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Ben Chananja · 1862-01-24 · 4 (24.1.1862) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
4 (24.1.1862)
Date
1862-01-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znm ״Ben Chananja" Nr. 4. Die Mortitra-Äffaire tut Honter Somit«(. Vor nahe an Hundert Jahren, am 17. Juni 1762, l erließ die Kaiserin Maria Theresia als Königin von! Ungarn die gemessene und strenge Verordnung, daß eS kein (S h r i st w a g e rl d ü r f e, ei n n n m ü n d i g c ö Kino I wider den Willen seiner Eltern zu taufen. Dreizehn Jahre spater, unterm :16. Mai 1775 <Zah! 2062), hat die Herrscherin diese Verordnung folgender Maßen uiodifizirt: ״Unmündige, nicht hinlängliche Vernunft besitzende ״Judenkinder wage kein Christ wider den Willen ihrer El- ״tern, Vormünder und Kuratoren zu taufen, wenn sich ״aber dieselben in äußerster Lebensgefahr befinden, oder ״von Eltern lind Vormünden verlassen sein sollten, so kann ״im ersten Falle die christliche Hebamme ein solches Kind ״taufen, im andern Falle soll dasselbe dem Geistlichen über- ״geben werden, welcher eS taufen und später in der christ- ״liehen Religion unterrichten soll." Da jedoch die in dieser Verordnung enthaltenen Ausnahmen der Proselytenmacherei an unmündigen Kindern Vorschub leisten mochten, erließ Kaiser Josef unterm 19. Juli 1787 (Zahl 24,607) ein strenges Verbot, dem zufolge ״Hebammen und Gebnrtö- Helfer es in keinem Falle wagen dürfen, ein Jndenkind zu taufen. Jede U e b e r t r e t u n g dieses Verbotes soll mit einer Geld ft r a s e von T a u s e n d D u k a t e n oder mit halbjährigem G e f ä n g n i ß g e b ü ß t w e rden." Dem Nebel war aber noch immer nicht gesteuert, und die Verbote mußten von Neuem eingeschärft werden- Unter Leopold II. erfloß am 16. September 1791 (Zahl 17,193) eine nachdrückliche Warnung gegen die Taufe unmündiger Juden, und am 17. September 1799 (Z. 21,703) wurde dieselbe wiederholt, und jede m P r i e st e r, d e r ein Iudenkind ohne E i n w i l l i g n n g der Eltern t a n s e n werde, m i t der A b s e tz u n g 6 st r a f e g e d r o h t. Gleichwol mußte das Verbot im Jahre 1806 wieder in Erinnerung gebracht werden: zwei königliche Verordnungen dieses Jahreö haben dasselbe zum Gegenstände: die eine ist vom 26. August (Zahl 16,442), die andere vom 21. Oktober (Zahl 21,181) datirt. Die letztere klagt auödrück-;ich über die mangelhafte Befolgung der bisherigen Resolutionen: Gum autem cornpertum fuisset, benignam hanc resolutionem, quae circa judaicas proles iuvitis parentibus aut tutoribus non baptisaudas emanavit minus observari.! Im Laufe von 44 Jahren (1762 —1806) sind also zur Abwehr einer fanatischen Gewaltthat nicht weniger als acht königliche Verordnungen erflossen! Seitdem vergingen 54 Jahre, ohne daß die Wiederholung des Verbotes nothwendig geworden wäre; die Zeit der Gewalttaufen schien in Ungarn ein für allemal vorüber zu sein. Mit um so schmerzlicherer Entrüstung wird man folgenden Bericht des Pester Llovd vom 14. d. M. vernehmen. Derselbe lautet wörtlich: ״Katharina Steiner, die 17 jährige Tochter des Keßiböczer*) israelitischen Insassen Jakob Steiner, die schon seit mehreren Jahren immer an GeisteSzerrüttung litt und von ihrem Arzte auch für wahnsinnig erklärt wurde, entwich am 21. v. M. aus dem älterlieben Hause. Nach mehrtägigem Herumirren gerieth sie am 27. v. M. zu Herrn Joses Mezey, Pfarer von Felsö- Tür**), welcher sie alsbald von aller Kommunikation mit Anderen abschloß, um sie in der römisch-katholischen Religion zu uuterrichten. Nachdem der Vater deS unglücklichen Mädchenö dies erfahren, eilte er sogleich zum königlichen Kommissär, welchem er sein Bittgesuch vortrug, daß sein Kind nicht nur minderjährig, sondern laut ärztlichen ZeugnisseS auch wahnsinnig, und als solche nicht im Stande sei, die Tragweite jenes Schrittes zu ermessen, zu welchem sie der benannte Herr Pfarrer aneifcrtc; ferner daß ihm als Vater das Recht zustehe, sein entflohenes minderjähriges Kind zurückzufordern; und bat endlich den Kommissär, er möge gegen den Herrn Pfarrer eine Untersuchung einleiten lassen und demselben die Vollziehung der Taufe untersagen. Der königliche Kommissär gab diese Bittschrift behufs weilerer Verhandlung dem betreffenden Stuhlrichter, welcher den Pfarrer von Felsö-Tür hievon benachrichtigte und ihm anzeigte, saß diese Angelegenheit in richterliche Untersuchung kommen müsse. Trotzdem vollzog der genannte Hr. Pfarrer die Taufe mit größter Eile schon am 8. d. M. und meldete dies dem betreffenden Stuhlrichter mit der Bitte, man möge nun daS Mädchen von ihm entfernen, und für es Sorge tragen, weil er nicht gewillt sei, selbem länger Unterstand zu geben. Der Vater deS Mädchens war mehrere Male in Felsö-Tür, Einlaß zu seinem Kinde zu begehren, erhielt aber allemal eine abschlägige Anttvort von dem Pfarrer, ja, Anfangs leugnete er sogar, daß das Mädchen in seinem Hause sei. Nachdem der ablegirte Stuhlrichter über seine Untersuchung Bericht erstattet hatte, wurde die Angelegenheit dem Komitatsgerichte zur Beschlußfassung übergeben." In einigen ungarischen Journalen wird die Affaire nach dem ״Pesti Naplü" folgender Maßen dargestellt: ״Ein schönes und gebildetes Fräulein jüdischer Religion verließ ihr väterliches HauS, und begab sich znm *) Gin ungarisch-ilovakischcs Dorf im Ho» irr Komitate mit katholischer und evangelischer Bevölkerung. **) Oder Nag» Thur, ein kleineres Dorf als Kcsnl'oez in demselben Komita! mit fast ausschließlich ungarisch-katholischer Bevölkerung.

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