Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 4 (24.1.1862)
- Date
- 1862-01-24
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
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29 den weiter im Osten wohnenden, wo er durch Wissenschaftlick gebildete Glaubensgenossen vermittelt wird. Schon der Ausgangspunkt ׳ moderner Bildung und Gesittung war hier verschieden von dem der östlichen Stammeögenossen, wo die erste Anregung durch einen großen jüdischen Geist und Charakter, durch Mendelssohn erfolgte, wahrend wir hier mit ganz Europa durch eine Welthistorische Begebenheit, durch die französische Revolntron, inS moderne Leben eingeführt wurden. DaS hatte namentlich in politisch-sozialer Beziehung seine Vorzüge. Für die Entwickelung deö JudenthumS aber hatte cS auch seine großen Nachtheile. Ein regenerirteS Judenthum eristirt hier nickt, obgleich Reformversnche wol gemacht worden sind. NnS ist die Reform des JudenthumS von Außen, vom Osten her gekommen, nachdem alle unsere strebsamen Geister sich bereits von der jüdischen Lehre und dem jüdischen Leben abgewendet, der allgemeinen Kulturströmung zugekehrt hatten, nachdem nichts mehr vom Judenthum übrig geblieben war, als die tobten Neste einer überkommenen Werkheiligkeit. DaS Bedürfniß einer innern Fortentwickelung deö IndenthumS fehlt daher hier fast gänzlich. Ein's nur rette! uns: כד ישראל־1 ערבים זה בזה. Auch wer schon ganz in der allgemeinen Kulturströmung dem Judenthum entflohen zu sein wähnt, wird es im Leben selbst gewahr, daß er, als geborner Jude, und stünde er auch dem Judenthume noch so fern, für den Bildungsgrad seiner zurückgelassenen Brüder verantwörtlich ist. Diese Verantwortlichkeit zwingt ihn, die Hand zur Fortentwickelung deö JndenthumS zu bieten. Mau sucht sich freilich zunächst die Sache so leicht alö möglich zu machen, und begnügt sich mit Scheinreformen. Aber der Anstoß ist einmal gegeben, und מתון שלא לשמה בא לשמה. — Am Schlimmsten ist eö da bestellt, wo dieser erste Anstoß noch fehlt. Ihr kölnischer Korrespondent, der über die dortige Synagogeneinweihung berichtete, hatte vielleicht den Fehler begangen, zn persönlich auszutreten, und dadurch eine noch persönlichere Vertheidigung zu prononziren, die Sie genöthigt hat, eine unerquickliche Polemik abznbrechen, welche für ein größeres Publikum keinerlei Interesse haben kann. Die kölnischen Zustände sind nicht schlimmer, als die mancher andern rheinischen Gemeinde, und noch lange nicht so schlimm, als z. B. die Bonner Gemeindeverhältnisse. Wenn es Jemand der Mühe werth hielte, den Bonner Rabbiner wegen seiner Unthäthigkeit öffentlich zu tadeln, so würde dieser sicher noch weit weniger ״Geschick, Lust und Zeit", als der Kölner haben, sich zu verantworten, und sollte er auch nur seine Namensnnterschrift zu seiner Vertheidigung geben. Der Bonner Rabbiner, der freilich definitiv angestellt, ist, thut seit fünf und zwanzig Jahren nichts, alö seinen Gehalt einziehen; und wäre nicht in diesem Augenblicke ein junger Mann ans Ostpreußen in Bonn, der neben seinen Studien das Amt eines jüdischen Elementarslehrers versieht, so wären die ärmern K'ndcr der Gemeinde ohne jüdischen Elementarunterricht, da die wohlhabenden keines solchen Unterrichtes bedürfen, oder ihn gelegentlich zu Hause durch den חון oder שמש empfangen. — Nur bedeutende Rabbiner, die ebenso tief vom Geiste des JudenthumS, wie vom modernen humanistischen Wesen durchdrungen, ebenso bewandert in der jüdischen, wie in der klassischen Literatur alter und neuer Zeit sind, vermögen das völlig im Absterben begriffenen rheinische Judenthum wieder zu beleben. Solche Manner können uns nur noch aus den östlichen Provinzen zugeführt werden, wo das Judenthum genöthigt war, sich von Innen heraus geistig zu regeneriren. Früher oder später werden auch alle größer» occidentalen Gemeindell diese Noch- Wendigkeit einsehen. So hat die große Amsterdamer Gemeinde vor einigen Tagen einen tüchtigen jüdischen Gelehrten ans Krakau, der in Bonn seine kultur-historischen Studien gemacht hat, zum Direktor eines neu zu gründenden jüdischen Seminars ernannt, welches seiner ganzen Anlage nach eine große Rolle in der Entwickelungsgeschichte deö occidentalen JudenthumS spielen dürfte. Mltäjc!’)Ut thMMschm ", '' ״ uni) MerUjumsfum&c. 138. ״Auf das Horn des Ochsen schreiben').״ B. Bon Rabb. Dr. 91. H ü b sch in Prag. Bei Erklärung dunkler Ausdrücke in. den Thalmnden und Midraschim muß nnö der Eiccronische Satz leiten: ״Graecis licet utare cum voles, 8i te latina forte deficicnt“ d. h. ans unsere Sache angewendet: wo uns das Erbgebiet des jüd. Geistes keinen Boden entdecken läßt, in welchem der Keim zn dein fraglichen Ausdrucke wurzelt, da haben wir cö mit einer erotischen Pflanze zu lhnn, die sich hier eingebürgert hat, und auswärts ist ihr Ursprung zn suchen. Es gilt dieses vom Worte sowol als von der Fräse. Die Berührung nnt den Griecheu übte nicht geringen Einfluß ans die Entwickelung des sprachlichen Elementes und wollte man ans den Thalmnd und Midrasch alle griechischeu Worte anöscheidcn, cS entständen da Lücken, die sich scha׳eclich mit den cingcbornen Wurzeln der Sprache ansfnlleu ließen. Leicht läßt sich die fremde Wurzel, schwerer die fremdländische Fräse erkennen, bei der erstcrn fordert das Ohr sofort den Geist znm Nachdenken ans, bei der letzter» hört es den vertrauten Klang der heimischen Rede, es überantwortet dem Geiste daö Gehörte als heimisches Produkt, und die Wahrheit schlummert so lauge, bis der Geist nicht selbstständig auf den lautlosen Gedanken hört und das fremde in demselben heranssühlt. Eine gründliche thalmndische Frascologic, wo Ausdruck und Gedankcn ihre gehörige Würdigung fände», könnte BieleS beitragen znm Bcrständnisse des Nichtverstandencn, zur deutlichen Erklärung des von Rabb. Zochanan wiederholt gebrauchten Satzes ״die Sprache der Schrift für sich, die Sprache der Chachamim für sich — Ein gelehrter Mitarbeiter deö ״Ben Ehan." hat in Nr. 41 des vor. j. d. Bl. auf eine solche Fräse aufmerksam gemacht, sie sindet sich jec. Eliag. Abschn. 2. Rabba zn Gen. 8. 44 n. zu Levit. 3. XV. ״Schreibet ans das Horn des Ochsen ihr hättet keinen Anthcil an dem Gotte Israels." Tanchuma: (Lev. Abschn. Thazria Schlagw. בהרת) hat schon eine erklärende Umschreib, in diesem AilSdr.: ״בהרת זו יון שהיתר. מבהרת על ישרי 3 ואומ מי שיש לו שור יהקה על קרן השור וכיi«. Bär Koh. ,מתנו כהוגי) zu Rabb. 1. c.) 1mt> R. Sam. Aschken. (יסר. תואר zu Zer. Ehag.) folgen dieser Parafrase. Wir theilen hier mit, was wir schon vor längerer Zeit darüber »otirt habe»: der Ansdruck wurzelt lief im griechischen Geiste, in der grichisch-religiösen Anschauung: den Jupiter hat die Ziege Amatthea gesäugt, das Horn dieser Ziege schenkte Jupiter seiner Pflegemutter Amalthea, einer Tochter des Meliffnö, Königs von Ereta; diese konnte aus dem Horne nehmen was sie wünschte. Es blieb das AfiaX&ata?1‘ bei den Griechen, später das ״comu copi»“ 555416