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Ben Chananja · 1861-12-27 · 52 (27.12.1861) · p. Seite 445

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
52 (27.12.1861)
Date
1861-12-27
Page
Seite 445 (sequence 3)
Language
German
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445 ״Ben Chananja's" auch im nächsten Jahre nicht aufhören, denselben mit ihren werthvollen Beiträgen zu unterstützen! Szeged in, 27. Dezember 1861. Löw. Korrespondenz. Ausland. Staffel, 11. Dezember. Heute, Vormitttagö 10 Nhr, erfolgte das Leichenbegängniß des am 8. Dezember unerwartet verstorbenen Di־, phil. I. Pinhaö. Eioe zahlreiche Folge bewies, daß er sich in den weitesten Kreisen die Achtung seiner Mitbürger erworben hatte. Das israelitische Provinzial-Borstehcr-Nmt, dessen Leitung ihm anvertraut gewesen, die israelitische Schule, die Zöglinge der Feidel'schen Waisen, Haus-Slistung, Freunde von nah und fern aus allen Ständen und von allen Konfessionen begleiteten ihn in langem Zuge zu seiner letzten Ruhestätte. Herr Landrabbiner Dr. Adler hielt die Grabrede, worin er die Verdienste des Verstorbenen so treffend und rührend schilderte, wie es nur ein so langjähriger persönlicher Freund des Verstorbenen vermochte. Der geistliche Redner hob hervor, wie der Verblichene nicht nur fast ein halbes Jahrhundert die Redaktion einer Zeitung mit fettener Umsicht geführt, sondern durch dieselbe auch daS Wohl des weiteren und engeren Vaterlands wahrhaft zu fördern gestrebt; wie er in seinem speziellen, vierzig Jahre geführten Amte das Loos seiner Glaubeiiögenosseii. namentlich in Kurhessen, zu verbessern unablässig bemühet gewesen, wie er. selbst mit hohem Sinn für Kunst und Wissenschaft begabt, an Allem, was diese daS menschliche Leben verschönernden Genien betras, das lebhafteste Interesse genommen; wie er sich bei allen humanen, das wahre Menschenglück bezweckenden Bestrebungen betheiligt habe, und schloß seine, die Herzen der Zuhörer tief ergreisende Rede mit der Bitte an diese, das Gedächlniß des edlen Verblichcnen durch ein Andenken zu ehren, weiches auch die späteren Geschlechter an die Verdienste desselben erinnere. Inland. Lugos, 23. Dezember. In einer der letzten Sitzungen unserer Stadtrcpräfentanz, welche der Majorität nach ans Rnmänett besteht, wurde auf Antrag unseres verdienstvollen Kultuö-Gemeinde-Vorstehers der Beschluß gefaßt, einen jüdischen Lehrer aus der städtischen Kasse zu besolden. Unsere Gemeinde hat vor Kurzem den Gottesacker vcrgrößert »nd cingefriedet. Synagoge und Schule sind in einem blühenden Zustande. Die Gewerbefrcihcit hat jedoch die Koscherfleisch-Jnstitulion sehr beeinträchtigt. Hoffentlich wird cs unserem wackeru Rabbiner gelingen, den Uebelständen abzuhelfen. A. P. Nikolsbnrg, 25; Dezember. Unsere alte Gemeinde verjüngt sich im Geiste der Zer». Unsere־ Hauptschule erfreut sich eines woylbegründeten guten Rufes. Unser Oberrabb. Fcnchtwang gewinnt durch seine Vorträge alle Herzen. Die Mi sche-Berach hat er bereits reduzirt, die Ginführung des Chorgesanges wiro nächstens erfolgen. Nur eine kleine Minorität weigert sich noch, hiezu ihre Zustimmung zu geben. I Ans Mähren, Mitte Dezember. So mittelalterlich grausam der Ursprung und die Cutstehnng des mährisch j. LandeSmaffasondeS ist, so wohlt ätig heilsam ist dessen Bestehen und die Verwendung desselben. Dieser Fond ist allerdings mit dem Blute und dem Schweiße der Juden aus der Vergangenheit u. Gegenwart getränkt, als »och der Bekenner des einig einzigen Gottes seinen Glauben verzollen, seine Glanbenstreue versteuern, und für seine Anhänglichkeit an seine angestammte Religion ״Kontribution" und ״Judensteuer" zahlen mußte. Besonder» waren die Juden Mährens beengt und beschränkt und von Lasten nieder« gedrückt. Ein Hofdckret vom 21. Dezember 1669 legte ihnen ein Toleranzgeld von 12000 fl. jährlich auf, wahrscheinlich forderte diese schwere Kontribution die finanzielle Verlegenheit, welche die Kriege' unter Leo« pold I. herbeiführten. Karl VI. rcdnzirte diese Steuer aus 8000 fl. jähr-!ich, unbeschadet der Ansprüche der künftigen Landesherren. Dagegen wurde diese Steuer unter Maria Theresia, welche wieder in blutige Kriege verwickelr wurde, auf 90,000 fl. erhöht Hofd. ckstto 2. Dezember 1752. Später wurde diese Sondersteuer ermäßigt, und im Jahre 1773 belief sich die Summe auf 82,200 fl.; der in diesem Jahre gestellte Antrag, nach welchem von dieser Summe eine Ermäßigung von 20,000 fl. eintrcten sollte, siel aber durch, weil, wie eS in dem Hofdekrete ckstto 6. Feber 1773 heißt, nichts von dieser Summe zu entbehren möglich sei. Der humane Kaiser Josef tollerirte zwar die Inden, aber ihres Geldes konnte er. in den damalige., schweren Krise» nicht entbehren. DaS Hofdekret vom 26. Juli 1761 verordnete, daß jeder Familianr ei e jährliche Tare von 5 fl. zu entrichten habe, 5400 Familianteu leisteten demnach die Summe von 27,000 fl., die übrigen 55,200 fl. sollten durch die Verzehrungssteuer ergänzt werde». Um aber den Geist und das Herz deö humanen Kaisers nicht Lügen zu strafen, wurde der Landes-Maffafond aus der Hälfte des Gewinnes des Pächters gegründet, welcher die Bestimmung erhalten sollte, für die mit Schulden behasteten Gemeinden die Zahlung zu leisten. Aber die französische Bewcgiing brachte auch eine Revolution in den Landes-Massaf. Im Jahre 1793 wurde bestimmt, daß nur 6080 fl. dem Fonde znzuwcnden seien. Im Jahre 1830 belief sich die Baarschaft auf 24,912 fl. 32 kr. und 230 st. W. W. — Dieser Fond ist ein wahrer Helfer in der Noth. Rabbiner und Lehrer, welchen ihre Gemeinden nicht das uöthige Aus- und Einkommen geben können werden aus diesem Fonde unterstützt, ihre Witwen, die hilflos und ganz verlassen und ihrem Witwcnstande verkümmern müßten, erhalten da Aushilfe und Beiträge, die Prachtvollen Synagogen und Schulen, welche die Ehre und die Lehre der mährischen Juden heben nnd verbreiten, haben ihr Dasein diesem Fonde zu verdanken. Der Landesrabbiner erhält ein jährliches Firnm von 600 fl. -- Einer solchen Wohlthat erfreut sich auch die Gayer Gemcindc. Es wurde ihr vor einem Monate der Betrag von 14,000 st. o. W. zum Ban einer Schule und einer Wohnung für die Gemeindediener bewilligt, den sie ohne Interessen in einem Zeiträume von 30 Jahren zurück zu zahlen hat. Ihre herrliche Synagoge verdankt ihr Dasein ebenfalls einem Darlehen ans diesen! Fonde. Wenn demnach hie u da Voru. Anschläge gefaßt werden, zu welchen heilsamen und wohlthätigen Zwecken dieser Fond verwendet werden könnte, so können wir diese Proposilioncn in dem Bewußtsein ignorircn, baß dieser Fond des Heilsamen n. Wohlthätigen so vieles fördert, daß wahrlich nichts zu wünscheu übrig bleibt. — Auch in Jglau soll eine Synagoge errichtet werden. Der alles Gute fördernde Vorsteher Hr. M. L. Baruch möge nur das heilige Werk 1» Angriff nehmen, hoffentlich wird auch er nicht vergebens bei diesem Fonde Zuflucht juchen. Dr. Du schal- ' Aus dem Biharer Äomitate, im Dezember. Die Hauptgrundsätze der Ehaßidäer sind bekanntlich: I. Blinder Glaube nnd unzertrennliche Anhänglichkeit an den Zaddik. II. DaS Streben zur Vereinigung mit Gon. III. Die Aneignung von Muth, Entschlossenheit und Dreistigkeit welche selbst in bei den Chaßidäern sogenannte heilige Frechheit ausarten darf, die Allem, was schicklich, gerecht, anständig und billig ist, Hohn sprechen darf, wenn es mit den Grundsätzen der Sekte, und mit dem Willen des Zaddik in Kollision kommt.

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