Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 50 (13.12.1861)
- Date
- 1861-12-13
- Page
- Seite 426 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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426 tatemtiicfh'n Tbeil der Bibel, Massoret nur die mündliche Ueberlieferung. Jene Bezeichnung mußte aber desto tiefer in den Hintergrund treten, je mehr die distinktere Venennnttg ״Profetcn und Hagiografen" in den Vordergrund trat. Die Massoret, die im 2. Jahrh. als Bollwerk des Gesetzes geprics. wurde, mußte sich im Laufe der Zeit auf den Kreis der Haggada, und!pater auf den der biblischen Onografte beschrankeu. Nun erst wurde die Kabbala alö Erbin der einstmaligen Massoret eingesetzt. Wann dies geschah, und wo sich ״Kabbala" zuerst als Bezeichnung der Tradition findet, vermögen wir nicht zu sagen. Gewiß ist, daß N. Ehanauel b. Ehnschiel, N. ׳K'issim b. Jakob, R. Salomo b. Gebirol, N. Iehuda Ha-Lcvi, R. Abraham Aben Esra und MaimouideS siel) dieser Bezeichnung sehr häufig bedie-! neu l:!7). Letzterer giebt der Kabbala ziemlich weite Grenzen, I und zieht Manches in ihren Kreis, daö im Thalm. nicht aus׳ drücklich als Ueberlieferung angeführt wird, wie wir denn : bei ihm ein gleiches Verfahren auch rücksichtlich der Massoret wahrgenommen haben; dagegen ist ihm die Kabbala so; elastisch, daß sie sich selbst auf entschieden Nabbinisches ausdehnt. Viele seiner Kabbala'ö sind merkwürdiger Weise die Frucht seines Mißtrauens gegen die thalmudische Schriftauslegung. So oft ihm diese nicht zusagt, substituirt er eine, Ueberlieferung dafür, um die thalmudische Satzung zu relten, ohne die thalmudische Motivirung akzeptiren zu müssen. Er kann sich dies um so leichter gestatten, alö er weit ent- . fernt davon ist, den Satzungen der Kabbala gleichen Rang mit denen der Thora einzuräumen. Seine Ausleger suchen! alles dies zu vertuschen, und nur hin und wieder kommt ן bei ihnen die Ahnung des wahren Sachverhaltes zum Durchi druck. Den tiefsten Blick that in dieser Rücksicht R. Abraj Hain b. David. Mail», äußert nämlich in Bezug auf gewisse,! iin Sifre aus der Schrift hergeleitete Satzungen, daß dieselben, obschon sie AuSspr. der Kabbala sind, doch nicht den Charakter eines Gesetzes der Thora haben (אע״פ שהן דברי קבלה אינן הין תורה). N. Abraham durchschaut das Heterodore dieser Anschauung, und es reißt der Faden sei- »er Geduld! ״Wenn diesem Manne", ruft er mit Indiz- Nation aus, ״die Schrifterklärung unserer Lehrer nicht einleuchtet, sagt er sogleich, das Resultat sei kein Gesetz der Thora, und sie, die Lehrer, haben es erfunden; dem ist aber nicht also!" — In der nachmaimonidischen Zeit mußte die Kabb. das Erbe, das ihr von der Massoret überkommen war, immer mehr mit der Geheimlehre theilen, bis sie endlich ganz aus dem Gebiete der Halacha verdrängt wurde, und die Mystiker die alleinigen Träger der Kabbala blieben '׳'"*)! Der halachischen Ueberlieferung blieb jedoch eine besondere Bezeichnung, die wir hier näher zu betrachten haben: Schemua (שמועה)! Der Ausdruck kommt schon in der Bibel und im Thalmud vor, steht jedoch weder in jener noch in diesem mit der Tradition in irgend einer Beziehung. Zunz sagt allerdings: ״die Halacha, als Richtschnur für die Praris, mußte gehört, d. h. rezipirt sein, darum wird sie auch alö Schema th a (Gehörtes) der Haggada gegenübergestellt Allein Schemua, (die hebr. Form, welche dein chald. Cchematha entspricht) heißt ein r e z i p i r t e r Lehrsatz nur in den älteren Quellen, denen die Entgegensetzung von Schemua und Haggada noch fremd ist. In der Gemara wird aber die Schemua oder Schematha nicht nur der Haggada, sondern auch der Misckna und Barajtha entgegengesetzt ""): das unterscheidende Merkmal derselben kann mithin nicht darin gesucht werden, daß sie gehört oder rezipirt wurde , denn auch die Mischna's wurden rezipirt! In Wahrheit ist Schemua oder Schematha in beiden G e m a r e n ein t e ch n i s ch e r Ll u S druck f ü r die Lehrsätze der Amoräer"'): (שמע heißt in der thalmudischen Schulsprache ״lernen", wie die Fraseu שמע מינה und נשמעינה מן ההא beweisen). Wer einen Lehrsatz vorträgt, heißt בער השמועה; wer sich dabei der Treue und Genauigkeit befleißt ist מבוץ את שמועתו; einen Lehrsatz als Norm feststellen heißt קבע שמועה; das Herablei ten des Lehrstoffes von früheren Autoritäten wird 'שרשר את הש genannt. Darauf drang besonders R. Jochanan b. Nafcha, welcher die mündliche Lehre so sehr über die schriftliche erhob, daß er jene und nicht diese als das wesentlichste Moment des göttlichen Bundes mit Israel betrachtet wissen wollte; auch erbitterte es ihn, daß sein Schüler Eleazar b. Pedat cs unterließ, ihn als die Quelle zu bezeichnen, aus welcher er schöpfte. Von einzelnen Lehrsätzen wurde Schematha auf die religionsgesetzliche Wissenschaft übertragen: ״Zum Studium der Schematha oder des Religionsgesetzes gehört ein Sinn, der hell und klar ist, wie der Tag, an dem ein Nordwind weht." — Abba Arekka sprach zu seinem Sohne: ״Ich habe vergeblich gesucht, dich im Religionögesetzt (Schematha) zu unterrichten; wohlan, so will ich Dich über weltliche Dinge belehren 14־)." In engem Zusammenhänge mit der ursprünglichen Bedeutung des Zeitwortes שמע wird Schemua von den Thannaiten als nonieu actioms gebraucht; was man nicht dem eigenen Nachdenken, sondern fremder Mittheilung verdankt, hat man מפי השמועהDie germanofränkische Schule ließ diesen Ausdruck gänzlich fallen; bei den arabischen Gesetzeslehreru und wahrscheinlich unter dem Einflüsse des arabischen Sprachgebrauches wurde derselbe die am häusigsten gebrauchte Bezeichnung der Tradition: namentlich ist dies bei MaimonideS der Fall, in dessen großem Gesetzbuche er nicht weniger alö vierzig Mal vorkommt IU). Den Wahrnehmungen, auf die wir in Betreff der Kabbala aufmerksam gemacht haben, begegnet die Forschung auch hier,