Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-01-24 · 4 (24.1.1862) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
4 (24.1.1862)
Date
1862-01-24
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542976--2452-2546233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

32 größte uild wesentlichste Theil der ersten Vorlesung gewidmet (8—28). Der Hr. Vers, verkennet die Differenzpunkte zwischen Maim. «nd Spinoza keineswegs; vielmehr hebt er dieselben nachdrücklich hervor (8—10). Dies verhindert ihn aber nicht. auf diejenigen Punkte hinzuweisen, welche Leibnitz zur Annahme einer innigen Verwandschaft des SpinoziümuS mit der arabischen Filosofie überhaupt »nd mit dem More ins Besondere fuhren mußten (10-28). Der Hr. Vers, selbst bekennet sich auch zu dieser Verwandschaft. Maimonides, sagt er, kann wegen der von ihm angcstrcbicn Versöhnung der Filosofie mit der Religion der jüdische Male brau che genannt werden; er war aufrichtig wie dieser, und reichte, ebenfalls gleich Malebranchr . unwillkürlich dem Spinoza die Hand (S. 4). Zudem Maim. den Naturalismus Zvn Roschd's 1 widerlegt, setzt er denselben auseinander; solchergestalt wird Spin, in! denselben cingcwciht (S. 26). Die Deduktion, durch welche d. Hr. Vers, zu diesem Resultate gelaugt, ist vollkommen geeignet, diejenigen zu widerlegen, welche etwa geneigt wären, Spinoza wie eine autochthonischc Statue ohne Postament hittznstellcii. und diejenigen zu besriedigen, welche die Quellen nicht kennen, aus denen sich mindestens manche bedeutsame Elemente des Spinozismuö viel leichter erklären lassen, als aus dem More Nebukhim. Abraham Aben Esra ist bis zur Stunde in dieser Rücksicht noch nicht ernstlich zu Rathc gezogen werden. Der kundige Senior Sachs hat in seiner rhapsodischen Weise die Verwandschaft Sp.'S mit A. E. bloß angcdentet (Ha-Techijja 33. 34. Anm.); daß Spin, den Bibelkouimeritar A. E.'S eifrig studirte nnd sich manche bibelkritische Ansicht desselben aneignclc, geht aus dem theologisch-politischen Traktate Kap. 8. deutlich genug hervor. Eine genauere Vergleichung dürfte aber auch zur Entdeckung silosofischcr Affinität zwischen A. E. und Sp. führen. So wird man kaum in Abrede stellen können, daß sich das, was der Hr. Lrf. S. 18. 19. über die Emanation deö mcnschlichen Geistes bei Spin, sagt, wirklich bei A. E. findet: 4. M. 22, 28: והסוד כי החלק לא ישנה ההלק רק גזרת הכל תשנה מרת החלק Zum 14. und 15. Satze der Ethik wird man A. E. l. M. I, 28 zu vergleichen haben. Der intellectus infinitus klingt im letzten Abschnitte deö Jesod Mora und an anderen Stellen durch. Um aber Aben Esra und Spinoza mit Erfolg vergleichen zu können, wird man bei Ersterem Esoterisches nnd Eroterisches sorgfältig von einander scheiden, von seinen wichtigeren Superkomineiltatoren Notiz nehmen müssen, und besonders die änigmatischeli Anssprüche A. E.'S berücksichtigen, von denen sich Sp. ganz vorzüglich angczogcii fühlen mußte. Zn neuerer Zeit war dies bei Nachmali Krochmal, einem tiefsinnigen Hegelianer, der Fall; seine filos. Monografie über A. E. ist jedoch unvollendet geblieben, und das Gegebene ist mit Vorsicht zu benützen, indem er dem A. E. manche Schrift zuschrieb, die nicht von demselben herrührt. Die zweite Abthcilung (29—53) hat die Ueberschrist: ״von dem orientalischen Peripatetismus in seinem Verhältnisse zur Leibnitzischen Filosofie." Der Hr. Vrf. gibt hier sehr lehrreiche Spezialitäten, worunter wir besonders die Nnterschcidnng des Atomismns der Motakallemin von dem des Leibnitz (36—39) hervorheben. Rücksichtlich der These von der fortlaufenden Schöpfung (39—42) wird auch von A. E. 2. M. 3, 2. Einsicht zn nehmen sein. Wie der Hr. Vrf. seine Behauptung, daß der 1. Th. d. More großen TheilS den Motckallemim gewidmet sei, verstanden wissen wolle, können wir nicht sagen. Ihrem einfachen Wortstnne nach wird diese Behauptung durch den Augenschein widerlegt. Folgende Notiz dürfte besonders jüdisch-geschichtliches Interesse haben. Zndcni der Hr. Vrf. von der Wichtigkeit spricht, welche Leibnitz der arabischen Lilerainr beilegte, berichtet er: ״Durch ein bisher nicht berücksichtigtes Detail ans seiner Korrespondenz mit Bossnet wird dies bestätiget. Letzterer hatte ihn ersucht, ihm zum Behufe der von ihm projcktirten Uebersetznng des Tbalmud die Uebersehniigen zu verschaffen, welcher er in Deutschland habhaft werden könnte. Da aber Vossnet ziemlich unwissend im Hebräischen war, so deck! Leibnitz mit einer gewissen Malice einen Lapsus auf, welcher ohne Zweifel der Feder des Hrn. v. Condom entschlüpft war. B. hatte nämlich verlangt, oder sein Vertangen wurde mindestens von L. so verstanden, — daß ihm der Thalmud von Mi sch na übersetzt gescndcl werde; er hatte mithin die Mischna, den ersten und älteren Theil des Thalmud, für einen Uebersetzcr desselben genommen. Bossnet vcrlheidigte sich, ׳,nd beging in seiner Grlebrsamkeit von jungem Dato cinen neuen Jrrthumer gibt ihm daS Verzeichn«)) dreier Traktate der Mischna, und nennt dieselben Bara statt Ba bah, Bara, Bara, Khama, Bara. Metzia*). * Leibnitz sendcre ihm nicht, was er verlangte, thciltc ihm aber mit, daß ein Gelehrter in Breslau den Koran übersetzen werde (31—35)." Bossnet wollte die Uebersetznng des Thalmud ohne Zweifel zu Koutrovcrfen gegen die Juden benutzen, wie denn seine schriftstellerische Thätigkcit vorzüglich der Polemik gegen die Protestanten gewidmet war. Leibnitz wußte jede wissenschaftliche Kundgebung des menschlichen Geistes zu würdige»; die Bekanntschaft mit den Arabern wollte er nicht ans kirchlichem Eifer machen, sondern ans rein humanen, silosofischen Motiven. Möglich ist es indcß, daß Abulfedas Geografie, nach der er sich eifrig erkundigte, auch ein politisches Interesse für ihn hatte, da L. bekanntlich für einen heiligen Krieg der Christenheit mit dem Oriente sehr begeistert war, so daß er 1672 den Franzosen zn einem Zuge gegen Aegypten rieth, während der Kaiser und die Polen die Türken zn Land angreifen sollten. Die Tendenz deö Hrn. Vrf.'s L.'S Filosofie. d. i. seiner wirklichen silosofischen Anschannngen von jeder Vermischung mit orientalischsilosofischen Elementen frei zu wissen, tritt besonders in der dritten Abtheilnng hervor (54—66), wo er mit Ritter polcmisirc, welcher eine ״Umbildung der Theosofie in Metafisik bei dem jungen V a n Hclmont und bei Leibnitz" annimmt. Van H e l m o n t (1618— 1690) hatte seinem kabbalistischen Werke den hebräischen Titel Seder Olain gegeben, welches L. crzerpirte. Eine andere Quelle kabbalistischer Erkenntniß war für ihn der vicrwöcheniliche Umgang mit dem Baron Knorr de Roscnroth in Snlzdach (31. Dez. 1687—1. Feber 1788). S. 62. ist statt Zetzerah Zezira, und statt Nirchmar Ncschama zu lesen; für Milntiye steht das. einmal nriluticzuo. S. 35. des Anhanges wird in der 2. Anm. irrthümlich. behauptet. daß daö daselbst angeführte Seker Elohuth den Titel Sefer Elohim haben müsse, indem Elohuth nicht Gott bedeute. Die Benennung Elohuth kommt nicht nur bei den mittelalterlichen Filosofen, sondern schon i» der Mischna vor: Aboda Zara 4, 7. Diese unbedeutenden Versehen verringern indeß den Werth der vorl. Abhandlungen nicht tin geringsten; vielmehr sind wir überzeugt, daß all diejenigen, welche sich mir mittelalterlicher Filosofie und inö Besondere mit Maimonides beschäftigen, dem verehrten Herrn Verf. für seine vielfache Belehrung und Anregnng aufrichtigen Dank zollen werden. *) So steht wörtlich in der uns vorliegenden Schrift. Außer dem Baba und Bara muß also noch ein Mißverständniß obgewaltet haben, worüber auch der Hr. Vrf. nicht in's Klare gekommen zu sein scheint. Die drei Traktate, welche Manche für Einen Traktat hielten, werden bekanntlich als drei Pforten (Baba'S) bezeichnet, als die erste (Kama), mittlere (Mezia) und letzte (Bathra) Pforte. Szegedin, Leipzig, Arlbstverlag der Redaktion. Kommissions-Verlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szcgedin. Hiezu ein viertel Bogen Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.