Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 4 (24.1.1862)
- Date
- 1862-01-24
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
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34 katholischen Pfarrer zu Felsö-Tür mit dem Wunsche zur katholischen Religion übertreten zu wollen. Der jüdische Vater, der eilf lebende Kinder bat, belagerte mit seiner zahlreichen Familie und vielen Inden daö Pfarrhaus, und forderte dringend die Herausgabe deS Mädchens. Da der Pfarrer aber durch die mit Hülfe seiner zur Vertheidignng des Mädchens herbeigeeilten Gläubigen über eine größere Kraft verfügen konnte als die belagernden Inden, gab er daö verlangte Mädchen nicht heraus. Da der Vater und die übrigen Juden, wie ans der Berbandlung zu ersehen ist, mehrere unwahre Klagen gegen das Mädchen erhoben, intcrvenirte der Stnhlrichter, befragte das Mädchen, und da er anS ihrem verständlichen und mit schönen Ausdrücken gezierten Vortrage, welcher eine nicht alltägliche Bildung verrieth, sich völlig überzeugte, daß eS ihre Absicht, sei zur katholischen Religion überzntreten, beschloß er, sie zur Rückkehr ins väterliche Hans nicht zu zwingen. — Diese Tage wird das Mädchen in den heiligen Bund der Ehe treten. Wie man nnö berichtet trat vor einigen Jahren sie Schwester dieses Mädchens auch zur katholischen Religion über, und lebt jetzt in glücklicher Ehe." Der Urheber dieses Berichtes hat unterlassen, die Zeit des von ihm dar gestellten Herganges genau zu bezeichnen, wie eö dem Geschichtschreiber nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart geziemt. Gewiß hatte er dabei nicht die Absicht, die Krontrolle seiner Erzählung zu erleichtern. Allein gesetzt, die Erzählung sei sachgetreu, so wird doch offenbar auch durch ihren Inhalt bekräftiget, daß — sehr gelinde gesagt — Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Denn in der Ordnung war eö sicherlich nicht, daß der Pfarrer mit ungeduldiger Hast die Taufe zu einer I vollendeten Thatsache machte, ohne die Vorschrift seiner! Kirche zu beobachten, nach welcher der Taufe der Erwach-! senen der ans den christlichen Glauben bezügliche Unterricht! vorangehen muß: Corpu8 jur. can. C. 58. D. IV. de cons.! (Codc. Laodie. a 372, c. 40. eod. Conc. Carth. V. c. a. 401), 6. 55. 59. eod. (Conc. Bracar. c. a. 572) c. 54. 95. eod. (llhaban c. a. 847). Eben so wenig war eö tu der Ordnung, daß er, ohne sich zu überzeugen, daß das Mädchen 8ni juris ist, im Wiederspruche mit den wiederholten Verboten, welche von Trägern der Krone deö heil. Stefan auögingen, den Taufakt vornahm. Der Stuhlrichter hatte daS Recht, nach dem Geburtsscheine der Katharina Steiner zu fragen; über ihren angeblichen Irrsinn mußte eine sachverständige Kommission entscheiden, der Hr. Stuhlrichter war dazu nicht kompetent. Die angekündigte Verehrlichnng deö Mädchens läßt eine Verführung vermuthen; dieser Umstand hätte aber die weltliche Obrigkeit veranlassen sollen, sich der väterlichen Gewalt anzunehmen. Uebrigens ist der pathetische Schwung, mit welchem der Berichterstatter die Taufe mit der Bildung der ״Dame" in Verbindung zn bringen sucht, w i r k l i ch v e r u 1t g l ü ck t. Einst waren es ״Wunder", durch welche man zur Erbauung leichtgläubiger Leser Inden und Jüdinnen bekehrt werden ließ. Heutzntage soll nun die Bildung die Stelle der in Mißkredit gekommcnen Wunder vertreten. Eine leichtsinnige Romanen- Heldin, die aus dem väterlichen Hanse entläuft, wird, weil man ihr ans ungesetzlichem Wege den Namen Christin verlieh, wegen ihrer hervorragenden Bildung gepriesen! Wer Wird von dem sich hierin aussprechenden Zartgefühle gegen eine auch sonst unterdrückte Glaubenögenossenschaft nicht gerührt sein? O e m e r k n n g e n. Hci-r Dr. M. 11! W. Ergebenen Dank. Alles erscheint nächstens. Hr. W. Herzlichen Dank. Die Berichtigung wird nächstens gedruckt werden. 3ch bitte dringend um das Versprochene. Hr». vr. Z. in R. In der nächsten Nnmincr. Inserat. (3) IC An Altern, *w Israelitischen Altern, welche ihre Kinder zur Anöbildnng nach Pest zu geben gesonnen wären, ertheilt über die recht gute nnd billige Versorgung derselben Auskunft Rabb. Salamon Lolin, Religionsichrer. LazarnSgasse Nr. 11. Die hiesige neuerbaute Synage wird am 31. d. M. Nachmittags um 4 Uhr eingeweiht werden. Die EinweihnugSpredigt wird d. Hr. Oberrabb. Löw in ungarischer Sprache halten. Die eintreffenden Gäste wollen sich wegen ihrer Unterkunft an den Gefertigten wenden. Uugarisch-Äallisch«,, 21. Jänner 1862. Abr«111״am Klein. Gemeindevorsteher. Druck von Sigmund Burger in Lzegedin.