Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 4 (24.1.1862)
- Date
- 1862-01-24
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Korrespondenz. Ausland. Kopenhagen, Milte Jänner. Nachdem unsere Spnagogc im Laufe des verflossenen Sommers der Hanptreparation untcrworsen war. wurde sic kurz vor ראש השנה gerade am 30. Jahrestage dcrGrnttdsteinlcgung mit einer angemessenen Feierlichkeiten dem Gottesdienste wieder übergebe». Durch diese Restauration, mit der eine Ausgabe von 16000 Tbaiern verbunden war, hat die Snnagoge bedeutend gewonnen. Das Gebäude ist ansicrdcm mit einem Wärmcapparat versehen worden. Gleichzeitig mit dieser äußeren Veränderung des Gotteshauses hat Herr Oben׳. Di91 .91 .׳. Wolfs einige Veränderungen im Inneren zur Hebung des Gottesdienstes vorgeuommcii. So ist das Namen ansrnfeii zur Thora abgeschafft worden. Anstatt der antiqnirtcn Gcbetstücke יקובם סרקן nebst tei» מי שברך und הנותן תשועה wird ein dänisches Gebet von der Kanzel vorgctragen. 9l11ßerdcm sind dänische Gesänge vor und nach der Predigt an Sabbat und Festtagen cingcführt worden. 9lnstatt der einzelnen מי שברך für Jeden der 9l11fgcrufe11c11 wird nach Vollciidnng der Thoravorlesung ein מי שברך für כל הקרואים היום לתורה gesagt. אנעים זמירות nebst dem מזמור של יום sind an Sabbat und Festtagen aus den 9lnfang des Gottesdienstes verlegt worden. Inland. Arad, Mitte Jänner. Am 25. Dezember V. I. wurde vom hiesigen israelitischen Humanitäts-Vereine unter Vorsitz des Protektors und Gemeindepräseö Herrn Ignatz Deutsch die statutenmäßige Generalversammliilig abgehaltcn, und entnehmeu wir dem amtlichcu Vorträge folgende Daten. Die ökonomischen Verhältnisse des Vereines werden' im Ganzen nicht als ungünstig bezeichnet, sind aber dennoch nicht in dem Stande, um den durch die herrschende Thencrung vermchrten 9lnfordernugcn, die an den Verein gestellt werden, genügen zu können. Im VeretttSjahrc ,8'i0/, wurden 40 911111c mit 2.2Klafter Brenn- Holz, im Kostenbeträge von 146 fl. 20 kr., 68 9lrmc mit 251 ft. baarem Geld bcthcilt, 27 arme Schüler der hiesigen isracl. Haupt- und Nnter-Realschnle theilS ganz, theilö mit dem Nvthwcndigstcn bekleidet, wofür 103 fl. 3 kr. verwendet wurden. Zur Vergrößerung des Fondes ist eine Snpskription nntcr den Vereinsmitgliedern cingeleitct worden, welche 356 fl. ergeben hat; der löbl. Gemcindc-Vorstand hat den Beschluß gefaßt, von jeder Jnkorporationsgebühr >0°/״ dem Vereinöfonde zu widmen, wodurch derselbe in diesem Jahre 44 fl. solcher Taren erhalten hat, ferner hat der Ansschuß ein äußerst glänzend allsgestattetes Gedenkbuch cingcfiihrt, welches den Gcmciude- und Vereinsmitgliedern bei Gelegenheit von Familienfesten mit der Bitte um milde Spendeu für den Vcreinssond ins Hans gesendet wird. Das Gedenkbuch besteht erst seit Mai 1861 und find in demselben bereit?0 fl. zu Gnnstcn des Fondes gezeichnet und gezahlt worden. Im Ganzen ist der Fond in diesem Jahre um 540 fl. ö. W. gestiegen. Dem Berichte über den Stand des Fondes cntnchmen wir auch, daß Herr Josef Herz der Gründer desselben ist, und in Anerkennung der Verdienste, die er sich hiedurch erworben, in der General-Versantmlung vom 25. Dezember 1869 zum lebenslänglichen FvndeSvcrwalter ernannt wurde. Zum Schlüsse der General-Versammlung dankte der präsidirende Vereins-Protektor. Gemeinde-Präses Herr Ignatz Deutsch dem 9luüschluß-Präses Herrn Heinrich Blau lind allen Mitgliedern des Ausschusses für die eben so umsichtige, als erfolgreiche Verwaltung der inneren Vereins-Angelegenheiten, und allen Vereins-Mitgliedern für die großmüthigen Opfer, die sie zur Linderung von Noth und Elend gebracht. Die Neuwahl des 9lnsschnsscs für das Jahr 1862 ergab folgendes Resultat: Ausschuß-Präses: Heinrich Blau, Kassier: Bernhard Roth, Sekretär: Leopold Rosenberg. Der 9lusschuß besteht aus 10 Mitgliedern. Ltteriirifche Anzeigen. Leibniz la philosophie juive et la cabale par A. Foucher de Careil. Trois lectures a 1’ Academie des Sciences morales et politiques avec les uianuscrits inßdits tle Leibniz. Paris. Aug. Durand. 1861. 8. 75. und 54. Beil. Vorliegende Schrift entspricht ihrem Inhalte nach nicht ganz genau ihrem Titel, indem sich der Herr Verfasser gestattet hat. den Maimouidischen More schlechthin als die jüdische Filosofie zu bezeichnen, eine Bezeichnung, welche er später ans Spinoza'ö theologisch-politischen Traktat überträgt (S. 7). Der gelehrte Herausgeber der Leibnitzischen Werke, Gras Foucher de Earetl, hat nämlich, wie wir bereits gemel« det (B. Eh. 4. 415). in der Bibliothek zu Hannover die Handschriftlichcn 9l»Szügc entdeckt, welche von Leibnitz ans dem More gemacht wurden. Diesen Auszügen ist milt das vorliegende Mömoirc gewidmet. ״Indem Leibnitz", heißt es in der Einleitung S. 2,, ״den Führer der Verirrten crzerpirt, und zwar zu einer Zeit, welche den EartcsianiSmnö bereits hinter sich hat, ist es die Geschichte der Filosofie, welche auf dem Gebiete des reinen Gedankens erscheint: es ist der 9lrabismns, Judaismus und Ehristianisuins, welche in dem Pnnkte, in welchem sie übcrciustinimen, aufgcfaßt, und in ihren gegenseitigen Beziehungen studirt werden. Von der Höhe des Buches schwebt der Geist Leibnitzen'S schon über dem Oriente. Leibnitz warf sich ans daö Buch des MaimonideS, las es und war davon entzückt. Begierig wie er war, die alten Spstenic zu kennen, und indem er die Bewegung des Geistes überall heransspähte, und die Wibcrstanbstraft des Jndenthnms und dessen Bündniß mit dem 9lrabismus im Mittelalter ahnte, konnte er, nachdem das Buch zngeschlageu war, nicht umhin, mit sich selbst zu plaudern, und in sein Nottzbuch zu verzeichnen: ״Gewiß, es ist Gutes, viel Gutes in dem Buche enthalten, es ist einer aitfmerksameu Lektüre würdig. Maimonides ist ein hervorragender Filosof, ein ausgezeichneter Mathematiker, und sehr gewandt in der Heilkunde und der h. Schrift.*) So nrtheilte Leibnitz, nachdem er den More anfmerksam gelesen hatte. Bruno Bauer, der dies nicht gethan hat, meinte, daß Mail», ״mit seiner unklaren, verworrenen und knechtischen Sofistik nur ein Gegcnstaud der Kuriosität sein könne," und daß er ״die schlechthin bedcntiingsloscn Satznngcu der Tradition in verworrene Sandhaufen zusammen und auseinander wirst lJndensragc S. 83)!" Indem Hr. F. d. E. ans den Gegenstand seiner 9lbhandlnng selbst übergeht, stellt er sich drei Fragen: 1. Welche 9lrt von filososischem Interesse konnte L. bei der Lektüre des More Ncbnkhim finden? 2. Mie hat er den More ausgefaßt und in seinen Noten auseinander gesetzt? 3. Welche» Gebrauch beabsichtigte er davon zu machen? welche Frage sollte dadurch gelöst werden? Zu welcher Klasse von 9lrbeitcu gehören die Noten? In der Beantworlnng wird der letzte Theil der dritten Frage mit der ersten ziifammeiigezogen: Leibnitz stndirte den More mit lebhastcm Interesse, indem er dadurch mit der Filosofie und Thcologie der 9lraber bekannt wurde. Die Erkenntniß dcö 9lrabismuö war für ihn um so wichtiger, als sich ihm dadurch die Ursprünge des Spinozismus offenbarten. Seine Auszüge ans dem More gehören also zu seinen 9lrbeiten über die Ursprünge des Spinozismns nnd dessen Verhältniß zur jüd. Filosofie. Zn derselben Kategorie gehören auch seine Bemerkungen zu Georg Wachter's Buch ״von der verborgenen Filosofie der Hebräer," welche der Hr. Verf. 1854 herauögab. Dem Zusammenhänge des Spinozismus mit dem More ist der *) Möglich. daß der jüdische Mathematiker Rafael (geft. 177g zu Hannover tu einem 9llter von 08 Jahren), der L.'S Schüter, später dessen Freund und 9lrbeitsgeuosse war, L. aus die Wichtigkeit des More aufmerksam gemacht hak. Gnhrauer sagt von R.: Er war ein von allem Eigennutz und aller Eitelkeit entfernter Greis; man wußte in Hannover. daß er ein ihm höchst wertheü Bilduiß von Leibnitz besaß, und daß der Fall vorkam, da ein eifriger und sehr reicher Liebhaber von Portraits ihm ein ansehnliches Geld dafür bot, aber nichts weiter erreichte, als die Erlanbniß, eine Kopie davon zn nehmen (L.'S Biogr. 2. 369). R. war es auch, von welchem Johann Heinrich Voß zum Grabe L.'s begleitet wurde; sonst konnte oder wollte ihm Niemand die Stelle zeigen, welche L.'s irdischen Ueberreste barg (das. 373).