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Ben Chananja · 1862-01-17 · 3 (17.1.1862) · p. Seite 21

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
3 (17.1.1862)
Date
1862-01-17
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 ״Zu Göttern schaffst du Menschen nie." Eine vergleichende Kulturgeschichte des Thalmuds, von diesem Gesichtspunkte betrachtet, wäre, für Freund und Feind, sehr interessant und nützlich. Fantasie — reiche Kritik und bloßer Appetit für Lesearten reichen dazu nicht hin. Alles dies reicht bloß hin, um einen Augenblick Lärm zu machen, wie ein Stein irr einer leeren Flasche welcher Ki Ski sch (קיש קיש ) hören läßt ׳'). Zu einem solchen Werk ist wirkliche Keuntniß und wirkliches Urtheil nothwendig. Es ist bis jetzt dafür nicht viel geschehen. Wir wollen dem Leser einen Spiegel vergangener Zeiten Vorhalten. Wir geben uuu über den Spiegel selbst folg nde Notiz. Der Thalmud berichtet, daß mau den Mitgliedern des Harseö R. Je hu da des Patriarchen erlaubt hat, in Spiegel zu sehend. Nichts kann befremdender sein, als diese Stelle. Liest man jedoch, daß eine römische Stadt einem heidn. Filosofen unter andern Vorwürfen auch desn machte, daß er einen Spiegel benutzt^), so erhält man doch ein Seitenstück dazu, welches in geschichtlicher Hinsicht die größte Beachtung verdient. In einigen kurzen Worten erwähnt dies ApulejuS in seiner Apologie. Er antwortet auf diesen Vorwurs: Ein Filosof darf in Spiegel sehen. Diese Antwort ist eben so merkwürdig, als der Vorwurs selbst. Daß die spätern Thalmudisten in dieser Stelle ein indirektes Verbot gesehen haben''׳), in Spiegel zu sehen, ist ganz natürlich. Es war ihnen ^die Ursache davon unbekannt. Solche Gegenstände, der Betrachtung vorgeführt, könnten sehr nützlich sein zur allgemeiuen Kulturgeschichte. Es sind dies die feinsten Nerven der inner» Geschichte der Menschheit. Wir haben viele solche in verschiedenen Formen auf manchen Seiten gegeben, und andere sollen zur Zeit Nachfolgen. Es »lögen dieselben theilweise als Ergänzungen zu unserem Buche betrachtet werden ׳). Der geistreiche Gedanke, welchen Sokrates an Spiegel geknüpft f;at8), ist,im □מוסרי הפילוסופי aufgenommen, und von dort aus bei den Juden bekannt geworden 9). Anmerkungen. ׳) Bcrgl. 51 r n cf; Art. יטיטראות ־) Stättdlin: Geschichte der Vorstellungen voll der Sittlichkeir des Theaters. Göttin gen 1823. 5luluö Gellins Attische Nächte (XX 4) belehrt uns, daß Aristoteles den Umgang mit Schauspielern verderblich hielt. a) Bergl.׳ unsere Nachwcisungcn über dieses Wort vor. I. 374 Note 12. In 5lvn lejuS (Metamorfosen Buch IX) lesen wir die Worte ״argutuin tiaituin“, welches der französische Nebcrsetzer 6»«״ entintoment aiguc“ gibt. Das italienische ״tintin“ kommt auch davon her. 5llle diese Worte ahmen den Klang nach und haben in steh keine Bedeutung. ׳') Jernschalmi Aboda Sara II Halacha 2 של ביתרבי התירו לראות במראה — Bcrgl. auch den פני משה zu dieser Stelle. "’) 5lptllejus: Apologie. (In vielen Beziehungen interessant). ") Bcrgl. die in Note 2 gegebene Nachweisung. ) Bcrgl. unser Ben Gabirol S. 20 ff. י) P t u t a r ch : Ehevorschriften §. 25. ״) Bergl. unser Ben Gabirol S. 46. keilräge zur lljnliinilMM ", " '' ״ itni) ilftCtlf)lllllSfUllli)C. 138. 2״lus das Horn des Ochsen schreiben')." A. Von Leopold Dukes. Wir lesen im Thalmnd die Worte ״die Griechen sagten zu den Juden: ״schreibt auf das Horn des Ochsen, daß ihr keinen Thcil an dem Gotte Jsracl's habet V Die Fräse aus das Horn des Ochse» schreiben stehet vereinzelt da. Die zu Grunde liegende 5lnschanung kann nur vermnthct werden. Als sprichwörtliche Redensart kann cs heißen: öffentlich erklären. Der Ochs gehet langsam und die Hörner sind das Hervorragende seines Körpers. Das, was etwa ans dem Horne des Ochsen geschrieben sein möchte, wäre leichizu ohne Mühe zu lesen. iSu! arabisches Sprichwort lautet: ans dem Gnrkenblatt geschrieben k. k. d. h. es ist allbekannt ׳'). Die Gurken sind sehr häufig. Wir sehen in dieser Redensart eine Parallele der nnscrigen. Das arabische Sprichwort hat weiter keinen Znsammenhang mit unserer Stelle. Es lautet: wenn man etwas auf dem Horne eines Hirsches schreiben würde, so würde man cö nicht lesen können, weil der Hirsch schnell läuft. Diefcr Umstand hat die »Redensart veranlaßt ״sein Geld auf das Horn des Hirsches legen" d. h. umsonst auSgeben, verlieren '). Der Leser erstehet, wie schwer es ist, den Sinn einer sprichwörtlichen Redensart zu erralheu, wenn sie nicht überliefert ist. Wie es im Thalmud heißt אין אד□ דן גזירה שוה מעצמו; so kann man sich auch feinen Sprachgebrauch selbst machen ders. ist ein Tyrann. Es gibt übrigens noch eine große Menge von thalm. Sprich- Wörtern 1t. Redensarten, die nicht ganz klar sind, n. die man nur im 5lllgemei»en crrathen kann aus den Zusammenhänge 5). Man darf sich darüber nicht wundern; eine große Menge von deutschen Sprichwörtern und spichwörtlichen Redensarten, die in Simmrock'S Sammlung sich befinden, sind ebenfalls für den allgemeinen Leser ganz unverständlich, nur die Bewohner derjenigen Distrikte, wo dieselben noch üblich sind, verstehen dieselben. Von einer andern Seite betrachtet, kann die in Rede stehende Redensart in der cigeutlicheii Bedcutuiig genoiumeii werden. Die Griechcn mochten den Inden wol zugemuihet haben, den Namen eines ihrer Götter ans daö Horn des Ochsen zu schreiben. welches die Juden wol verweigerten. (Bcrgl. übrigens auch oben v. Jhrg. 357). Wolf Mühlrad, Rabbiner zu Lltlidenburg. Nekrolog. Der unerbittliche Tod hat wieder ein beklagenswerthes Opfer aus dem Reiche deö irdischen Lebens geholt. Rabbi Wolf Mühlrad, geb. zu Triesch, ging am 2. b. M. im 55. Lebensjahre in ein besseres Leben hinüber, nachdem er über 21 Jahre das Rabbinat zu Lunden- ׳) Breschith Rabba כתבו על קרן השור שאין לכם הלק ר באלהי ישראל. Das Sprichwort selbst lautet so ״cs stehet geschrieben auf dem Gnrkenblatt: wer des Nachts wacht schläft am Tage" (Bnrkhardt arab. Sprichwörter Nr. 660). ׳'*) Bergl. unsere Blumenlese Seite 153 Nr. 25». ') Z. B- -אתקליף מרקוען (Jernschalmi Sanhedrin IV, 3). s) Lu capuee national y'011 appelle Usage D’ Aleiubert). ES ist vom Sprachgebrauch die Rede. 69^89252

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