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Ben Chananja · 1861-12-20 · 51 (20.12.1861) · p. Seite 437

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
51 (20.12.1861)
Date
1861-12-20
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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Schon Mendelssohn macht den scharfen Unterschied zwischen dem, was die Vernunft nicht begreift, und dem, was der V e r n n n f t widerspricht. Was die Vernunft als Unwahrheit erkennt, kann keine Wahrheit sein, wol aber das, was die Vernunft nicht begreift; denn es gibt ja in der sichtbaren Welt viele Erscheinungen, welche die Menschenvernnnft nicht begreift, die aber darum doch; Wahrheit sind. Die Offenbarung sowol als die Tradition gehören zu den historischen Wahrheiten, für welche eS im Grunde nur den einen Beweis gibt, die Zengenschaft deö Geschichtsschreiberö, und so nur die Möglichkeit erwiesen ist, so werden sie schon als Wahrheiten angenommen. Sehr richtig sagt daher MaimonideS: ״Ist eine MeinnngSverschiedenheit über eine traditionelle Satzung, so kann sie nicht mehr als traditionell gelten." (H. Mamrim 1, 3); denn da eben die Meinungen auseinander gehen, so fehlt der historische Beweis. Nach meiner Ansicht kann die Möglichkeit einer von Gott gelehrten Tradition eben so wenig bestritten werden, wie die Möglichkeit der Offenbarung ans Sinai, und so ist die eine wie die andere historische Wahrheit: Wie Hillel zu jenem Heiden sprach: ״Glaubst du mir betreffs des schuftliehen, so glaube mir auch betreffs deö mündlichen Wortes (Schabbat 32, a)." Aber nicht bloS die Möglichkeit-, sondern die Wirklichkeit einer Tradition, welche mit der Offenbarung der schriftlichen Lehre zugleich überliefert wurde, ist anö folgendem uttunlstößlich erwiesen. DaS schriftliche Wort bestimmt deö P e s s a ch f e st in den FrühlingSmonat; daö Wochenfest 50 Tage, nachdem die Sichel geschwungen wird über die Halmen; und daö Snkkothfest, ״zur Zeit der Fruchteinsammlnng;" aber von einem 13. Schaltmonat ist in der ganzen heil. Schrift keine Andeutung. Wäre nun keine Tradition ursprünglich gewesen, wie hätten die Zeitgenossen deö MoseS schon diese Feste zur angegebenen Zeit feiern können? In 18 Jahren mttsite das Pessachfest nachj und nach bis auf deu Spätherbst und daö Snkkothfest bis auf den Frühling sich rücken, und noch später käme des Pessachfest in deö Winters, und daö Sukkothfest in deö Sommers Mitte. ES ist sonach klar, das; eine mündliche Lehre die schriftliche ergänzt haben müsse, welche betreffs der Gebote über die Festtage die Ermächtigang einen 13 Monat periodenweiö einzuschalten auögesproche» hat. Mirage. Bon Lcop. Dukes. XII. -A.fr ioa. Wir denken gewöhnlich, wenn wir von Afrika spreeben, immer an den Welttheil. Die alten arab. Schriftsteiler aber verstehen darunter den Distrikt, welcher heute einen Theil von Tunis und Marocco auSmacbt, wovon die Hauptstadt Kairuan war*). Alte arabische Ehroniken sprechen auch von einer Stadt Afrika, welche Stelle wir später geben wollen. In der bekannten thalmudischen Stelle, welche zur Erklärung deö Wortes טםפוה gegeben ist, nämlich — םם בכתפי שתים פת באפרקי שתים dürste man das Afrika für deu Namen der Stadt halten. In dieser Gegend mochte damals ein Volksstamm gewohnt haben, in dessen Sprache פת zwei bedeutet hat. Wenn wir in Jbn Ehallican (I. S. 366) lesen, das; Alkalis eine Stadt um persischen Meerbusen war, so bietet sich dieser Name zur möglichen Erklärung des בכתפי dar. Die thalmudische Erklärung selbst bleibt auf sich beruhen. Daö hebräische Wort als solches muß der Natur der Sache nach seine Erklärung in sich haben, und kann doch nicht auf zufälligen fremdsprachlichen Elementen beruhen. In solchen Erklärungen aber liegen Beiträge für spätere Erscheinungen. XIII. ״Emen Korb bekommen." Diese bekannte deutsche sprichwörtliche Redensart heißt — wie alle Welt weiß — eine abschlägige Antwort erhalten. Die Anschauung, welche dieser Redensart zu Grunde liegt, ist nämlich die, daß einer bereits den Inhalt deö Korbes erhalten hat, und also für den zweiten nur der leere Korb geblieben ist, womit doch nicht gedient ist. Die Betrachtung der verschiedenen Formen, in welchen eine sprichwörtliche Redensart erscheint, ist immer interessant, an und für sich. *) Diese Stadt קירואן ist in der hebräischen Literaturgeschichte deö 10. und 11. Jahrhunderts sehr berühmt. Es war daselbst eine große israelitische Gemeinde. Manche Geouim haben Briefe dorthin gerichtet. (Bergt, unsere Notiz in diesen Blättern S. 142). Jetzt ist dies eine Stadt wo Inden und Christen der Eingang verboten ist. **) Wir haben in diesen Blättern ('S. 324) auf die Sprache der Berbern ansmerksam gemacht. ^544114

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