Tranerfeier, und ob zwar der schwarzdekorirtc Tempcl überfüllt war, herrschte dennoch eine feierliche Stille, welche der Kantor in Begleitung eines aus jüdischen Studenten des hiesigen GymuasiumS bestehenden Männerchores mit dem Absingen des שוירתי brach. Wer vermag nun den Schmerz zu schildern, der sich aller Gemüthcr bemächtigte? Es glich einem Meere, daS in Sturm ansbricht, um seine Wellen gegen H i in m c l zu schlagen. Die vom herben Schmerze aufgeregten G c m ü th er fingen au allmälig ruhiger zu werden, und nun begann Sr. Ehrwürdcn Herr D1-. Zip sec Oberrabbincr ans Rechnitz die Trauerrede. Ist Hr. vr. Zipser allseitig als Kanzelredner gekannt, sind seine Predigten stets der Ausfluß der erhabensten Ideen und der tiefsten Gelehrsamkeit, so war er hier nnübertrefflich. Eine Gedankenfülle, ein reicher Inhalt, sprudelnder Geist und ein Schatz von thalmudischem und fllosofischem Wissen; die Herz- und Gemüth erhebende Sprache des geübten Redners, des erfahrnen Fachniaunes, des mahnenden Freundes, des theilnehmenden Seelsorgers unserer geehrten Nachbargemeinde! — Hr. Dr. Zipser hat sich ein bleibendes nie verlöschbares Denkmal in unserer Gemeinde errichtet. Nach . Vollendung dieser hier unvergeßlichen Trauerrede sang der Choc das שוכני בתי הומר in der meisterhaften zu Trauer stimmenden Snlzer'- scheu Melodie ab, und Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner I. Engelsmann begann die 2. Trauerrede. Es war die herzliche Trauersprache des von Schmerz zerfleischten Freundes, des tiefbetrübten Schülers, des trauernden Schützlings, des betrübten Kindes um den Tod des geliebten Vaters; der sanfte Klang der milden Stimme, das zu Gemüth sprechende Wort, der süße Zauber seiner gediegenen oft von Schmerz brausenden Sprache verfehlten nicht eine Stimmung der rührendsten Trauer hervorzurufen. Den Schluß der Trauerfeier bildete der in polnisch mildsentimentaler Melodie vorgetragene □אל מלא חתמי• Die hiesige Gemeinde begnügt sich jedoch nicht mit dem schönen Bewußtsein, ihren Seelsorger bei seinem Leben geliebt und verehrt zu haben, sie will auch seinen Namen durch eine im Sinne seines Strebens ins Leben zu rufende Stiftung unter dem Namen Königsberger- Verein verewigen. Der Zweck wird ein vielfach löblicher sein. indem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.