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Ben Chananja · 1861-12-06 · 49 (6.12.1861) · p. Seite 421

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
49 (6.12.1861)
Date
1861-12-06
Page
Seite 421 (sequence 5)
Language
German
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len sollte! Dieses Räthsel löst sich aber von selbst durch die Bemerkung, daß die thalmndische Tradition über die biblischen Bögelnamen keinen Ausschluß gibt, und die Ausleger über die Bedeutung derselben von jeher in Ungewißheit schweben. Ja selbst über das mischnische Kriterion der Unreinheit (דרס) fragt man die nachmischniscbe Tradition vergeblich um Erläuterung; sie muß bekennen, daß sie ans Kombinationen angewiesen ist! lind Angesichts dieser Unzuverlässigkeit tauchte in den französischen Schulen der Gedanke auf, daß die Mischna im Besitze einer Noachidischen Ueberliefernug gewesen sein mag! In den persischen Schulen sind über die Merkmale der in der Thora nahmhaft gemachten Vögel Fiktionen einheimisch geworden, über welche die Zoologie bedenklich den Kopf schütteln muß, die sich aber gleichwol als traditionell ankündigen. Die darauf bezügliche hermeneutisch-pilpulistische Erörterung dürfte im Thalmue kaum ihres Gleichen haben; jedenfnlls gehört sie zu den jnngsten Stücken der babil. Gemara! — Und wie die Theorie, so war auch die PrariS während der thalmudischen Zeit schwankend und unsicher. Die Mischna nennt drei ReinheitSmcrkmale: Sporn, Kropf, schälbaren Magenbeutel. Der berühmte R. Chijja b. dlbba, der Schüler und Busenfreund R. Jehuda des Heiligen, faßt diese Zeichen in distributivem Sinne aus, so daß eines derselben hinreichte, einen Vogel als rein zu konstatiren. Sein jüngerer Zeitgenosse, R. Nachman ben Jakob (gest. 299), stimmte dem Prinzipe bei, fand aber dessen Anwendung nicht unbedigt zulässig; N. Asche und Amemar setzten sich ungefähr ein Jahrhundert später über seine Bedenken hinaus. Aber nicht nur zu verschiedenen Zeiten, auch zu einer und derselben Zeit war die Praris an verschiedenen Orten verschieden, und zwar nicht nur während der thalmudischen, sondern auch während der mittelalterlichen Periode. So galt der Storch in der Provence für einen reinen und erlaubten, in Deutschland für einen unreinen und verbotenen Vogel, und während R. Jerucham b. Meschullam seine Landsleute gegen diejenigen in Schutz nimmt, welche den Storch für die biblisch verbotene Chaßida erklärten, tritt R. Ascher b. Jechiel für die Integrität der deutschen Ueberlieferung in die Schranken. ״Ich", sagt er, ״halte mich an die Tradition der Aschkenasischen Gelehrten, weil diese die Thora alö ein Erbe ihrer Väter aus der Zeit der Zerstörung des Tempels besitzen." So bleibt R. Ascher, der aus Deutschland Verbannte, ein Bewunderer und Lobredner deutscher Gründlichkeit, wicwol seine Lobrede, geschichtlich betrachtet, eben keine glänzende Probe der gepriesenen Gründlichkeit liefert! Er hat indes nichts dagegen, daß sich Emigranten nach der Praris ihrer neuen Heimat richten, vorausgesetzt, daß sie aus ihrer früher» Heimat keine derselben widersprechende Ueberlieferung mitbringen. In der thalmudischen Zeit blieben die Merkmale maßgebend; die Mafforet machte jedoch jede weitere Unters»- chung überflüssig. Die Germanofranken erklärten jede Untersuchung für unzuverlässig, und machten die Entscheidung über die Reinheit der Vögel ausschließlich von der lokalen Tradition abhängig. In Folge dessen fühlten sich manche Rabbinen veranlaßt, in die Praris ihrer Gemeinden störend cinzugreifen, indem ihnen die örtliche Ueberlieferung nicht genug konstatirt und gesichert schien. Die Nikolöburger Gemeinde mußte zu wiederholten Malen diese Strenge empfinden. N. Menachem Mendel Krocbmal verfolgte die wilden Gänse und Anten. R. Markus Benedikt die Repphüh- »er. Die Reinheit der ersteren hat jedoch an R. Jonathan Evbeschütz einen warmen Vertheidigcr gefunden 1*9). Letztere sollen besonders durch die Gesellschaft, in welcher sie oft gefunden werden, Bedenken erregt haben, indem der Thalmud kein Vertrauen zu der Reinheit derjenigen Vögel fassen kann, welche nicht den Umgang mit den unreinen meiden. In neuester Zeit hat die Reinheit der Kochin-China-Hühner in Prag gewaltigen Streit hervorgerufen. Entstünde solcher Streit unter den Karäern, so würden deren Gegner triumfirend daran erinnern, daß das Schwanken, die Unsicherheit, die von einander abweichende Praris auf dem Gebiete des Religionsgesetzeö bei Karäern kein Ende nehmen könne, weil ihnen der zuverlässige Führer, die thalmudische Ueberlieferung abgeht! — Die Karaiten selbst sind in Bezug auf das vorliegende Gesetz noch ängstlicher, als die Nabbaniten. Zur richtigen Erklärung der biblischen Bögelnamen, sagen sie, reichen unsere Sprachkenntnisse nicht hin; die Tradition aber ist kein biblischer Leitstern, dem wir folgen könnten. Daher ist uns die größte Behutsamkeit und Vorsicht geboten! Viel öfter als im Bereiche der Halacha kommt die Mafforet im Bereiche der Haggada vor. Folgende Satze werden theils als ihre Relationen angeführt, theils wird sie in denselben bloß nahmhaft gemacht: ״Amazia, der König von Juda, und Amoz, des Profeten Jesajas Vater, waren Brüder." — ״Die Namen, welche die von Moses nach Kenaan entsendeten Kundschafter trugen, enthalten ihrem Sinne nach Andeutungen auf daö Gebühren derselben." — ״Wo die Schrift ihre Erzählung mit ״Wa-jehi" beginnt, hat sie Trauriges zu berichten." — ״Esau wird nur durch Rachel's Nachkommen besiegt." — ״Von Jakob, dem Patriarchen, wurden seinen Nachkommen alle Geschicke vorhergesagt, die sie bis zur Ankunft des Messias treffen würden." — ״An der unmittelbar aus einander folgenden Wiederholung des Zeitwortes Pakad (סקר), womit Moses das bevorstehende Ende der Aegvptischen Knechtschaft ankündigte, erkannten die Kinder Jsrael's den Gottgesandten Boten, indem sie hierüber eine Befreiungs-Tradition (.מסרח גאולה)

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