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Ben Chananja · 1862-01-24 · 4 (24.1.1862) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
4 (24.1.1862)
Date
1862-01-24
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 heit grenzte, und die ihm viele Feinde und Uuauuehmlichketten zuzog, trieben ihn in die weite Welt, von Ort zu Ort. In vielen italienischen Gemeinden versuchte er sich niederzulassen, um sich mit Privatunterricht und Schriftftellcrei zu 'ernähren, aber er konnte niemals über sich gewinnen, seinen freien Geist und seine Zunge im Zaume zu halten. Er schonte weder die Reichen, deren Schutzes und deren Beiträge er so sehr bedurfte, denen er auch öfters mit Gedichten seine Aufwartung machte und seine Schriften widmete, noch die Rabbincn, an die er verfängliche, nichts weniger als ehrerbietige Casualfragen stellte, um die damals untastbaren religiösen Gebräuche, mit denen er'S, gelinde gesagt, nicht sehr genau nahm, lächerlich zu machen. Dies erregte den öffentlichen Unwillen, und verursachte unter seinen strenggläubigen Religionögenossen ein solches Aergerniß, daß die Vorsteher mehrerer Gemeinden ihn auS der Stadt verweisen ließen. Er war indeß ein sehr tüchtiger Lehrer, und ein fruchtbarer Schriftsteller in mehreren Sprachen. Seine Schüler, die er an sich zu fesseln verstand, waren auch seine Gönner. Seine hebräische Muse besang, wie eö in Italien und besonders in Piemont üblich war, alle fröhliche und traurige Ereignisse, Geburten, Hochzeiten, Sterbefälle wohlhabender Glaubenöbrüder, die ihn mit angemessenen Gaben hononrten. Auch die Weltbegebenheiten, die in jenen Zeiten einen reichlichen Stoff darboten, hauptsächlich die von Napoleou vollbrachten Thateu, benutzte er, um die Anfmerksamkeit hochgestellter Männer auf sich zu lenken. Dieser Umstand und seine gründliche Kenntniß sowol der hebräischen als der italienischen Sprache, die er mit großer Leichtigket handhabte, haben seine Gedichte und sonstigen Schriften belletristischen Inhaltes zu einer ziemlich bedeutenden Zahl steigen lassen. Ich besitze viele unedirte Stücke von ihm, theils autograf, theilö von mir selbst auS seiner Handschrift abgeschriebeu. Autograf habe ich seine hebräische Uebersetzung des TemistvkleS, eines der gefeiertesten und beliebtesten Schauspiele Meta stasi o's, die Uebersetzung des ״Essay's of man" von Pope, einige Gelegenheitögedichte, 'eine kurze hebr. Grammatik, und die italienische, prosaische Uebertragung des בתר מלכות Gabirol'S"). — Die hebräische Übersetzung der M e r o p e von S c i p i o n e Massei, deö gelungesten aller gleichnamigen Trauerspiele von Torelli, Voltaire und Alfieri, viele hebräische und italienische größtentheils unedirte Gedichte und Uebersetzungen liturgischer Stücke, theils poetisch, theils prosaisch, besitze ich nur iu einer von mir selbst gemachten Abschrift. Einige von diesen Gedichten liefern einen neuen Beweis für seine weitgehenden, langjährigen Wanderungen. Das geschwänzte Sonett, womit das ׳..שא בערב endigt, findet sich auch in dieser Sammlung mit einer kurzen Ueberschrift, die feine frühere Ruhe und seine darauffolgende Angst u. Flucht bei einem Thronwechsel und der von dems. verursachten Gräuel tu dem marokkanischen Kaiserreiche in weuigen Worten ausspricht 3); ferner eine akrosttsche Elegie, in gereimter Prosa, nach dem Geschmack deS Landes, dem er schmeicheln wollte, wahrscheinlich um sich die Gunst jener ansehnlichen Gemeinde zu verschaffen, beim Ableben deS R. Jehuda Kuriat, Oberrabbiners zu Tetnan, den er auch im משא בערב erwähnt. Von da kam er nach Holland und Deutschland, und überall, in Amsterdam, im Haag, in Berlin, in Hannover und in anderen Städten, diente ihm die hebräische Poesie als Einführerin zu den einflußreichen oder freigebigen Männern, und Dolmetscherin seiner Dankbarkeit für die ihm erwiesenen Wohlthaten. Ein langes Gedicht schrieb er, untern andern, zum Lobe und Preise der M e a s s c f i m 4), und ein Sonnctt an den berühmten David Friedländer, dem er für den gewährten Beistand herzlich dankt. In einem andern Sonette beweint er den Tod MendelSsohn'ö, deffen hohen Verdienste er sehr lrefsend würdigt 5). Er war auch in Frankreich. In Lille schrieb er auf Verlangen ein Sonett zur Ehre deö GesetzgebungSfesteS. ES scheint, daß sein poetischer Ruf ihm manchmal voranging, da er in letztgenannter Stadt sogleich nach seiner Ankunft bestürmt wurde, eine Probe seines dichtenscheu Talentes zu geben. In hebräischer Prosa findet sich in meinen Händen — außer einer langen, von ihm auf Befehl des israelitischen Vorstandes zu Genua, 1862 (das einzige Datum dem ich begegnet habe) verfaßten Inschrift, die den Platz eines alten Friedhofes genau bezeichnet, um davor die Cohanim zu warnen: ein seltsamer Auftrag für einen Freidenker! — nur noch eine merkwürdige, sehr scharfe Kritik auf das Gedicht für das Erdbeben (מזמור?!תורת אתר כלות הרעם וישב לדממה) erschienen im ersten Quartal deö Meassef 5509 (in diesem Jahre und in dem folgenden war Romanelli vermnthlich in Berlin, wo er einige Schriften veröffentlichte), welches anfängt: הרעש בסא1ן הלך וסער über welches, wie überh. über die hebr. Versifikation der Deutschen, er unerbittlich den Staab bricht. Das Opus spricht nach ihm allen Regeln der Dichtkunst Hohn, was er der schlechten Aussprache des Hebräischen zuschreibt. DieseS Gedicht, das er, nach einer kurzen, gutgedachteu Einleitung, Wort für Wort auseiuaudersetzt und vieler grober Sprachfehler zeiht, hat er, nach den guten Regeln der Sprache und der in Italien befolgten Prosodie, glücklich umgearbeitet. Es fängt an: הרעש הסוא! ברתת וסער משתן היל אחז שדה הער. Ich kehre zu den dramatischen Uebersetzungen zurück. Sie sind in dem Versmaß der Originale gegeben. Jedes Gespräch im Temistokle endet, nach dem Italienischen, mit zwei gereimten Versen, und jeder Auftritt mit einer Ariette, einer Art Liedchen'ö, das mit den ernsten, eilfsilbigen, ungereimten Versen des Ganzen, lieblich absticht. In diesen langen Versen ist die Merope vom Anfänge bis zum Ende wiedergegeben. Der Uebersetzer hatte mit großen Hindernissen zu kämpfen, die er meist mit vieler Gewandtheit zu überwinden wußte. Da er das יתר, außer in der ersten Szene des TemistvkleS, wo er es :weimal in jedem Verse (ב׳תייעזה .יתד ,ב׳חנועות ,יתר ,בתנועות) einführte, vermeiden wollte, vermehrte er noch diese Schwierigkeiten, indem er sich verpflichtete, jedes Wort anszuschließen, wo ein Schewa oder ein Chataf vorkommt, oder das Schema Na und die Chatafim in Schewa Nach .willkürlich umzuwandeln. ES kostete besonders viele Mühe, und eS gelang ihm nicht immer, moderne Gedanken, Begriffe und Redensarten mit hebräischem Gewände so zu umhüllen, daß das untere italienische Kleid nicht durchfcheine, und diesem

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