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Ben Chananja · 1861-12-13 · 50 (13.12.1861) · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
50 (13.12.1861)
Date
1861-12-13
Page
Seite 429 (sequence 5)
Language
German
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429 firen darf; hieher gehören vor Allem die Gesetze der Grammstik! Die Uebertrcter dieser Gesetze werden zwar niemals ihren natürlichen Richtern entzogen: diese sind aber strenge und unerbittlich, und die Jury litcrärischer Erzeugnisse, welche aus gebildeten Lesern besteht, hat sich über die Eingriffe in das Heiligthum der Sprache noch immer verdammend ausgesprochen. Mit diesen Bemerkungen könnte ich mich an meinen Oponncntcn in Wien wenden, welcher versichert, daß ״unter dem Schutze der Türken in Ösen eine Gemeinde mit bekanntlich eigenem RituS(I) bestand." Ich fühle mich aber nicht berufen, den gelehrten Herren in Wien die deutsche Wortfolge zu lehren; dagegen möchte ich einen unserer verdienstvollen Schulmänner zn größerer Vorficht gerathen haben. Derselbe schreibt hebräisch korrekt und elegant, und bewegt sich auch als deutscher Stylist mit lobenSwerther Sicherheit und Leichtigkeit. In letzter Zeit hat er den Versuch gemacht, auch als ungarischcr Schriftsteller aufzutreten, ohne jedoch der sprachlichen Korrektheit diejenige Sorgfalt zu widmen, welche ihr gebührt. Derselbe wird diese wohlgemeinten Bemerkungen hoffentlich beherzigen und in der Folge berücksichtigen: והי' זה שלום! Der ungarische Verein hat, wie in d. Bl. bereits gemeldet wurde, mit der Herausgabe von Schulbüchern den Anfang gemacht. Vers, des ungarischen Lautir- und Lesebuches ist Herr Samuel Kohänyi, ein einsichtsvoller, vielerfahrncr Lehrer. Das Büchlein ist korrckt geschrieben, nnd die Materien reihen sich in naturgemäßer Ordnung an einander. Bei Gelegenheit einer zweiten Auflage werden folgende Verbesserungen vorzunehmen sein: Geldbeutel heißt erszöny oder pßnzes zacskö (S. IV); Zweig heißt nicht gallj , sondern gally (S. X). Die Gegenstände der Anschauung sind nicht nur ungarisch, sondern auch hebräisch und deutsch benannt. Auffallender Weise ist aber die hebr. Benennung auch dort weggeblieben, wo sic hinlänglich bekannt ist, z. B. Amme-—kl מינק. Der bibl. Purismus wäre viel weniger, die Korrektheit des Druckes viel mehr zu berücksichtigen gewesen. DaS deutsche Lautir- und Lesebuch ist von demselben Verfasser nach derselben Methode bearbeitet; das hebräische (ראשית הקריאה) hat Hrn. Musterhanptschullehrer EManuel Schütz, einen kundigen uns tüchtigen Schulmann, zum Verfasser. Auf die Anleitung zum Lesen folgen Gebete Auszüge aus dem historischen und didaktischen Theile der Bibel, ncuhebr. Gedichtchen*), die Namen der Monate und Feste, Anleitung zum lesen des Jüdisch-Deutschen. Die drei Elemcntarbüchlein haben sich , wie ich höre, schon jetzt einer großcn Verbreitung zu erfreuen. Meine Notiz, daß iin 16. Jahrhundert in Ofen eine deutsche und eine ungarische Synagogengemeinde bestanden habe, rief in Wien eine heftige Polemik hervor. Ich entnahm diese Notiz der vom Red. d. Bl. im vorigen Jahre in nng. Spr. erschienenen Abhandlung, und erlaube ich mir. die bezügliche Stelle hier in treuer Uebersetzung anzuführen: ״Aus der jüdischen Literatur ist ersichtlich, daß es im Mittelalter nur wenige Judengemeinden in Ungarn gab, und dies wird auch von christlichen Schriftstellern bestätiget. Anton Margaritha, ein getaufter Jude, macht in seinem 1530 erschienenen Buche ״der ganz jüdisch Glaub" nur sechs Gemeinden nahmhaft, nämlich in Tyrnan, Preßbnrg, Ofen, Gran. Stuhlweißenburg nnd TotiS; an anderen Orten wohnten nach seinem Berichte nur wenige Juden. Außer den genannten Städten harte auch Eisenstadt ein jüd. Gem., und zwar schon im 14. Jahrhundert. Die merkwürdigste Gemeinde blühte in Ofen, und in welchem Maße daselbst die Nationalisirung vorgeschritten war. beweist der Umstand, daß die dortige Gemeinde sich im 16. Jahrhunderte in zwei Theile theilte, in eine ungarische nnd eine deutsche Gemeinde (Eine Anm. weist auf Quaest. et resp. R. Mos. Jsserles hin, und widerlegt ׳) Was heißt S. 30 ינון וצער יעשו ל2ער? die Einwendungen Zipfers im Orient L. Bl. VII, 590)! Auf gleiche Weise gibt es heutzutage iu manchen nordamerikan. Gemeinden englischt und deutsche Judengemeiuden; der größere Theil der Triester- Genieinde ist italiänisch, der kleinere Theil deutsch. — Wer durch ein tieferes Studium der mittelalterlichen Geschichte der Juden zu der Erkenntniß gelangt ist, daß die Verhältnisse der Christen schon zn jener Zeit auf die der Juden einen bedeutenden Einfluß ausgeübt haben, nnd die Geschichte der Stadt Ofen nur einiger Maßen kennet, wird nicht überrascht sein, wahrzunehmen, daß die in nationeller Beziehilng getr. ׳׳ te jüdische Gemeinde zn Ofen nichts Anderes war, als — ein. treues Abbild der christlichen Ofner Bürgerschaft! In Ofen waren nämlich zu jener Zeit die christlichen Ungarn und die christlichen Deutscheu eben in kirchlicher Beziehung sehr voneinander getrennt: während in der einen Kirche die Adeligen nnd die ungarischen Bürger am GotteSdienfte theilnahmen, wurde die andere Kirche so sehr als Eigenthum der Deutschen betrachtet, daß in derselben nur deutsche Priester den Gottesdienst verrichten durften; ja täglich kamen Streitigkeiten nnd Zänkereien zwischen den Ungarn und Deutschen vor (Eine Anm. gibt den Quellennachweis). Die Ungarn und Deutschen Mosaischen GlanbenS kannten ebenfalls nicht sonderlich die gegenseitige brüderliche Liebe. Zn einer Zeit vereinigten sie sich zwar zu gewissen wohlthätigen Zwecken; später wollten sie sich jedoch auch in dieser Rücksicht von einander trennen, und der Ofner Rabbiner, Gerschon bcn Jchuda, machte bei dem Krakauer Rabbiner MoseS Jsserles die Anfrage, ob die dringend geforderte Separation zulässig sei. — In der ungarischen Gemeinde zu Ofen, welche übrigens in Betreff der Religion und der Synagogal- Gebräuche von der deutschen nicht abwich, hatte die nng. Nation«- lität so tief Wurzel geschlagen, daß in deren Mitte noch im 16. Jahrhundert der Name Attila vorkam. In der literärischen Behandlung einer liturgischen Frage ist nämlich von einem getauften Juden die Rede*), welcher vor seinem Uebertritte zur christlichen Kirche den Namen Attila Senior (עטיל שניאור Quaest. et resp. B. Meir kackeoensis Nr. 87) führte. Dieser Jude war aber kein anderer, als — Emerich Szerencfvs, welcher unter Wladislav II. und noch mehr unter Ludwig II. eine öffentliche Rolle spielte, und der aus den Jahrbüchern der ungarischen Geschichte hinlänglich bekannt ist. Die nng. Geschichtschreiber behaupten zwar, er habe vor seiner Taufe Salamon geheißen; aber seinen eigenen Glaubensgenossen war sein Name ohne Zweifel genauer bekannt. Meiner Jdentifizirung des Juden Attila Senior und des Katholiken Emerich Szerencsüs wird nur der widersprechen, der entweder die jüdischen Quellen nicht versteht (s. auch Zekan Aron Nr. 95), oder in den Spezialitäten des bezüglichen Zeitraumes der Vaterländ. Geschichte nicht eingewciht ist. Wer jene Quellen kennet und in diese Spezialitäten eingcweiht ist, wird die erwähnte Identität nicht in Zweifel ziehen. In Bezug auf Emerich Szerencsös und dessen Verhältnisse enthalten die jüd. Quellen folgende Thatsachen: Zur Taufe wurde er in Folge seiner Beziehung zu einer christlichen Dame gezwungen. Als Scheinchrist hing er noch an seinem Volke nnd seiner frühernReligion. Jeden Freitag theilte er Almosen an jüdische Arme aus. Die Ofner Gemeinde, welche ans eine niederträchtige Weise verläumdet »vorden war, nahm er unter seinen Schutz (S. Bref. I)ee. V. Lib. V). Die Prager Gemeinde, »velche in Gefahr »var, vertrieben zu »verden, rettete er (Herrin. Gesch. d. Juden in Böhmen, S. 40). Zlvei jüdische Kinder, deren Vater sich in Oesterreich taufen ließ, nahm er nach dem Tode des Ictztern in seine Protektion, und verivendete hierauf 200 Tha- *) Es handelte sich darum, ob der Sohn eines getauften Juden unter Nennung des Namens seines Vaters zur Thora gerufen werden soll. Anm. d. Hebers.

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