Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-01-17 · 3 (17.1.1862) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
3 (17.1.1862)
Date
1862-01-17
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542975--2441-2546220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 -mg bekleidet. Ein Schüler des שמן רוקה wie des Elcasar Straffer, der bereits im ״Ben Ebananja" einen Biografen gefunden, war der Verewigte ein scharssinniger Thalmndift, reich belesen in jedem Zweite rabbinischcr nnd jüdischer Literatur, der meifterbast die heilige Sprache zu handhaben, aber auch ein korrektes nnd zierliches Deutsch;11 schreiden verstand, obschon er in dieser Sprache völlig Autodidalk gewesen. Mit diesen hervorragenden geistigen Vorzügen vereinte der vollendete den biedersten ('*fmraftcr; nnaehenchclte Fröinmigkcit erfüllte seine Seele, nnd der glühendste leiser für seinen Glauben dnrclidrang sein Geninth. Nicht zn schildernde Qualen nnd Körpcrlcidcn bcnaten durch drei Iabrc fast seinen Geist darnieder ׳, er starb an einer Nicrcnkrankbeit ׳. aber die Macht seines unerschütterlichen GottvertranenS vermochte ilm, sich über sein unsäglich Ungemach 1;׳t erheben. Die Bestattung der irdischen Hülle fand am ö. d. M. ans eine äußerst würdevolle und feierliche. den Hingeschiedenen wie dessen Gemeinde ehrende Weise statt. Bier Rabbinen sprachen an seinem Sarge: die der Nachbargcmeindcn Eisgrub nnd Kostl; ferner Herr l)r. Fcnchtwang ans Nikolsbnrg. der den Verblichcncn nicht kannte und mit dem Worten: אספרה!כבודך ולא ראיחיך begann; dennoch aber verstand er alle Herzen zu ergreifen, indem er den Nabbiner überhaupt als Bater, Freund und Lehrer darznstcllen, nnd das ticke Weh lebhaft und mit vieler Innigkeit zn schilder« verstand. das das Scheiden desselben wach ruft. Auch der den Lesern des ״Ben Ehananja" rühmlich bekannte L>1׳. Dnschak ans Gapa sprach am Sarge des Bcrcwigtcn. Wie dieser zn Triesch geboren, war er in der Jugend einst dessen Schüler; er stand daher dem Berblichencn näher, kannte alle Stadien seines Lebens °, dies benützte er, nnd mit völlig überwältigender Nede, die alle Gcmüthcr beherrschte .יי schilderte er ilm als Abkömmling wahrbaft gottcrfülltcr Männer, zeigte, wie Wisscnschast nnd Tugend die Leitsternc in allen Fasen seines Lebens gewesen, nnd als geschulter Redner verstand er zn allen seinen Darstellungen höchst sinnreich passende Stetlen ans dem Wochcnabschnitte בשלח 'D zu benutzen. Der Eindruck beider Redner war ein m ä ch t i g c r. Am Grabe gab noch Oicfcrciit seinen Gefühlen als Freund nnd Verehrer des Bcrcwigten tote im Namen der ihm anvertrantcn Schule in Worten Ausdruck. Sonntag am 12. dieses ward noch ein Tranergottesdienst veranstaltet, und Herr Gricgcr, Rabbiner zu Damboritz, hielt in der schwarz dekvrirleii Synagoge eine im blühenden Stple abgcfaßtc nnd uiit tiefem Gefühle vorgetragene Siede, worin er die Verdienste des Verewigten, seines Freundes, mit lebhaften Farben schilderte.' Der Verblichene hintcrläßt eine tiefgebeugte Witwe mit sechs Kindern, von denen die älteste Tochter an den Rabbiner zn Zala- Egerßeg in Ungarn verheirathct und der älteste Sohn biuiicn kurzem als Dr. der Medizin promovircn wird. Die Gemeinde zn Lundcnbnrg zeigte sich bei dieser Gelegenheit als höchst nachahmungöwertb. Eine Kollekte für die Hinterbliebenen ergab die namhafte Summa von mehr als 1100 fl. ö. W. So bewährt sich jederzeit in rühmlicher Weise der dem jüdischen Volke angestammte Edelsinn: , □ב״י רהמני חסדים■ Möge sie Gott segnen alle die Biedern, die eingedenk ihrer Menschen- und Glaubenspflichten Wohlwollen übten an dem Tode« wie an dessen Zurückgebliebenen. Lu ndenburg, dm 12. Jänner 1862. David L ö w y , Oberlehrer. Korrespondenz. — Wien, Mitte Jan. Daß von Pest aus die Restitution der jüd. Kultusgemeinde in den Status czuo rtnto wirklich betrieben wird, vernehme ich von sonst zuverlässiger Quelle. Die darauf bezüglichen Erhebungen werden aber, wie mir gesagt wird, so viel Zeit in Anspruch nehmen, daß sich mittlerweile die daselbst eingeführtc neue Ordnung der Dinge vollkommen konsolidirt, und auch von den Gegnern anerkannt sein wird. Der Gesangverein Zion hat bei seiner letzten Liedertafel Dcklamationsstücke von Otto Prechtler vortrageu lassen. Viele befremdete es, daß nicht ein einziges Gedicht von einem jüdischen Poeten dieser Ehre theilhastig wurde. t Cfenger (int Szathmürer Komitate), Mitte Jänner. — Ich zweifle, ob ein jüdische Journal jemals eine hiesige Korrespvndenz gebracht habe. Die üppige Fruchtbarkeit der hiesigen Gegend nnd ihre berühmte Tabakproduktion sind keine Gegenstände der Mittbcilnng für ein jüdisches Blatt. Aber — hier ist der Sitz des EhaßidäerhanptcS nnd WnndcrthäterS Rabbi Auschet! Ein Wunder hat dieser Zaddik nnlcngbar vollbracht: er ist ein recht wohlhabender Mann geworden! Seine hiesige Heerde hat ihn in keinem Falle reich gemacht, denn er bezieht von der Gemeinde keinen Gehalt. Aber die fremden Kundschafte»! Es gibt Wochen, wo sich die Zahl derselben wirklich ans einige Hnntert beläuft. Den Grundsatz: Leben und leben lassen! verliert R. Anschel nicht ans den Angen. Ein Thcil der bei ihm cingeflosscucn Gelder koinnit auch den Armen zn Gute. Es gehört zum Geschäfte und der Ilngc Rabbi versiebt seine Mildthätigkrit zu beherrschen nnd zn mäßigen. Nach meinen bisher eingcholtcn Nachrichten sind cs nicht Amulette nnd Pidjonim allein, mit welchen R. Anschel seine Wttndcrkuren bewerkstelliget, er soll zuweilen auch verschiedene Kräntcrartcn ordinircn. Als Quelle dieser unckerin medica bezeichnet man das Buch eines hier verstorbenen Ehaßids. N. Jonathan Binjamin. Mein Wirth, mit welchem ich viel über den Rabbi sprach, wird nicht müde zn wiederholen, daß Rabbi Anschel ein großer Ehochom (Weiser) sei. Jedenfalls, rcplizirte mein Reisegefährte, er ist es aber nur so lange, als ihr seine Narren seid. M.-Therefiopel, 18. Jänner. Die vom hiesigen Fraucnvcrcin gegründete Töchterschule gedeiht vortrefflich. Sie besteht ans zwei Kla>- sen, in denen von cincin Lehrer und einer Lehrerin der Unterricht crthcilr wird. Den NeligionSilntcrricht crtheilt Herr Rabb. Kntna, der zugleich Direktor der Schule ist. Die Frauen Vorsteherinnen: Maria Geiger׳ Eleonore MilkO, Therese Heinrich nnd Rosa Spitzer widmen der Anstalt liebevolle Aufmerksamkeit. I. Back. — M.-Therefiopel, 17. Jänner. In Folge der Vorkchrnngen zu der Bethciluug der Gemeiudearmcn ist es zwischen dem Vorstände und nnserm neuen Rabbiner leider zu einem bedauerlichen Konflikte gekommen. Hoffentlich wird die Angelegenheit ans gütlicheinWegc beigelegt werden. Literarische Änzeigen. שימות עין בראשית האומה הישראלית Blicke in die Urgeschichte des Jsr. Volkes. Von Samuel M o d l i n g e r. Lemberg. M- Poremba 1861. 8. 52. Besprochen von X. in Frankfurt am Main. Die mühsamen tiefen Forschungen der Cgnptologen haben von Seiten jüdischer Gcschichtökundigen die Würdigung »och nicht gefunden, die sie vermöge ihrer innigen Verbindnng mit der bibl. Geschichte vcrdieuen. Sei es, daß mall den großen hiervglyfischen Eiitdeckungen mißtraute, die aber in der That den dvnastischen Listen Manelho's zur Grundlage dienten, sei es die Furcht, den gläubigen Sinn zu erschültern, wenn unmittelbar mit der Bibel zusammkrihängende Thalsachen in's Bereich der Untersuchung gezogen und sich etwa Resultate ergeben kötlnten, die den vulgären Arlschaullllgen widersprechen; imliierhiu ist eS eine nicht zu rcchtsertigende Mißachtung der Geschichte, eine Feigheit oder Trägheit des Geistes, es Andern zu überlaffen den hcimathlichen Boden urbar zu machen. Haben auch die aufgefunbeneii Deukuiäler nur noch wenige geschichtliche Anhaltspunkte für die bibl. Angaben geliefert und selbst die große Frage, ob und in wiefern der zweite Einfall der Hyksos mit dem Auszüge der Israeliten in Verbindung steht, noch nicht kritisch sicher gelöst ist, so besitzen wir doch imuierhin einige sichere und urkundlichen Grundlagen, die den Eintritt in das chronologische Labyrinth der Bibel erleichtern. Der Verfasser des genannten SchristchenS hat den Ruhm, der erste jüd. Schriftsteller zu sein, der die neuen egyptologischen Forschungen in die jüd. Literatur einsührte uud das vorhandene Material für die bibl. Chronologie bearbeitete. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.