Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 51 (20.12.1861)
- Date
- 1861-12-20
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Verse: 51)״• macht zu seinen Dienern Feuerflammen." (Ps. 104, 4). Eö war erst unserer Zeit Vorbehalten, die hier angedeutele Gewalt zu erkennen. Nach der Mosaischen Darstellung gingen die Pflanzen den Thicren voran; die Geologie bestätigt dies. Leopold v. Buch hat in den UebergangSgebirgen mehr Pflanzenals Thierreste gefunden, und die Pflanzen mußten natürlich den Thieren vorangehen, weil diese sonst Hungers gestorben wären. Wie die Pflanzenfresser ans die Pflanzen, so folgten die Omnivoren auf beide, und der Mensel) bildete den Schluß, ganz wie MoseS eS darstellt. Die Pflanzen wuchsen nach der Genesis ursprünglich ohne Sonnenlicht; deshalb also die wunderbare Verbreitung der Pflanzenreste unter allen Breitegraden.. Der Mensch kam zuletzt; er gehört der jüngsten Epoche an, aber auch er erfuhr eine Verjüngung. Die Genesis lehrt, daß durch die Sindfluth daS alte Geschlecht vertilgt wurde und die geologischen Entdeckungen, so wie die historischen Forschungen und die Denkmälerkunde bestätigen dieß. Die Bibel behauptet die Einheit deö Menschengeschlechts; man hat diese Wahrheit lange bestritten und selbst Blumenbach sprach sieh dagegen anS, bis eS in unfern Tagen durch die tüchgtisten Fisiologen anerkannt worden ist — daß wir von Einem Paare abstammen: denn die Nahen-Unterschiede zwingen durchaus nicht zur Annahme eines im ersten Anfange verschiedenen Ursprunges, und selbst die vergleichende Grammatik gewinnt immer mehr die Ueberzengnng von der Verwandschaft aller Sprachen unter einander. il r ft c r & r a I) i l i 0 n. Bon Obberrobb. H. B. Fasset. Seit dem der sel. Herr D1-. B e e r in dem Streite H i r s ch - F i s eh e r kontra F r au k e l die Initiative ergriffen, der Indignation über daö Treiben der reaktionären Nenorthodorie in scharfen Worten Ausdruck verliehen, und dadurch gewissermassen seiner gepreßten Brust Luft gemacht hat, ergoß sich eine Flut von Broschürenliteratnr. Ich habe tvol von allen diesen Broschüren keine einzige gelesen, aber doch anS den jüdischen TagSblättern eine schwache Uebersicht ge- Wonnen, wie die liebenswürdigen Neuorthod., nach gewöhnter Weise, mit Verketzerungen nicht sparsam waren, nnd den Koth der Schmähung, den Schmutz der Verleumdung händevoll umher warfen, und wie sie wieder — von ihren Gegnern der Herrsch- und Nachahmungssucht beschuldigt wurden, nämlich daß sie darum reaktionär sind, weil sich auch in der christl. Welt die Reaktion breit gemacht, und darum Hyperorthodore sind, weil sie durch den glorreichcn Nimbus, welchen sie um sich verbreiten, herrschen wollen. > Wäre der Streit da stehen geblieben, so würde ich! mich gewiß nicht in denselben gemischt haben, ich wollte! weder mit den Einen, noch mit den Andern liebäugeln, nnd I noch weniger ist Schimpfen nnd Schmähen meine Sache;; aber eS wurde auch die Tradition in den Streit gezogen, ja sogar ganz in Frage gestellt, nnd da muß ich mir wol ' erlauben, t)0n gre mal gre einige Worte darein zu sprechen.! Hören wir waS die Bekämpfer der Tradition sagen: j ״die Tradition ist bloS ein späteres Menschenmerk. So lange die Schriftsprache Volkssprache war, war die Bedeutung j des Wortes von Allen gekannt und bedurfte feiner traditionellen Deutung; sondern erst später, als der Wortsinn nicht mehr sicher war, fanden eS die Rabbinen nöthig, eine traditionelle Wortdeutung festzustellen. Ursprünglich war auch! über die Art nnd Weise der Ausübung dieser oder jener l Satzung keine Tradition nöthig; sondern weil daS mosaische | Gesetz viele Jahrhunderte nicht anSgeübt wurde und beim! Volke in Vergessenheit kam, haben die Rabbinen traditionell . festgesetzt, wie die eine oder die andere Satzung auSzuüben i sei. Eine Tradition, wie die vulgäre Doktrin sie anffaßt, > nämlich, daß Gott selbst zu seinem durch MoseS gegebenen! Gesetze noch mündliche Lehren hinzugefügt habe, wäre der j göttlichen Weisheit unwürdig." j Aber die Gedanken Gotteö sind ja nicht Gedanken der '!Menschen! ״Höher als der Himmel über die Erde, sind! meine Wege über eure Wegen, und meine Gedanken über ן eure Gedanken" so spricht Gott, der Herr. ES gibt Manche, 1 die die vulgäre Auffassung der Vorsehung als der Größe i GotteS unwürdig erklären, kleinlich nämlich wäre eö, wenn j sich Gott um daö Schicksal jedes Einzelnen kümmern würde,! u. s. w. Aber vor Gott gibt eö nichts Großes, daher auch! nichts Kleines. ״Völker sind vor ihm wie der Tropfen am! Eimer, und wie ein Stäubchen an der Wagschaale geachtet." Ja! ״Alle Bewohner der Erde sind vor Gott, wie ein Nichts." Vor ihm gilt der einzelne Mensch nicht weniger alö daö Weltall, und gerade darin bestehet seine unendliche Größe, daß er daö Einzelne, so wie das Ganze beachtet und leitet, ״Weil Gott so hocherhaben ist, so siehet er auch auf daö Niedere, denn auch daö Hohe kennt er auö der Ferne" (Psalm. 136, 6), d. h. nahe, wie eö der Mensch auffaßt, kann ja dem Welterschöpfer gar nichts stehen. Eben so wenig können wir urtheilen, waS der göttl. WeiSH. würdig oder nicht würdig sei. Und wenn die Offen-; barung überhaupt nnd manche Thoragesetze insbesondere der göttlichen Weisheit nicht unwürdig sind, warum sollte eö gerade die Tradition sein?