Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 2 (10.1.1862)
- Date
- 1862-01-10
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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16 deutschen Gebetes in der Synogogc an. Welche Schmach! Sic wollen denen gleichen, welchen wir nach den in der Tbora gesetzten Grenzen nicht gleichen können. Ihre Ncnernng wnrdc nach meiner Meinnng von den Rabbincn nnilöthiger Weise bekämpft. Da nämlich die meisten Gelehrten Israels, welche die Säulen der Thora sind, die Besorgnis! hegen, das! davnrch die Heiligkeit der alten Satzungen erschüttert werden tonnte, so gebietet die Tbora, denselben zu gehorchen, (5. M. 17, 11), selbst wenn ihre Besorgnis! schwach begründet und weit hcrgeholt ist, und sic rechts als links und links als rechts bezeichnen (Anspielung ans Sisre 154). Kann ein uiizweidcntiger Ausspruch der Thora der heiligen Mischna untergeordnet werden? — Ja wäre selbst in der Thora ans׳ drürklich geboten, deutsch zu beten, so hätte» die Gelehrten der Gegenwart dennoch das Recht, nach ihrer Einsicht und dem Bedürfnisse der Zeit das Gebot der Thora zu abolircn, sobald sic dies nur thun, um der Irreligiosität Schranken zu setzen." (Jebam. 89, b. Mail». Sanh. 24, 1. Mamr. 1, 4,!).) Diese unumwundene Erklärung beweist hinlänglich, das! die wahre Orthvtvric ebensowenig eine Sklavin des Buchstaben ist, als die wahre Reform, und daß sic, ebenfalls in liebercnistimmung mit der Reform, der Richtung der Zeit Aufmerksamkeit nnd Beachtung schenkt. Der Unterschied zwischen Onhodorie und Reform liegt in letzterer Beziehung nur darin, das; diese — in verschiedenen Nbftnfnngen — durch ein weises und mildes Eingehen ans die Kultur nnd die Bedürfnisse der Gegenwart das mit der europäischen Bildung vollkommen versöhnte Judenthum zu kräftigen, zu stärken u. zn verherrlichen strebt, während cS jene — ebenfalls in verschiedenen Abstufungen — für sehr zeitgemäß hält, gerade der freiem Regung der Geister gegenüber die Zügel straffer anzuzichen, u. zur AuSsührnng rcakkiouärcr Maßregeln selbst den Arm der weltlichen Obrigkeit anznrnfen, ja sogar Gebote der Thora nicht zu achten, wo es die Bekämpfung der Neuernngcn gilt, (lieber das hierarchische Moment in den Worten L.'S reden wir bei anderer Gelegenheit ausführlich). Folgende Notizen glauben wir unseren freundlichen Lesern nicht voreuthaltcn zu dürfen; dieselben beweisen, daß die Nationalisirung der französischen Juden auch ihre Schwierigkeiten und ihre Gegner hatte. S. 38 erzählt Herr Gcrson Lewp: ״Einer unserer älteren Pädagogen, der in seiner Gemeinde für einen hervorragenden Theologen galt, konnte niemals begreifen, wie cS denn möglich sei, ohne Keiiutniß des Dentscheu französisch zu sprechen. Wenn ich, sagte er, mich franzüsich ausdrücke, so geschieht dies, weil ich deutsch weiß, was ich französisch zu sagen habe^ woher weiß aber der, dem das Deutsche fremd ist, was er französisch sagen soll?" — Ferner: ״Vor zwanzig Jahren wurde im Mittelpunkte der frauz. Judenheit ernstlich darüber berathen, ob die französische Sprache zur Interpretation des ThalmndS geeignet sei. Die Entscheidung fiel verneinend ans, und zwar zunächst aus dem Grunde, weil die Urheber des bezüglichen Vorschlages nicht berechtiget wären, über ähnliche Gegenstände zu'entscheiden. Zehn Jahre später machte ein Gelehrter, dessen Kompetenz man nicht in Zweifel zu ziehen wagte, den Versuch, und — der Versuch gelang vollkommen! — Aber selbst gegcnwärtig hat das jüdisch-deutsche Patois einen so heiligen Charakter, daß das Kaddisch de-Rabbanan, mit dem man die jüdisch-deutsche Derascha begleitet, der französischen Predigt entzogen wird." Schließlich gestatten wir uns noch die Bemerkung, daß das S. 160 im Namen Luzzatto's Gesagte auf einem Mißverständnisse beruht. L. spricht nicht von dem Inhalte, sondern von der Form des bezüglichen Gebetstückes. Indem wir dem gelehrten Hrn. Vers, unsere aufrichtige Hochachtung ausdrücken, wünschen wir vom Herzen, ihm noch öfters auf dem Gebiete der jüd. Literatur zn begegnen. Olossaire des Mots espagnol et portugais dßrivßs de I’Arabe. Par Dr. W. H. Engelmaun. Lcydc 1861. Besprochen von Lcop. D u k c S. Dieses Buch, obwol kleinen Umfangs, ist sehr nützlich an sich, und kann auch zn manchen litcrärischcn Zwecke» sich brauchbar erweisen. Bei der Betrachtung desselben haben wir manches angemcrkt, welches eine Verbindung mit dem Hebräischen des Mittelalters hat. Andere werden wol anderes anmcrken. Wir selbst wollen später noch daS eine und das andere hinzufügen. Wir heben für jetzt folgendes Wort ans: (S. 33) ״A l feniquc. Ein Zuckerzeltchcn, (Znckcrpläzchcn), von dem arabischen Alfa nid, welches ailS dem persischen Pa nid abgeleitet ist, und dort Zuckersüße Sachen bedeutet. Für den allgemeinen als für den jüdischen Leser mag folgendes hier dazu angemcrkt sein. In den Ma ch bcroth des Jmanuel (Kap. 23) lesen wir die Worte ואומר מה סעל הדיאהפונדיון• Das Wort Diapenidion wird auch von einem alten engllschcn Dichter*), der nicht viel jünger als I m a n u c l ist. gebraucht. Es findet sich anch das Wort דיאפיניקק in dem Kanon des Jbn Tina**). In einem andern anonhinen medizinischen Werke lesen wir die Worte דיאסינדיאח ע״ש פאניס הנכנס בו יועיל להולי הריאה וג,. Das Wort Diaphoenie ist noch in französischen Wörterbüchern deö 18. Jahrhunderts angeführt***). Ob dieses Wort in der modernen Materia medika vorkömmt, können wir in diesem Angenblicke nicht sagen. L e r i ch t i g u n g. In dem Artikel ״Hungarica“ IV. Ihres geschätzte» ״Ben Chananja" wird die von Ihnen zuerst ausgesprochene Ansicht vertheidigt, daß die jüdischen Bewohner der Stadt Ofen zur Zeit der Türkenherrschaft in eine deutsche und eine ungarische Gemeinde getheilt wareu '), und gclcgcuheitlich als Beweis für das Vorhandensein ungarischer Jndengemeinden im 12—13 Jahrhundert die im מררכי zu גטין (Nr. 446 , nicht wie im ״B. Chan." angegeben ist) vorkommende תשובת *) Vergl. Sketches of Literatur und learning in England by Braik (I. S. 254). Der gelehrte Herausgeber konnte das. Won nicht erklären. *ד Wir lesen dort die Worte — מרקחר־ז ר־זמדי ובגטין דיאפיניקון (קאנון ססר ה' מאמר ג' סרק מ״א). ***) So z. B. in dem Dictionaire portatif des Mots fran^ais, dont la Signification n’est par familier a tout le Monde etc. etc. Paris 8. 1750. (Ein sehr nützliches Buch überhaupt). In einem alten englischen Wörterbuche von 1674 haben wir dieses Wort nicht gefunden. (Es scheint, daß man in England von dieser Medizin selteuer als in Frankreich Gebrauch machte). ') Ohne auf den Gegenstand selbst hier näher einzugehen. bemerke ich blos, daß ich im Besitze einer handschriftlichen תשובה des תשו׳ מהרש״ל סי׳!״ ד משה בכ״ר משלם) ר׳ משה בשא״ן ל״ן) bin, in welcher von zwei Judengemeinden in Ofen die Rede ist, von denen jedoch die eine אשכנזים p״p die andern בוד־ףן p״p genannt wird. Wenn letzter« mit dem קה׳ הגרים nicht identisch sein soll, so müßte angenommen werden, daß in Ösen zu jener Zeit drei gesonderte Gemeinden bestanden haben.